Unabhängige Finanzdienstleister profitieren von der Vertrauenskrise der Banken. Die Zahl
der freien wächst ständig. BÖRSE ONLINE gibt einen Überblick über den Markt und sagt,
wie Sie gute von schlechten Anbietern unterscheiden.
Leben Sie, wir kümmern uns um die Details“,
mit diesem Slogan ging die frisch fusionierte
HypoVereinsbank (HVB) im Jahr 1998 an den
Start. Das Bild überzeugte: Der Kunde legt die
Füße hoch, der Banker pflegt und mehrt das Vermögen.
Heute, zwei Börsencrashs und einige
Skandale später, würde jede Bank, die wie damals
die HVB die Wohlfühlkarte spielt, wohl ausgelacht.
Denn das Image der Branche ist spätestens
seit der Pleite von Lehman Brothers massiv angekratzt.
Banken gelten mittlerweile mehr als Verkäufer
denn als Berater.
Den Wunsch, sich nicht um seine Finanzen
kümmern zu müssen, gibt es allerdings immer
noch. Dessen Erfüllung versprechen nun unabhängige
Finanzdienstleister. Mit Erfolg: Der Verband
unabhängiger Vermögensverwalter (VUV)
verzeichnet stetig wachsende Mitgliederzahlen.
Inzwischen hat er mehr als 200 angeschlossene Unternehmen, die gemeinsam gut 40 Milliarden
Euro an Kundenvermögen verwalten – Tendenz
stark steigend. „Von der Vertrauenskrise der Banken
haben vor allem etablierte unabhängige Vermögensverwalter
profitiert“, sagt VUV-Justiziar
Nero Knapp. Der wachsende Markt wird allerdings
auch zunehmend unüberschaubar: Neben
den Großen, Bekannten wie Jens Ehrhardts DJE
oder den Kölnern Flossbach & von Storch gibt es
ein ganzes Universum von etwa 600 Vermögensverwaltern,
schätzungsweise mehr als fünfmal so
vielen Finanzvermittlern und Hunderten anderer
Berater, die sich mehr oder minder unabhängig
von Banken um das Geld von Anlegern kümmern
– schwarze Schafe inklusive.
Verwirrende Varianten
Verwalter, Vermittler, Berater: Die Berufe im Bereich der Vermögensverwaltung sind
vielfältig, die Grenzen sind fließend. Ein Überblick über die wichtigsten Namen.
Vermögensverwalter unterstehen als Finanzportfolioverwalter der
Aufsicht der BaFin und handeln treuhänderisch
nach einem Vermögensverwaltungsvertrag. Diese
Berufsgruppe berät in allen Finanzfragen, allerdings
oft nicht im Bereich Versicherung und Vorsorge.
Sie dürfen keine Kundengelder annehmen,
müssen mit Partnerbanken zusammenarbeiten
Certified Financial Planner (CFP) erstellen wie Vermögensmanager einen Vermögensplan,
in dem auch Versicherungen und andere
Vorsorgeaspekte eine Rolle spielen. Sie bieten
keine kontinuierliche Beratung, sondern sind
geschult, in bestimmten Vermögensphasen zu beraten.
Einige Vermögensverwalter sind auch CFP.
Fondsvermittler beraten zu Investmentfonds und vermitteln
Anteile an diesen. Sie verdienen an den Provisionen,
die sie aber offenlegen müssen.
Honorarberater verdienen anders als Fondsvermittler nur durch
ihre Beratungsleistung. Provisionen reichen sie
an ihre Kunden weiter.
Keine leichte Aufgabe für Interessenten, sich
einen Überblick zu verschaffen. BÖRSE ONLINE
bietet einen Wegweiser durch diesen Irrgarten
und erklärt, für wen sich ein unabhängiger Vermögensverwalter lohnt – und wie Kunden gute
von schlechten Anbietern
unterscheiden können.
Längst ist klar, dass sich Vermögensverwaltung
nicht nur an die oberen Zehntausend richtet.
„Wer sich mit Finanzthemen nicht beschäftigen
will, kann sein Vermögen in die Hände von Vermögensverwaltern geben“, sagt Niels Nauhauser
von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Laut seiner Erfahrung bieten Vermögensverwalter
ihre Dienste in der Regel ab einem Vermögen von
100 000 Euro an. Dies sei jedoch kein allgemeiner
Richtwert – es gebe selbst Anbieter, die ab 5000
Euro eine individuelle Betreuung versprechen.
Für Jörg Richter, dessen Institut für Qualitätssicherung
Finanzdienstleister überprüft, lohnt sich die
individuelle Vermögensverwaltung aber erst ab
mindestens einer Million Euro. „Beträge darunter
rechtfertigen den Aufwand nicht“, meint er. Doch
auch hier gibt es eine Lösung: Für Kunden mit
kleinerem Vermögen bieten viele Verwalter spezielle
Fonds an, die nach gleichen Grundsätzen gemanagt
werden.
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