Trotz Euro-Krise misst einer der Star-Analysten von
Goldman Sachs italienischen Staatsanleihen große Ertragschancen bei. Voraussetzung seien allerdings Fortschritte beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag, sagte der Leiter der Goldman-Vermögensverwaltung, Jim O'Neill: "Wenn das Wochenende kein totales Fiasko wird, scheinen mir italienische Anleihen ein gutes Geschäft zu sein", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters den Banker.
O'Neill prägte vor zehn Jahren das Kürzel "BRIC" für die aufstrebenden Schwellenländer Brasilien, Indien und China und gelangte damit zu branchenweitem Ruhm. Seine Äußerungen machen deutlich, wie stark die Bewertung Italiens selbst unter Finanzexperten auseinandergeht: Zahlreiche europäische Banken haben wegen der Euro-Krise Anleihen des hoch verschuldeten Landes verkauft. Allein der französische Branchenprimus
BNP Paribas reduzierte seine Bestände im zurückliegenden Quartal um rund 40 Prozent auf 12,2 Mrd. Euro.
Wegen des Ausverkaufs haben italienische Staatsanleihen in den vergangenen Monaten stark an Wert verloren. Die Renditen von Zehnjahrespapieren, die sich entgegengesetzt zu den Kursen bewegen, erreichten Anfang November mit 7,48 Prozent den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Seit der Vorstellung eines Reformpakets durch den neuen italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti gingen die Renditen allerdings merklich zurück, am Dienstag lagen sie bei 5,88 Prozent.
Nach Einschätzung O'Neills liegt im Anstieg der Refinanzierungskosten des italienischen Staates auch eine Chance, weil er nicht nur Rom, sondern auch die Regierungen der übrigen Euro-Länder zum Handeln zwinge. "Ich glaube nicht, dass die Währungsunion ohne Italien überleben könnte. Gleichzeitig kann Italien nicht mit Anleihenrenditen von sieben Prozent leben - es muss also etwas geschehen", sagte er.
Als vielversprechend wertete der US-Banker, dass die Bundesregierung von ihrer Forderung nach einer automatischen Beteiligung privater Gläubiger bei künftigen Rettungsaktionen für hoch verschuldete Euro-Staaten abgerückt sei. Dies sei "von großer Bedeutung". Berlin hatte im Juli eine Beteiligung privater Gläubiger am Rettungspaket für Griechenland durchgesetzt. Danach waren die Refinanzierungskosten Italiens und anderer hoch verschuldeter Staaten weiter gestiegen. Viele Analysten führen dies darauf zurück, dass Investoren fürchteten, auch Inhaber von Staatsanleihen dieser Länder müssten künftig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.
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