Die Anleger am Rentenmarkt sind zu Wochenbeginn deutlich risikofreudiger geworden. Dies zeigte sich darin, dass gestern die Kurse fast aller Staatsanleihen im Euro-Raum, in Großbritannien und den USA kräftig fielen.

Dagegen waren Aktien an den wichtigen Börsen wieder stärker gefragt. Im Gegenzug zogen die Anleiherenditen teilweise deutlich an.
Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zwischenzeitlich sogar mit 2,46 Prozent – ein Plus von sechs Basispunkten im Vergleich zum Freitag. So viel warfen die Papiere seit Mitte August nicht mehr ab. Erst am Abend gab die Rendite etwas nach, sie lag gegen 21 Uhr aber immer noch fast drei Basispunkte im Plus. Der Bund-Future, der Terminkontrakt auf diese Papiere, fiel erstmals seit genau einem Monat wieder unter die Marke von 130 Punkten, erst am Abend stieg er wieder leicht.
Die Analysten von
BNP Paribas machten eine Reihe von Neuigkeiten für die bessere Marktstimmung aus. So hatte sich in China die heimische Nachfrage im August erholt. Positiv nahmen Anleger auch die Ergebnisse eines Referendums zur Verfassungsreform in der Türkei auf.
Nachdem vergangene Woche Sorgen um die Banken im Euro-Raum aufgekommen waren, klangen die Ängste etwas ab, auch weil bekannt wurde, dass Finanzinstitute im Währungsgebiet es vergangene Woche geschafft hatten, 20,5 Mrd. Euro an Anleihen zu platzieren, hieß es bei
BNP Paribas. Die Einigung über die neuen Eigenkapitalregeln (Basel III) für die Banken brachte dagegen keine große Überraschung, wie Peter Chatwell, Anleihestratege bei
Crédit Agricole, sagte. „Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem keine Nachrichten schlechte Nachrichten für die Anleihen sind“, erklärte der Analyst die sinkenden Kurse und damit die steigenden Renditen.
Gestern brachte die Regierung in Italien mehrere Anleihen erfolgreich am Markt unter: Mit 3,5 Mrd. Euro für fünfjährige und 2 Mrd. Euro für 30-jährige Papiere schaffte es Rom sogar, das obere Ende der geplanten Spanne aufzunehmen. „Die Auktionen verliefen sehr gut, besonders für die 30-jährige Anleihe“, sagte Chiara Cremonesi, Strategin bei Unicredit.
So war die Nachfrage der Investoren nach den Papieren höher als noch bei den vorangegangenen Emissionen. Hinzu kam, dass die Regierung deutlich weniger Rendite bieten musste, als kurz vorher noch am Markt gezahlt worden war. Bei der fünfjährigen Anleihe lag die Verzinsung in der Auktion bei 2,69 Prozent – im Vergleich zu 2,76 Prozent zuvor im Handel. Ähnlich sah es bei dem 30-jährigen Langläufer aus: Vor der Auktion hatte die Rendite noch bei 4,84 Prozent gelegen, bei der Emission kamen dann 4,80 Prozent heraus. Das war sogar weniger als die 5,08 Prozent bei der Juli-Auktion.
Nach den etwas ruhigeren Sommermonaten fangen die Regierungen im Euro-Raum an, ihre Anleihenemissionen wieder erheblich auszuweiten. So wollen einige Euro-Länder diese Woche 27 Mrd. Euro am Markt unterbringen. Darunter auch die Griechen, die planen, heute kürzer laufende Geldmarktpapiere zu emittieren.
Der Euro wurde ebenfalls von der Risikofreude der Anleger angesteckt. Er gewann gestern gegenüber vielen wichtigen Devisen: Das Plus zum Dollar lag sogar bei 1,5 Prozent. Gegen 21 Uhr notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2865 Dollar. Der Greenback war zuletzt oft immer dann stärker gefragt, wenn die Risikofreude nachgelassen hatte.
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