Die Anleger fliehen in Massen aus dem jahrelang erfolgreichen Total-Return-Anleihefonds des legendären Pimco-Gründer Bill Gross. Davon profitieren kann ein Wettbewerber, der erst seit Kurzem am Start ist: Jeffrey Gundlach.
Bislang trug Bill Gross den Titel des Anleihekönigs
mit Stolz – und zu Recht. Doch jetzt wackelt der
Thron des jahrelang so erfolgreichen Gründers der
kalifornischen Fondsgesellschaft Pacific Investment
Management Company (Pimco), die zum Allianz-
Konzern gehört, bedenklich – manche sagen
gar, der Machtwechsel sei bereits vollzogen: Denn
wie aus Daten der Ratingagentur Morningstar hervorgeht,
zogen Anleger 2011 rund 5 Mrd. Dollar
(3,8 Mrd. Euro) aus Gross’ Total-Return-Fonds ab –
Abflüsse hatte der auf Staatsanleihen spezialisierte
Fonds zuletzt 1993 verzeichnet.
Besser machte es Jeffrey Gundlach. Sein Doubleline
Total Return Fund sammelte 10,6 Mrd. Dollar
ein und verdreifachte sein Volumen binnen einem
Jahr. Überhaupt zog kein anderer der großen USAnleihefonds
mehr Geld an – und das, obwohl Gundlachs
Fonds erst seit April 2010 existiert. Auch bei
der Rendite glänzt der Doubleline-Fonds: Nach eigenen
Angaben erwirtschaftete er auf Jahressicht
9,2 Prozent. Kein Wunder also, dass das US-Anlegermagazin
„Barron’s“ Gundlach bereits Anfang
2011 zum neuen Anleihekönig ausgerufen hatte.
Etwas voreilig vielleicht, denn noch ist Gross’
Total-Return-Fonds mit 240 Mrd. Dollar Vermögen
der weltgrößte Anleihefonds und Flaggschiff von
Pimco. Insgesamt haben die Kalifornier sogar rund
1300 Mrd. Dollar für Kunden angelegt. Dagegen
wirken die 22 Mrd. Dollar unter dem Dach von Doubleline
wie Peanuts, zumal 15 Mrd. Dollar allein in
Gundlachs Total-Return-Fonds stecken. Aber Größe
allein hilft nicht, wenn nichts dabei verdient wird.
Zudem spiegelt der unterschiedliche Erfolg die
Verwerfungen an den Anleihemärkten. Denn Pimcos
Misserfolg lässt sich auf einen Nenner bringen:
Ab dem Jahresbeginn 2011 verringerte Gross sukzessive
seine Bestände an US-Staatsanleihen, während
Gundlach an ihnen festhielt. Seinen unpatriotischen
Rückzug begründete Gross seinerzeit mit der
hohen Verschuldung der USA und der Gefahr, dass
das Land erstmals seinen Status als Topschuldner
mit der Bonitätsnote „AAA“ verlieren könnte, was
US-Staatsanleihen auf lange Sicht wertlos mache.
Mit den beiden ersten Einschätzungen behielt
Gross recht: Im Sommer schrammten die USA an
einer Staatspleite vorbei, noch immer gibt es kaum
Aussicht auf Besserung. Zudem kassierte die
Ratingagentur Standard & Poor’s das Gütesiegel
„AAA“ und stufte die Staaten tatsächlich herab.
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