Gleich zu Jahresbeginn könnte sich die Schuldenkrise in Europa verschärfen: Denn offenbar drängt Griechenlands Regierung Banken und Versicherer dazu, auf weitere Forderungen zu verzichten.
Europas ohnehin krisengeplagten Anleihemärkten droht ein weiterer Nackenschlag: Griechenlands neue Regierung drängt Banken und Versicherer, die rund 200 Mrd. Euro in hellenischen Staatsanleihen halten, zu einem noch höheren Forderungsverzicht, heißt es in Medienberichten. Im Gespräch sei jetzt eine Quote von bis zu 75 Prozent, eine Einigung noch im Januar wahrscheinlich.
Bisher sind auf freiwilliger Basis 50 Prozent oder 100 Mrd. Euro vereinbart, wodurch Athens Schulden von heute 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2020 auf 120 Prozent sinken würden.
Kommt es so, droht sich die Schuldenkrise gleich zu Beginn des neuen Jahres zu verschärfen. Zwar wird Griechenland an den Märkten seit Langem schon als faktisch insolventer Staat betrachtet, und viele Banken haben ihre Griechenland-Anleihen bereits deutlich im Wert herabgeschrieben. Gleichwohl dürfte die Unsicherheit darüber, wie hoch der Schuldenschnitt tatsächlich ausfällt, die Nervosität der Anleiheanleger nochmals erhöhen.
Das sind denkbar schlechte Voraussetzungen zum Start in das neue Jahr, dessen erstes Quartal nach Ansicht von Experten entscheidend dafür ist, ob die Euro-Zone in ihrer jetzigen Konstellation erhalten bleibt oder mit unabsehbaren Folgen auseinanderbricht. Denn bis ins Frühjahr hinein müssen Europas Krisenstaaten fürchten, wegen des Vertrauensverlusts an den Anleihemärkten nicht genügend Geldgeber zu finden.
Alle Euro-Staaten zusammen müssen bis Ende April 650 Mrd. Euro an Altschulden tilgen und neues Geld durch den Verkauf von Staatsanleihen hereinholen. Allein Italien, Spanien, Belgien und Frankreich müssen mehr als 400 Mrd. Euro umschulden.
Die Griechen sind dringend darauf angewiesen, dass sich die Gläubiger auf einen freiwilligen Verzicht einlassen. Daran hängt das Hilfspaket über 130 Mrd. Euro, das die Euro-Zonen-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) geschnürt haben.
Die Zeit drängt: Bis 20. März braucht Athen neues Geld, weil dann 14 Mrd. Euro an Anleihen fällig werden. Kommt keine Einigung zustande, weil sich die Banken auf einen größeren Verzicht nicht einlassen, könnte Athen den Zahlungsausfall auf alle Schulden erklären - die erste Staatspleite in Euroland wäre perfekt.

Dann müssten Europas Banken ihren Zahlungsverpflichtungen aus Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) auf griechische Anleihen nachkommen. Sie halten sich mit 1,1 Mrd. Euro in Grenzen. Auf deutsche Banken entfielen 445 Mio. Euro, auf italienische 310 Mio. Euro und auf französische 275 Mio. Euro.
Nicht nur die Banken müssen sich auf höhere Abschreibungen einstellen: Sollte Griechenland per Gesetzesänderung den Rückzahlungsbetrag seiner Anleihen ändern, müsste auch die Europäische Zentralbank (EZB) Verluste hinnehmen: Sie hält rund 50 Mrd. Euro an griechischen Staatsanleihen. Und auch die Euro-Staaten würden bluten. Sie haben Athen 53 Mrd. Euro geliehen, allein aus Deutschland flossen 15 Mrd. Euro.
Dass die bisherige Regelung womöglich nicht ausreicht, hatte sich bereits Ende 2011 angedeutet. So hatte der IWF gewarnt, dass Athen seine Restschulden selbst bei 50 Prozent Forderungsverzicht auf lange Sicht nicht abtragen könne, weil die Wirtschaft 2012 stärker schrumpfen dürfte als geglaubt. Dann wäre auch das erhoffte Absenken der Gesamtschuld auf 120 Prozent bis 2020 Makulatur.
Dreifach A |
Absage Eigentlich wollte die Regierung in Athen ab 1. Januar Gewinne aus Aktienverkäufen besteuern. Jetzt verschob sie ihr Vorhaben um drei Monate. |
Angst Eine Rückkehr zur Drachme will Athen aber in jedem Fall vermeiden. "Das wäre die Hölle", sagte Zentralbankchef Giorgos Provopoulos der Zeitung "Kathimerini". |
Ansage Dafür ernannte er 22 Institute, die 2012 als Primärhändler für griechische Staatsanleihen fungieren - darunter auch die Deutsche Bank. |
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