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Zinswende Feste Bindung birgt Gefahren

[10:55, 08.09.10]


Trotz der möglichen Zinswende stürzen sich Anleger auf langlaufende Unternehmensanleihen. Anlegern drohen hohe Verluste, sollten die Notenbanken mit Zinserhöhungen beginnen.


Analysten verweisen darauf, dass Unternehmen die sinkenden Finanzierungskosten am Anleihemarkt dazu nutzen, Papiere mit immer längeren Laufzeiten zu platzieren. Für Investoren birgt das Gefahren, weil der Kurs von Anleihen mit langer Laufzeit sehr sensibel auf eine Änderung des Zinsniveaus reagiert.

„Durch den Kauf von Anleihen mit längerer Laufzeit setzen Anleger darauf, dass die Zinsen extrem niedrig bleiben werden“, sagt Mehernosh Engineer, Kreditstratege bei  BNP Paribas in London. Die Mehrheit der Händler am Zinsterminmarkt erwartet zwar, dass die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins bis ins nächste Jahr beim Rekordtief von null bis 0,25 Prozent belassen wird. Eines Tages aber werden die Währungshüter die Zinsschraube anziehen müssen, meinen Analysten.

Das niedrige Zinsniveau motiviert die Unternehmen dazu, bei Anleiheemissionen längere Laufzeiten zu wählen – so sichern sie sich die günstigen Konditionen für viele Jahre. Im vergangenen Monat entfielen 39 Prozent des Emissionsvolumens auf Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren oder mehr, zeigen Bloomberg-Daten. So hoch war der Anteil der Langläufer seit Dezember 2007 nicht mehr. Im ersten Quartal 2009 konnten Investoren noch eine Rendite von mehr als vier Prozent erzielen, wenn sie Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren kauften. Inzwischen müssen sie für einen entsprechenden Ertrag Papiere mit Fälligkeit in 15 Jahren erwerben, zeigt eine Studie der Analysten von  BNP Paribas.

Ein Beispiel liefert der kalifornische Versorger San Diego Gas & Electric: Das von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit der guten Bonitätsnote „A“ bewertete Unternehmen sammelte am 23. August mit einer 30-jährigen Anleihe 500 Mio. Dollar (392 Mio. Euro) ein – und musste dafür nur einen Kupon von 4,5 Prozent bieten. Genauso niedrig lag der Kupon knapp zwei Wochen zuvor bei einer Emission des US-Pharmakonzerns  Johnson & Johnson, der als eines von nur wenigen Unternehmen weltweit mit der Topnote „AAA“ bewertet ist. Einen so niedrigen Kupon hatte es bei einer solchen Laufzeit zuvor noch nie gegeben. Der US-Eisenbahnbetreiber Norfolk Southern stockte kürzlich sogar eine Anleihe auf, die erst in 100 Jahren fällig wird. Die mittlere Emissionsrendite lag bei 5,95 Prozent.

„Die Anleger setzen auf eine längere Kapitalbindungsdauer“, sagt Zoso Davies, Kreditstratege bei  Barclays Capital in London. „Damit werden die Portfoliobewertungen volatiler.“ Das Grundprinzip: Bei langlaufenden Anleihen schlagen Zinsänderungen viel stärker auf den Kurs durch als bei Kurzläufern. Eine steigende Kapitalmarktrendite bringt die Kurse der Langläufer stark unter Druck.

Allein im August haben Firmen weltweit Bloomberg zufolge 81,1 Mrd. Dollar über Anleihen mit mindestens zehn Jahren Laufzeit beschafft. Die Rendite von Euro-Papieren, die mit der Rating-Note „BBB“ gerade noch das Gütesiegel „Investment Grade“ tragen, ist mit rund 3,4 Prozent derzeit so niedrig wie nie seit Beginn der Datenerhebung, zeigen Zahlen des Indexanbieters FTSE.


 

© 2010 ftd, © Illustration: dpa

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