Mit einem neuen Preismodell geht die OnVista Bank (die frühere fimatex) an den Markt – und ruft nichts Geringeres als das „Ende des Preis-Aktionismus im Brokerage“ aus. Erstmals bietet damit ein in Deutschland aktiver Onlinebroker nicht nur aktionsweise, sondern dauerhaft kostenlose Wertpapierkäufe, so genannte Free Buys, an. Das Verkaufen ist allerdings nicht umsonst. Und im Detail ist das Modell dann doch nicht so einfach, wie es zunächst den Anschein hat. Die Konkurrenz gibt sich einstweilen gelassen.
„Das Free-Buy-Depot ist das Standardangebot für alle unsere Neukunden, es handelt sich dabei nicht um ein kurzfristiges Aktionsangebot“, stellt OnVista Bank-Geschäftsführer Klaus-Jürgen Baum im Gespräch mit der FTD klar. Er möchte damit die Neukundengewinnung „deutlich voranbringen“. Die Höhe der Free Buys, die einem Kunden zur Verfügung stehen, richtet sich danach, wie viel Geld der Kunde auf dem Depotverrechnungskonto hat. Bei einem monatlichen Durchschnittsguthaben von 2000 Euro gibt es monatlich zwei Free Buys, ab 3000 Euro sind es bereits fünf. Maximal gibt es 30 Free Buys pro Monat. Dafür muss ein Kunde aber 25 000 Euro auf dem Verrechnungskonto liegen haben, auf dem übrigens keine Zinsen gezahlt werden. Ungenutzte Free Buys verfallen mit Ablauf des Monats.
Hat der Kunde keine Free Buys mehr zur Verfügung, zahlt er für alle weiteren Käufe einheitlich 4,99 Euro plus 0,2 Prozent des Ordervolumens. Mindestens werden 5,99 Euro, maximal 39 Euro fällig. Eine 2000–Euro-Order kostet damit 8,99 Euro. Das ist auf den ersten Blick etwas günstiger als bei Teilen der etablierten Konkurrenz (siehe Tabelle). Doch man muss genauer hingucken: So sind in der Free-Buy-Ordergebühr noch nicht alle Kosten mit abgedeckt, etwaige fremde Spesen wie zum Beispiel die Börsengebühren kommen noch hinzu und lassen sich dadurch im Vorhinein schwer kalkulieren. Ein Gebührenbeispiel dafür nennt die OnVista Bank nicht. Andere Broker verlangen zum Beispiel eine pauschalierte börsenplatzabhängige Gebühr, die besser kalkulierbar ist.
Teilausführungen kosten extra
Ein weiterer Punkt sind die Teilausführungsgebühren: Bei einigen anderen Anbietern sind gleichtägige Teilausführungen kostenlos, nicht jedoch bei der OnVista Bank. Hierfür werden zusätzliche Free Buys oder eben die Ordergebühr fällig. Im Broker-Vergleichsrechner auf der Website der Bank werden etwaige Teilausführungsgebühren übrigens konsequent ausgeblendet, was den Preisvergleich verzerrt. Im Übrigen gelten die Free Buys auch nicht für Sparplanorders, bei der Ausübung von Optionen und für Fondsorders über Fondsgesellschaften. Verkäufe sind natürlich ebenfalls nicht umsonst, sondern es gilt die Preisstaffel. Und anders als etliche Wettbewerber hält die Bank weiterhin an der Depotgebühr fest.
Wer es wünscht, kann bei der OnVista Bank allerdings auch das Classic-Konditionenmodell wählen. Das sieht insbesondere im Xetra-Handel eine einheitliche Flat-Fee von 5,99 Euro für Käufe und Verkäufe zuzüglich Fremdspesen vor. Gerade bei größeren Orders kann sich das gegenüber dem hauseigenen Free-Buy-Modell durchaus rechnen.
Die Konkurrenz bleibt gelassen
Die Broker-Konkurrenz gibt sich derweil ziemlich gelassen und glaubt nicht, dass nun ein erneuter Preiskampf aufflackern wird. Sie verweist darauf, dass die OnVista Bank zu den kleineren Anbietern im Markt zählt und daher darauf angewiesen ist, Marktanteile zu gewinnen. Eigenen Angaben zufolge hat das Institut in Deutschland rund 23 000 vorwiegend recht aktive Kunden. Aus der Verzahnung mit dem Finanzportal OnVista konnte die Bank bislang nur wenig Kapital schlagen. Und die Konkurrenz verweist auf die Schwächen des Preismodells: „Die Kunden sind doch schlau“, so ein Direktbanker, der ungenannt werden möchte, „sie werden das Free-Buy-Depot für Käufe nutzen. Wollen sie dann mal wieder Papiere verkaufen, übertragen sie die Bestände womöglich auf andere Broker, die den Verkauf günstiger anbieten.“
Gebührenmodelle wie bei Billigfliegern
Bei den Gebühren der etablierten Anbieter gab es in den vergangenen zwölf Monaten wenig Bewegung. Als Kunde den passenden Broker zu finden, wird indes immer schwieriger. Denn die Tarife der Onlinebroker ähneln zum Teil denen der Billigflieger: Zu den niedrigen Spesen kommen häufig noch etliche weitere Kosten hinzu. Doch dafür muss man ins Kleingedruckte schauen. Auf der Suche nach dem passenden Anbieter führt man sich am besten sein eigenes Orderverhalten so genau wie möglich vor Augen und studiert dann die Angebote der Broker. Dabei gilt die Faustregel: Kunden, die selten handeln, sollten vor allem auf günstige Depotgebühren schauen. Bei aktiven Anlegern sind die Ordergebühren sehr wichtig.
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