Der designierte Finanzvorstand Zimmerer hält die Papiere trotz der Staatsschulden nicht nur für sicher, sondern die Zinsen für "hoch attraktiv". Zweckoptimismus? Der Versicherunger hat Milliarden an Italien-Bonds in seinen Büchern.
Der Versicherungskonzern
Allianz bewertet italienische Staatsanleihen trotz der Schuldenkrise als attraktives Investment. Der designierte Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er sehe bei den Papieren kein Ausfallrisiko. Zimmerer fügte hinzu: "Ich halte die Zinsen sogar für hoch attraktiv". Die
Allianz hält laut ihrem jüngsten Quartalsbericht rund 25 Mrd. Euro an italienischen Staatsanleihen. Ihr Anteil an den Kapitalanlagen der
Allianz Lebensversicherung liegt Zimmerer zufolge bei mehr als zwei Prozent.
Italienische Staatsanleihen verlieren seit Monaten an Wert, weil viele Investoren das Vertrauen in den Sparkurs des hoch verschuldeten Landes verloren haben. Frische Kredite bekommt Rom am Markt nur noch zu hohen Zinsen: Für Investitionen in zehnjährige Staatsanleihen forderten Anleger bei einer Emission am Donnerstag eine Rendite von 6,98 Prozent. Vor diesem Hintergrund spricht Zimmerer, der 2012 die Nachfolge des bisherigen Allianz-Vorstands Paul Achleitner antritt, von attraktiven Zinsen.
Staatsanleihen gehören für Versicherungen zu den wichtigsten Anlageklassen. Mit den neuen Eigenkapitalregeln der EU, die ab 2013 unter dem Namen Solvency II in Kraft treten sollen, dürften sie für die Branche noch mehr Bedeutung gewinnen. Denn während Anlagen in Aktien künftig mit hohen Kapitalrücklagen abgesichert werden müssen, müssen die Versicherer für Staatsanleihen aus EU-Ländern kein Kapital vorweisen.
Niedrigzinsen bombensicherer Anleihen sind für Versicherer ein Problem
Gleichzeitig steht die Branche vor dem Problem, dass Anleihen von Ländern mit vergleichsweise gesunden Staatsfinanzen wie Deutschland kaum noch Zinsen abwerfen. Bei einer Auktion dänischer Schatzwechsel rutschte die Rendite am Donnerstag sogar unter Null - die Käufer zahlten also eine Prämie dafür, ihr Geld in Staatsanleihen des skandinavischen Landes parken zu dürfen. Die Schuldenkrise macht die Papiere des nicht zur Euro-Zone gehörenden Staates für viele Anleger attraktiv, auch weil die Dänische Krone gegenüber der Gemeinschaftswährung seit Monaten steigt. Die Schweiz profitiert schon seit einigen Monaten von Negativzinsen auf kurzfristige Schuldtitel.
Die Versicherungen sind aber an Anleihen mit einer höheren Rendite interessiert, weil sie Käufern von Lebensversicherungen einen Garantiezins bieten. Vor diesem Hintergrund sind Anleihen beispielsweise Italiens, die eine Risikoprämie bieten, für die Assekuranz tatsächlich attraktiv.
Das gilt nicht nur für die Allianz: Die Finanzaufsicht Bafin befragte kürzlich die zehn größten deutschen Versicherer zu Staatsanleihen aus Italien, Spanien, Portugal, Irland und Griechenland. Das Ergebnis: Elf Prozent der Kapitalanlagen der zehn Unternehmen stecken in diesen Papieren. Das bedeutet ein erhebliches Risiko - auf griechische Staatsanleihen mussten die Versicherungen bereits Abschreibungen vornehmen.
mit Agenturen
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