Geld ist nach Ansicht der Finanz-Psychologin Monika Müller in
unserer Gesellschaft ein Tabuthema, über das zu wenig gesprochen wird. Das sagt Müller in
einem aktuellen Interview mit dem Anlegermagazin Börse Online’ (Ausgabe 45/2008, seit
30. Oktober im Handel). Deshalb sei vielen Menschen nicht bewusst, dass Finanzentscheidungen sehr
stark von Gefühlen geleitet würden.
„Was Geld für den Einzelnen bedeutet, beeinflusst seine
Anlageentscheidung mehr als jede Unternehmenskennzahl. Wenn ein Anleger Geld mit Freiheit
gleichsetzt und er macht Verluste, dann löst das in ihm Gefühle aus, die mit dem
Anlageprozess nichts mehr zu tun haben“, erklärt die Finanz-Psychologin.
Menschen müssten daher lernen, mit Gefühlen, die Geld und Vermögen auslösen, vernünftig
umzugehen. Das sei eine wichtige Grundlage für erfolgreiche Anlageentscheidungen. Weil
über Geld nicht oder nur verschämt gesprochen werde, falle es Anlegern jedoch schwer, sich
ihrer Gefühle in Bezug auf Geld klar zu werden. „Geld ist ein Tabuthema wie Sexualität“, sagt
Müller im Börse Online’-Interview. Noch vor 50 Jahren hätten Paare keine Worte für
Sexualität gehabt. Die Sprache über Geld und Gefühle sei in unserer Gesellschaft ebenfalls
verkümmert.
Kindern würde außerdem schon früh vermittelt, dass Finanzen keinen Spaß machten und
sogar gefährlich sein könnten. Als Folge davon würde jungen Erwachsene die Kompetenz im
Umgang mit Geld und Finanzprodukten fehlen. Müller fordert deshalb eine allgemeine
Finanzbildung. Dabei müsse aber auch die Persönlichkeitsbildung einbezogen werden. „Denn
Geld ist ein Spiegel unserer Persönlichkeit. Wir projizieren alles, was uns wichtig ist, auf
Geld.“

Der Beitrag ist aus der Ausgabe 45/2008 von BÖRSE ONLINE. Wir haben Ihr Interesse geweckt? Dann schließen Sie doch gleich ein Probeabo ab. Informieren Sie sich in unserem
Abo-Shop.
Diesen Artikel bookmarken bei...