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Lebensversicherungen Mal verschämt, mal unverschämt

[09:40, 15.12.08]


Die meisten großen Lebensversicherer geben jetzt ihre Verzinsungen für 2009 bekannt. Ergebnis: Der Trend zeigt nach unten. Es ist zumeist nur die Frage, wo und in welchem Umfang gekappt wird.


Die Verzinsung einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung setzt sich – vereinfacht gesagt – aus vier Töpfen zusammen:

- Garantiezins. Er beträgt für neue Policen derzeit 2,25 Prozent, für ältere Verträge werden bis zu vier Prozent bezahlt. Dieser Wert muss vom Versicherer in jedem Fall jedes Jahr ausgeschüttet werden.

- Überschussbeteiligung. Sie wird jährlich festgelegt – je nachdem, wie gut es dem Unternehmen geht. Einmal festgelegt, kann die Zusage für das bestimmte Jahr nicht mehr zurückgenommen werden. Zusammen mit dem Garantiezins ergibt dies die laufende Verzinsung. Manchmal wird auch die laufende Verzinsung selbst als Überschussbeteiligung bezeichnet.

- Schlussüberschuss-Anteile. Über ihre Höhe wird ebenfalls jedes Jahr neu entschieden. Allerdings sind die Angaben nicht verpflichtend; wenn es einem Unternehmen zum Zeitpunkt der Auszahlung schlecht geht, kann er auf die Überweisung der Schlussüberschuss-Anteile verzichten.

- Beteiligung an den stillen Reserven. Solche Reserven entstehen, wenn die Kapitalanlagen eines Versicherers am Markt mehr wert sind als in seinen Büchern. Falls also eine Aktie einen Einstandspreis von 100 Euro und einen aktuellen Kurs von 130 Euro hat, bestehen stille Reserven in Höhe von 30 Euro. An welchen Reserven und in welchem Umfang ein bestimmter Kunde in einem bestimmten Jahr beteiligt wird, obliegt im wesentlichen dem Versicherer. Aber dass er zahlen muss, falls etwas zu vergeben ist, hat der Gesetzgeber im Jahr 2007 eingeführt.

Die jeweilige Ausschüttung bezieht sich auf den Sparanteil des Versicherungsvertrages; das ist die eingezahlte Prämie abzüglich der Kosten für Vertragsabschluss und Verwaltung. Bei Kapitallebensversicherungen wird außerdem der Todesfall-Schutz für die Hinterbliebenen abgezogen. Die Ausschüttung bezieht sich jeweils auf das folgende Jahr; die Werte für 2009 werden derzeit bekannt gegeben.

Marktführer  Allianz hält die laufende Verzinsung (4,5 Prozent) und auch die Schlussüberschuss-Anteile (0,6 Prozent) konstant. Nach unten geht allerdings die Beteiligung an den stillen Reserven. Hier hatte die  Allianz für 2008 zwischen 0,3 und 0,5 Prozent bezahlt, jetzt sind es im Mittel lediglich 0,1 Prozent. Gesamtergebnis für 2009: 5,2 Prozent.

Die Hamburg-Mannheimer senkt die laufende Verzinsung von 4,4 auf 4,2 Prozent, Schlussüberschüsse plus stille Reserven betragen wie im Vorjahr 0,5 Prozent. Ergebnis: 4,7 Prozent.

Die Victoria geht von 3,7 auf 3,6 Prozent bei der laufenden Verzinsung; hinzu kommen – wie im Vorjahr – Schlussüberschüsse plus stille Reserven von 0,6 Prozent. Ergebnis: 4,2 Prozent. Achtung: Wer Verträge mit einem Garantiezins von 4,0 Prozent abgeschlossen hat, bekommt diesen Satz in jedem Fall als laufende Verzinsung.

KarstadtQuelle bezahlt wie im Vorjahr eine laufende Verzinsung von 4,3 Prozent und eine Schlussüberschuss-Beteiligung von 0,7 Prozent. Ergebnis: 5,0 Prozent.

Asstel, einer der größten Direktversicherer Deutschlands, schüttet wie für 2008 eine laufende Verzinsung von 4,6 Prozent. Hinzu kommen 0,4 Prozent Schlussüberschuss plus mindestens 0,2 bis 0,3 Prozent Anteil an stillen Reserven. Ergebnis: 5,2 bis 5,3 Prozent.

Ungewöhnlich deutlich nach unten geht es bei der Bayern-Versicherung, die besonders im Freistaat eine starke Stellung hat. Die laufende Verzinsung falle von 4,4 auf 4,15 Prozent, sagte Unternehmenssprecherin Claudia Scheerer gegenüber boerse-online.de. Als Grund für die Absenkung nannte Scheerer den „anhaltend niedrigen Zinssatz bei festverzinslichen Wertpapieren“. Er sei seit Mitte des Jahres beispielsweise bei Papieren mit zehnjähriger Laufzeit um über 30 Prozent gesunken ist und liege aktuell nur noch bei 3,15 Prozent. Sichere Anlagen wie Bundesschatzbriefe oder Staatsanleihen machen den größten Teil des Portfolios der Bayern-Versicherung aus, sagte Scheerer weiter. Die Bayern-Versicherung ist der Lebensversicherer der Versicherungskammer Bayern, die wiederum den bayerischen Sparkassen gehört.

Wie Scheerer weiter erklärte, kommt zur laufenden Verzinsung ein Schlussüberschuss-Anteil hinzu, der nicht in einer einzigen Zahl abzubilden sei. So belaufe sich die Gesamtverzinsung, also die laufende Verzinsung plus Überschuss-Anteil, beispielsweise bei Rentenversicherungen mit laufender Beitragszahlung und 25-jähriger Laufzeit auf 4,9 (Vorjahr: 5,1) Prozent. Gleich geblieben sei die Gesamtverzinsung bei Verträgen mit laufender Rentenzahlung. Hier erhalten die Kunden weiterhin 4,7 Prozent. Bei der Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven kann die Bayern-Versicherung laut Scheerer ebenfalls keine feste Größe nennen.

Nicht jeder gibt detaillierte Informationen

Eine Reihe von Unternehmen hat Werte für die laufende Verzinsung genannt, sich allerdings nicht detailliert zum Schlussüberschuss und der Beteiligung an den stillen Reserven geäußert. Dies deutet erfahrungsgemäß darauf hin, dass die beiden letzteren Werte gesunken sind – der eine oder andere Anbieter will die Kürzungen nicht nach außen dringen lassen. Hier ausgewählte Firmen, nach der Höhe der laufenden Verzinsung geordnet: Europa 5,0 (nach 5,4), Signal Iduna 4,65 (konstant), Continentale 4,6 (konstant), DEVK 4,6 (konstant), Gothaer 4,5 (konstant), R+V 4,5 (konstant), Mecklenburgische 4,25 (konstant), Provinzial Lebensversicherung Hannover 4,25 (konstant).


 

© 2008 boerse-online.de, © Illustration: boerse-online.de

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