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Ausschüttung Prinzipien mit begrenzter Haltbarkeit

[09:20, 16.12.11]


Die nachhaltig orientierte GLS Bank steht vor einer kleinen Revolution. Das Institut will seinen Mitgliedern eine Dividende zahlen und stellt damit die eigene Satzung infrage.


Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des genossenschaftlich organisierten Instituts beschloss kürzlich, künftig eine Dividende an seine gut 20 000 Mitglieder zu zahlen. Die Ausschüttung soll zwischen zwei und vier Prozent liegen, bezogen jeweils auf einen Mitgliedsanteil im Wert von 100 Euro. Erstmals soll für 2012 eine Ausschüttung fließen. Die konkrete Höhe soll vom Unternehmensgewinn abhängen und von den Mitgliedern jeweils im Frühjahr für das Vorjahr festgelegt werden.

Die Neuerung ist insofern pikant, als an vorderer Stelle in der Satzung des 1974 gegründeten Instituts steht: „Das Ziel des Zusammenschlusses ist gegenseitige Hilfe, nicht die Gewinnerzielung für das einzelne Mitglied.“ Und noch Anfang 2010 schrieb ein führender Mitarbeiter der Bank in einem Blog: „Sobald eine Dividendenzusage bestünde, hätte unsere Nachhaltigkeitsdefinition keine Gültigkeit mehr.“ Die Begründung lautete damals: Andernfalls wären die „menschlichen und zukunftsweisenden Aspekte unseres Handelns ökonomischen Zwängen untergeordnet“.

Ein Sprecher der GLS Bank sagte auf Anfrage, bei diesen Äußerungen habe es sich um die „persönliche Meinung eines einzelnen Mitarbeiters“ gehandelt, nicht um die offizielle Linie der Bank. Der Passus in der Satzung sei unverändert gültig. „Grundsätzlich erachten wir einen Gewinn immer als Ergebnis gelungener Arbeit, nicht aber als das höchste Ziel“, sagte der Sprecher. Es werde Aufgabe künftiger Mitgliederversammlungen sein, dass die Dividende entsprechend den Möglichkeiten der Bank „eine angemessene, aber nicht maximale Höhe“ habe.

Ziel ist mehr Gerechtigkeit

Der Sprecher begründete den Beschluss unter anderem mit neuen Eigenkapitalregeln für Banken, die unter dem Stichwort Basel III laufen. Danach gelten stille Beteiligungen nur noch unter sehr restriktiven Auflagen als hartes Eigenkapital. Solche Beteiligungen machen derzeit 63 Prozent des Eigenkapitals der GLS Bank aus. Um dieses Ungleichgewicht zu korrigieren, sollen der Anteil von Mitgliedergeldern wachsen und Dividenden für mehr Attraktivität sorgen, sagte der Sprecher. Tatsächlich seien binnen wenigen Tagen nach dem Beschluss mehr als 1 Mio. Euro zusätzlich eingegangen. Das gesamte Eigenkapital der GLS beträgt etwa 110 Mio. Euro.

Außerdem solle der Beschluss zu mehr Gerechtigkeit führen. Auf die stillen Beteiligungen, die etwa von Stiftungen oder vermögenden Privatpersonen stammten, gäbe es schon jetzt eine sichere Dividende von vier Prozent und eine zusätzliche, vom Jahresüberschuss abhängige Gewinnbeteiligung von maximal zwei Prozent. „Hier war eine gewisse Angleichung naheliegend“, sagte der Sprecher. Zur Akzeptanz des Dividendenbeschlusses verwies er auf die Mehrheit von 94 Prozent der etwa 600 Teilnehmer der Mitgliederversammlung. Dagegen hätten eine Handvoll Mitglieder in schriftlicher Form protestiert.


 

© 2011 ftd, © Illustration: boerse-online.de

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