Deutschlands Banken haben aus der Krise nichts gelernt: Stiftung Warentest zufolge werden private Anleger mit ihrem Ersparten bei vielen Instituten weiterhin „jämmerlich schlecht“ beraten. Kein einziges der 21 Geldhäuser, die die Stiftung untersuchte, schnitt mit der Note „gut“ oder „sehr gut“ ab. Sechs erhielten gar ein „mangelhaft“.
Ganz hinten in der Bewertung des Verbraucher-Magazins lagen so große Namen wie HypoVereinsbank und die
Postbank. Auch die Targobank, die Nassauische Sparkasse die BW-Bank und die Volksbank Mittelhessen waren alles andere als überzeugend. Sieger waren die Sparkassen aus Hamburg und Hannover sowie die Kreissparkasse Köln.
Aber auch diese Banken kamen über ein "befriedigend" nicht hinaus. Die Resultate der Warentest-Untersuchung sind noch schlechter, als bei einer vergleichbaren Studie Mitte 2009. Dabei wollte Berlin die Banken eigentlich zu einer besseren Beratung verpflichten, nachdem Privatanleger in der Finanzkrise mit obskuren Produkten oftmals viel Geld verloren.
Kein Protokoll für die Kunden
Seit Jahresbeginn sind die Banken daher gesetzlich verpflichtet, bei einer Anlageberatung über Wertpapiere ein Protokoll auszustellen. Darin sollen unter anderem die Vermögensverhältnisse des Kunden, seine Sparziele und seine Risikobereitschaft festgehalten werden. Mit dem Beratungsprotokoll, das seit Januar bei Wertpapiergeschäften geführt und ausgehändigt werden muss, sollen Anleger ein Beweismittel in der Hand haben, wenn sie wegen Falschberatung klagen wollen.
Laut Warentest verstoßen die Banken aber häufig gegen diese Pflicht. Nur die Hälfte der Kunden, denen man ein Protokoll hätte ausstellen müssen, erhielten auch eins. Dabei hätten die Testkunden ausdrücklich darum gebeten. „Es kann nicht sein, dass gerade in den Beratungsgesprächen gesetzliche Vorgaben teilweise bewusst umgangen werden“, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Die Ministerin forderte die Banken noch einmal auf, die Gesetze zu beachten. Die BaFin als zuständige Aufsichtsbehörde erklärte, dass Banken, die die Vorgaben weiterhin missachteten, mit Sanktionen zu rechnen hätten. Diese reichen von Verwarnungen, Bußgeldern bis hin zum Entzug der Banklizenz.
Zudem würden sich viele Bankmitarbeiter nach wie vor nicht nach den finanziellen und persönlichen Verhältnissen ihrer Kunden erkundigen. Nach der Berliner Sparkasse, die in dieser Kategorie mit einer Durchschnittsnote von 1,1 punkten, schaffte das Gros der Banken nur befriedigende Noten. Der Zentrale Kreditausschuss, als Spitzengremium der Kreditwirtschaft, sieht in den Noten der Stiftung Warentest dennoch einen Erfolg. Insgesamt haben sich die Noten im Vergleich zum Test 2009 verbessert. Das mag durchaus berechtigt sein, doch die Warentester haben den meisten Instituten einen Malus auf die Endnote gegeben, da sie die Anlageprotokolle nicht übergeben oder erst gar nicht geführt hatten.
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