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Anlageberatung Parallelen zu Lehman

[11:43, 05.02.10]


Noch immer schwelen einige Lehman-Prozesse, da droht der Hamburger Sparkasse (Haspa) ein weiteres Scharmützel. Mehrere Anleger haben sich an die Verbraucherzentrale Hamburg gewendet. Der Grund: Eine als sicher angepriesene Anlage war quasi wertlos geworden. Erste Entschädigungen haben bereits stattgefunden, die Verbraucherschützer pochen auf eine Regelung, die für alle Betroffenen gilt.


Parallelen zur Situation bei den Lehman-Zertifikaten gibt es einige. Wieder soll die Bank mit dem Argument der Sicherheit geworben haben und wieder sollen Risiken unter den Tisch gekehrt worden sein. Bei dem Papier handelt es sich um ein Express-Zertifikat mit zehn verschiedenen Basiswerten aus dem DAX. Das "Stars Express Zertifikat auf einen Deutschen Dividendenbasket" (ISIN CH0029405294) emittierte die  UBS am 19. März 2007 zu 100 Euro (zuzüglich ein Prozent Ausgabeaufschlag), als Laufzeitende war der 13.05.2011 festgelegt. Basiswerte waren die zum Emissionszeitpunkt als dividendenstark eingestuften Blue Chips  BASF, DaimlerChysler,  Deutsche Bank,  Deutsche Post,  Deutsche Telekom,  E.ON,  Hypo Real Estate,  Münchener Rück,  RWE und  ThyssenKrupp.

100 Euro investiert 2,62 Euro ausgezahlt

Wie bei Expresszertifikaten üblich wird einmal jährlich die Wertentwicklung der Aktien überprüft. Liegt der Kurs aller Basiswerte über ihrem Startniveau, wird das Papier vorzeitig zurückgezahlt. Ist dies nicht der Fall, verlängert sich die Laufzeit automatisch um ein weiteres Jahr. Maximal hätten Anleger am Ende 164 Euro ausgezahlt bekommen. Fallen die Kurse dagegen, wird am Laufzeitende die Wertentwicklung des schlechtesten Titels zurückgezahlt. Größter Verlierer unter den Basiswerten war  Hypo Real Estate. Zwar war die Laufzeit beim Star Express Zertifikat noch nicht beendet, doch mit der kompletten Übernahme der  Hypo Real Estate durch den Bund stand der Rückzahlungswert bereits fest. Daher beschloss die  UBS den Anlegern den Restwert sofort auszuzahlen und nicht bis 2011 zu warten. „Die Kündigung der Zertifikate erfolgte in Übereinstimmung mit den Zertifikatsbedingungen“, erklärt Marcel Langer, Derivateexperte der  UBS. Ende Oktober überwies die Emittentin den Anlegern den Restwert von 2,62 Euro.

"Kein Wort der Erklärung oder des Bedauerns über diesen völlig unerwarteten und dramatischen Verlust. Erst auf Nachfragen wurde ein Stapel Papier zur Verfügung gestellt, der die Emissionsbedingungen enthielt“ sagt Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die  UBS kann sich wahrscheinlich schadlos halten: Die Regeln sind schwarz auf weiß dokumentiert und sowohl die Bedingungen in Kurzform als auch der Verkaufsprospekt sind auf Internetseite der  UBS zu finden. Auch die vorzeitige Rückzahlung ist nicht zu beanstanden. Die  UBS hätte gemäß den Emissionsbedingungen auch noch bis 2011 damit warten können. Dann hätten die Kunden allerdings auch nicht mehr Geld bekommen.

Die Verbraucherzentrale kritisiert, dass die Berater nicht auf die Risiken der Anlage hingewiesen hätten. Die Betroffenen sollen in der Regel erfahrener sein, als die klassischen Lehman-Opfer. Bei ihnen hatte es sich meist um Rentner gehandelt, die zuvor nur in Festgelder investiert hatten. Für Edda Castelló von der Verbraucherzentrale ist dies aber nicht der springende Punkt, da den Anlegern eine Sicherheit versprochen wurde, die es gar nicht gegeben habe. Zwar mussten in der Finanzkrise auch Aktienanleger hohe Verluste einstecken, doch Zertifikate, bei denen die Höhe der Rückzahlung von der Wertentwicklung des schlechtesten Titels in einem Aktienkorb abhängt, sind riskanter als Papiere auf einen einzelnen Basiswert. Hier bleibt zu klären ob die Berater der Haspa Fehler gemacht haben. Die Bank weißt die Anschuldigungen der Verbraucherzentrale von sich und verweist auf den Verkaufsprospekt und die Beratung. Laut Verbraucherzentrale hat sich Bank bereits mit zwei Geschädigten geeinigt. Die Anleger bekommen 50 Prozent ihres Schadens ersetzt. Die Verbraucherzentrale fordert von der Haspa eine Entschädigung für alle Kunden. "Wir befinden uns mit einigen Kunden im Gespräch", sagte Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg. Die Bank sei offen für Gespräche mit den Betroffenen.


 

© 2010 Börse Online = Börse Online, © Illustration: dpa

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