Trotz der möglichen Zinswende stürzen sich Anleger auf langlaufende Unternehmensanleihen. Anlegern drohen hohe Verluste, sollten die Notenbanken mit Zinserhöhungen beginnen.

Analysten
verweisen darauf, dass Unternehmen
die sinkenden Finanzierungskosten
am Anleihemarkt dazu nutzen,
Papiere mit immer längeren
Laufzeiten zu platzieren. Für Investoren
birgt das Gefahren, weil der
Kurs von Anleihen mit langer Laufzeit
sehr sensibel auf eine Änderung
des Zinsniveaus reagiert.
„Durch den Kauf von Anleihen
mit längerer Laufzeit setzen Anleger
darauf, dass die Zinsen extrem
niedrig bleiben werden“, sagt Mehernosh
Engineer, Kreditstratege
bei
BNP Paribas in London. Die
Mehrheit der Händler am Zinsterminmarkt
erwartet zwar, dass
die US-Notenbank Federal Reserve
ihren Leitzins bis ins nächste Jahr
beim Rekordtief von null bis
0,25 Prozent belassen wird. Eines
Tages aber werden die Währungshüter
die Zinsschraube anziehen
müssen, meinen Analysten.
Das niedrige Zinsniveau motiviert
die Unternehmen dazu, bei
Anleiheemissionen längere Laufzeiten
zu wählen – so sichern sie
sich die günstigen Konditionen für
viele Jahre. Im vergangenen Monat
entfielen 39 Prozent des Emissionsvolumens
auf Papiere mit einer
Laufzeit von zehn Jahren oder
mehr, zeigen Bloomberg-Daten. So
hoch war der Anteil der Langläufer
seit Dezember 2007 nicht mehr.
Im ersten Quartal 2009 konnten
Investoren noch eine Rendite von
mehr als vier Prozent erzielen,
wenn sie Unternehmensanleihen
mit einer Laufzeit von fünf Jahren
kauften. Inzwischen müssen sie für
einen entsprechenden Ertrag Papiere
mit Fälligkeit in 15 Jahren erwerben,
zeigt eine Studie der Analysten
von
BNP Paribas.
Ein Beispiel liefert der kalifornische
Versorger San Diego Gas &
Electric: Das von der Ratingagentur
Standard & Poor’s mit der guten
Bonitätsnote „A“ bewertete Unternehmen
sammelte am 23. August
mit einer 30-jährigen Anleihe
500 Mio. Dollar (392 Mio. Euro) ein
– und musste dafür nur einen Kupon
von 4,5 Prozent bieten. Genauso
niedrig lag der Kupon knapp
zwei Wochen zuvor bei einer Emission
des US-Pharmakonzerns
Johnson & Johnson, der als eines
von nur wenigen Unternehmen
weltweit mit der Topnote „AAA“ bewertet
ist. Einen so niedrigen Kupon
hatte es bei einer solchen Laufzeit
zuvor noch nie gegeben. Der
US-Eisenbahnbetreiber Norfolk
Southern stockte kürzlich sogar
eine Anleihe auf, die erst in 100 Jahren
fällig wird. Die mittlere Emissionsrendite
lag bei 5,95 Prozent.
„Die Anleger setzen auf eine längere
Kapitalbindungsdauer“, sagt
Zoso Davies, Kreditstratege bei
Barclays
Capital in London. „Damit
werden die Portfoliobewertungen
volatiler.“ Das Grundprinzip: Bei
langlaufenden Anleihen schlagen
Zinsänderungen viel stärker auf
den Kurs durch als bei Kurzläufern.
Eine steigende Kapitalmarktrendite
bringt die Kurse der Langläufer
stark unter Druck.
Allein im August haben Firmen
weltweit Bloomberg zufolge
81,1 Mrd. Dollar über Anleihen mit
mindestens zehn Jahren Laufzeit
beschafft. Die Rendite von Euro-Papieren,
die mit der Rating-Note
„BBB“ gerade noch das Gütesiegel
„Investment Grade“ tragen, ist mit
rund 3,4 Prozent derzeit so niedrig
wie nie seit Beginn der Datenerhebung,
zeigen Zahlen des Indexanbieters
FTSE.

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