Die kostenpflichtige Finanzberatung fristet hierzulande ein Nischendasein. Das wird sich einer Studie zufolge bald ändern. Denn ab einem bestimmten Vermögen sind sie eine lohnende Investition.

Beratung gibt es meist kostenlos, dafür verdienen Banken an Gebühren. Aber es geht auch anders.
Sprüche wie „Geiz ist geil“ haben die Mentalität einer ganzen Nation geprägt. So scheint es zumindest. Doch wenn es um Geld und vor allem um komplexere Themen wie etwa die Altersvorsorge geht, sind auch die angeblich geizigen Deutschen zunehmend bereit, etwas zu zahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts psychonomics, das 1500 Bankkunden befragt hat. Während sich ein Viertel der Befragten kostenpflichtige Beratungen vorstellen können, kommen sie für ein anderes Viertel nicht infrage. Auffällig jedoch ist, dass sich rund die Hälfte der Befragten bei der Frage ob zahlen oder nicht noch unschlüssig ist. Unter den vermögenden Kunden kann sich immerhin ein Drittel der Befragten einen kostenpflichtigen Service vorstellen.
Laut Studienleiter Stefan Heinisch steckt der deutsche Honorarberatungsmarkt noch in den Kinderschuhen. Vor allem bankferne Finanzdienstleister böten diese. Gründe für dieses leichte Wachstum liegen nach Ansicht von psychonomics in der Finanzberatungsrichtlinie MiFID. Laut dieser Richtlinie müssen Finanzdienstleister ihre Kunden verstärkt über konkrete Kosten und Risiken ihrer Anlagen aufklären.
Die Banken können hingegen keine verstärkte Nachfrage verzeichnen. „Wir sehen keinen Trend in Richtung Honorarberatung“, sagt Michael Lermer von der
Deutschen Bank. Er verweist allerdings auf die Gruppe der vermögenden Privatkunden, wo Beratung gegen ein gewisses Entgelt durchaus häufiger vorkommt. Ähnlich sieht man es auch bei der
Commerzbank.
„Je höher das Vermögen, desto eher kann sich eine kostenpflichtige Beratung lohnen“, sagt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. Der Verbraucherschützer verweist auf die zahlreichen offensichtlichen und versteckten Kosten, die beim Geldanlegen auftauchen können und an der Rendite zehren. Diese entfallen hingegen meist, wenn bereits die Anlageberatung Geld kostet. Bei bankunabhängigen Beratern sollten Kunden auf deren Referenzen achten.
Auch wenn die Honorarberatung als zartes Pflänzchen in Deutschland wachsen sollte, die Abgeltungssteuer droht sie klein zu halten. Die Kosten für Transaktionen, die der Kundenberater einer Bank durchführt, können abgesetzt werden, die Kosten für eine Beratung hingegen nicht. Ein Blick ins Kleingedruckte mit dem Taschenrechner in der Hand lohnt sich aber allemal.
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