Die Sorge der Anleger kehrt zurück. Das treibt die Risikoprämien für Anleihen hoch verschuldeter EU-Staaten in die Höhe. Die Niveaus vom vergangenen Frühjahr, dem Höhepunkt der Schuldenkrise, sind wieder erreicht.
Marktteilnehmer berichteten zwar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auch am Mittwoch wieder Papiere Griechenlands, Portugals und Irlands gekauft habe. Allerdings sei das eingesetzte Volumen nicht ausreichend, um den seit Wochen dauernden Trend steigender Risikoprämien dieser Staaten zu stoppen. "Wir haben einen Käuferstreik bei Peripherieanleihen", sagte ein Bondstratege einer europäischen Großbank. "Dieses Sterben auf Raten kann nur ein entschlosseneres Handeln der EZB stoppen." Neuemissionen dieser Staaten zeichnen nach Angaben aus Marktkreisen seit Langem fast nur noch Banken aus den jeweiligen Staaten, institutionelle Investoren aus dem Ausland halten sich komplett zurück.
Die Risikoaufschläge portugiesischer und irischer Papiere mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber Bundesanleihen erreichten zeitweise mit 372 und 381 Basispunkten erneut je ein Rekordniveau. Die Risikoprämie für griechische Titel stieg auf 949 Basispunkte. Im Tagesverlauf kam es allerdings zu einer Kurserholung, und die Risikoaufschläge sanken, nachdem sich Bundesanleihen deutlich abschwächten.
Portugal musste am Mittwoch deutlich höhere Zinsen zahlen, um seine Anleihen am Markt unterzubringen. Das Land versteigerte insgesamt Schuldverschreibungen über 1,04 Mrd. Euro. Nach Angaben der staatlichen Schuldenagentur des Landes gingen Gebote für das doppelte Volumen ein. Für eine Anleihe mit elf Jahren Laufzeit beträgt die Rendite 5,973 Prozent, für eine dreijährige Anleihe 4,086 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei der letzten Auktion im Juli. Damals akzeptierten Anleger für zehnjährige Papiere eine Rendite von 5,312 Prozent und für vierjährige von 3,62 Prozent.
Montenegro platzierte eine fünfjährige Euroanleihe über 200 Mio. Euro nach Angaben des Finanzministeriums dagegen problemlos. "Wir hatten Interesse für weitere 400 Mio. Euro von 140 Investoren", sagte Finanzminister Igor Luksic. 125 Investoren seien zum Zuge gekommen. Die Emission ist mit einem Kupon von 7,875 Prozent versehen und rentiert bei einem Ausgabekurs von 99,501 Prozent mit 8,0 Prozent.
Die Risikoscheu trieb die Investoren am Mittwoch weiter in Schweizer Franken und Yen. Zum Euro erreichte der Franken ein Rekordhoch bei 1,2766 Franken, bevor sich die Gemeinschaftswährung wieder erholte.
Der Yen stieg zum Dollar auf ein 15-Jahres-Hoch von 83,34 Yen, obwohl Japans Finanzminister Yoshihiko Noda vor dem Parlament Devisenmarkt-Interventionen explizit als eine Option nannte, um den Yen-Anstieg einzudämmen. "Letztlich werden wir bei Bedarf Maßnahmen einleiten, zu denen auch Interventionen zählen." Bislang hat der Minister stets darauf verzichtet, direkt von einem Eingriff am Devisenmarkt zulasten des Yen zu sprechen. Japan hat zuletzt im Frühjahr 2004 am Devisenmarkt interveniert. Bis zum frühen Abend gab der Yen aber wieder nach.
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