Anlegerschützer sprechen sich dafür aus, im Rahmen des Konjunkturpakets der Regierung die Abgeltungssteuer abzuändern und eine Spekulationsfrist auf Kursgewinne wieder einzuführen.
Während die Berliner Koalition mit dem rund 50 Milliarden Euro schweren „Konjunkturpaket II“ ein Füllhorn von Staatshilfen unter die Leute bringt, wagen sich auch Anlegerschützer vor. Bislang sind nämlich keine Hilfen für Anleger vorgesehen. So fordert die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dass es auch Steuererleichterungen für Aktionäre geben sollte – am besten durch die Rückkehr zur zwölfmonatigen Spekulationsfrist.
Diese war gerade erst zum Jahresbeginn 2009 mit dem Start der Abgeltungssteuer komplett gestrichen worden - und das für alle ab Jahresbeginn 2009 getätigten Neuinvestments in Aktien, Anleihen, Fonds & Co. Bei vor dem Stichtag erworbenen Wertpapiere können Anleger Kursgewinne steuerfrei einstreichen, wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als zwölf Monate liegen.
Mit Start der Abgeltungssteuer wurde diese Frist abgeschafft, Kursgewinne sind seither unabhängig von der Haltefrist zu versteuern. „Ein großer Fehler, der dringend rückgängig gemacht werden muss“, fordert Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der DSW. Gerade als Langfristanlage müsse die Anlageform Aktie gestärkt werden. „Zumindest nach drei Jahren müssen Gewinne daher steuerfrei sein“, meint Hocker.
Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Mit dem Revival der Spekulationsfrist könnte man nach Ansicht der DSW zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum ersten könnte die Attraktivität der Aktie als Langfristanlage für Privatleute gestärkt werden. „Privatanleger werden an der Börse als Schock-Absorber genutzt. Sie tragen einen Großteil der Risiken und federn die schlimmsten Kursausschläge ab. Dafür muss der Staat ihnen im Gegenzug eine attraktive Rendite ermöglichen, eine Art Risikozuschlag“, sagt Hocker.
Zum zweiten könnte nach Meinung der DSW eine wieder eingeführte Spekulationsfrist das Vertrauen und die Nachfrage der Anleger nach Aktien erhöhen. Das käme auch der Konjunktur zugute. „Es ist dringend nötig, dass den Firmen der Weg über die Börse zur Verfügung steht, um frische Mittel einzusammeln oder zu investieren“, meint Hocker. Derzeit hätten Unternehmen Probleme, ihren Kapitalbedarf zu decken, da nach Einschätzung der DSW die Banken Kredite nur sehr rigide vergeben. Eine Steuererleichterung via Wiedereinführung der Spekulationsfrist könnte den Weg dafür ebnen.
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