Freie Depotverwalter stehen bei vermögenden Anlegern hoch im Kurs. Die Kunden klassischer Privatbanken sind weniger zufrieden, das zeigt eine neue Studie.

Unabhängige Vermögensverwalter haben die zufriedensten Kunden. Das ergab eine Studie zum Private-Banking-Markt, die die private Hochschule WHU Otto Beisheim School of Management erstellt hat. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe von BÖRSE ONLINE veröffentlicht. An zweiter Stelle stehen die klassischen Privatbanken, gefolgt von den sogenannten lokalen Anbietern, also den Sparkassen, Landesbanken und Genossenschaftsbanken. Ganz hinten rangieren die Großbanken, die im Private-Banking-Geschäft tätig sind.
"Dieses Ergebnis hat uns etwas überrascht. Wir hatten eher erwartet, dass die klassischen Privatbanken ganz oben stehen", sagt Volker Seiler, einer der Autoren der Studie. Auch bei der Einzelwertung liegt ein unabhängiger Vermögensverwalter vorne: der Wieslocher Finanzdienstleister
MLP. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Privatbanken
Merck Finck und Berenberg.
Unter den Gewinnern finden sich auch einige Namen, die den meisten Anlegern nichts sagen dürften, etwa die KSW Vermögensverwaltung. Einschränkend ist festzustellen, dass die Noten bei manchen Anbietern auf relativ wenigen Bewertungen fußen. Die gesamte Untersuchung basiert auf 271 Fragebögen von vermögenden Kunden, die insgesamt 61 Firmen benoteten. Pro Anbieter mussten mindestens vier Fragebögen vorliegen, um in die Wertung zu kommen.
Eine breite Streuung der Ergebnisse gab es insbesondere bei den lokalen Finanzfirmen. "Etablierte Anbieter wie beispielsweise die Hamburger Sparkasse oder die Nassauische Sparkasse schneiden relativ gut ab", sagt Seiler. "Die breite Masse der lokalen Anbieter versucht ebenfalls, in das lukrative Geschäft zu kommen, schafft es aber noch nicht so gut." Weitere Erkenntnis: Ob ein Kunde zufrieden ist oder nicht, hängt wesentlich von der Wertentwicklung seines Depots ab. Mit diesem Punkt sind mehr als ein Viertel aller Befragten unzufrieden, bei Großbanken ist der Anteil besonders hoch.
Nicht gerade glücklich sind die Kunden auch über das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier sind mehr als 30 Prozent der Kunden mit den Großbanken nicht zufrieden, die Unabhängigen kommen dagegen auf mehr als 70 Prozent zufriedene Klienten. "Die Kunden sind nur bereit, für gute Leistung zu bezahlen", sagt Seiler. Kritisch sehen die Vermögenden vor allem das Produktangebot bei Großbanken und lokalen Anbietern.
Überwiegend gute Noten vergaben die Befragten für die Beziehung zu den Beratern. Genannt wurden Punkte wie Kontakt auf Augenhöhe, Kontaktfreude und Interesse an einer langfristigen Beziehung. Hier sind insgesamt weniger als zehn Prozent der Kunden deutlich unzufrieden, bei Kunden von Privatbanken liegt die Quote sogar bei null.
Die besten Bewertungen vergaben die Interviewten bei direkten Fragen zum Berater und dort zu Kriterien wie Freundlichkeit, Sensibilität, Fachwissen, Vertrauenswürdigkeit und äußeres Erscheinungsbild. Insgesamt mehr als 30 Prozent der Kunden sind damit sehr zufrieden, bei Privatbanken und Unabhängigen gibt es keine deutlich unzufriedenen Kunden.
Dass vermögende Privatkunden von Großbanken enttäuscht wurden, zeigt sich auch in einer anderen aktuellen Untersuchung. Die Universität Linz hatte Anleger in Österreich, Deutschland und der Schweiz befragt. Ergebnis: Bei Großbanken sind nur 58 Prozent der Kunden zufrieden mit ihrer Bank, bei Privatbanken liegt der Wert dagegen bei 95 Prozent. Unabhängige Vermögensverwalter wurden in diese Studie nicht einbezogen. Diese Umfrage fand im Auftrag der liechtensteinischen LGT Bank statt und umfasste 332 Personen mit einem frei verfügbaren Einkommen von mehr als 500.000 Euro.
Parallel zur Umfrage bei Kunden startete die WHU eine Umfrage, was Private-Banking-Anbieter von ihren Konkurrenten halten; 126 Institute nahmen teil. Hier liegt Pictet vor der Berenberg Bank und Avesco Financial Services. Als besonders wichtig für das Verhältnis zwischen Berater und Kunden stufen die befragten Finanzprofis zwei Punkte ein: die Depotperformance und die "emotionale Kompetenz" des Kundenbetreuers, also Faktoren wie Freundlichkeit, Sensibilität und Vertrauenswürdigkeit.
In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Anbieter der Ansicht, dass dieses Kriterium bei höheren Mindestanlagesummen die Kundenzufriedenheit entscheidend beeinflusse. Bei niedrigeren Summen sei dies nicht der Fall.

Börse Online Heftcover 27 2010
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