Diesen Dienstag blickten tausende Lehman-Geschädigte nach Hamburg. Doch statt eine Entscheidung zu fällen, ging das Landgericht in die nächste Runde. Auch wenn die Verhandlung schwieriger wird, der Kläger und sein Anwalt bleiben optimistisch.
Bernd Krupsky ist für die Schar der Lehman-Geschädigten bereits jetzt eine Symbolfigur. Der 64-Jährige Rentner sucht die Öffentlichkeit und will seinen Schaden, den er durch die Pleite der Investment-Bank
Lehman Brothers erlitten hat, ersetzt haben. Um ein Haar hätte er an diesem Dienstag Geschichte geschrieben. Der von ihm angestrengte Prozess gegen die Hamburger Sparkasse (Haspa) wäre das erste Urteil in Sachen Lehman-Zertifikate in Deutschland gewesen, das Symbolwirkung für die ungezählten anderen Prozesse gehabt hätte. Gemeinsam mit seinem Anwalt Ulrich Husack hat er den Vorsitzenden Richter Martin Tonner dazu gebracht, der Klägerseite gute Erfolgsaussichten zu bescheinigen. Husack hatte argumentiert, dass die Bank ihre Marge, die sie beim Weiterverkauf der Lehman-Papiere verdient hätte, verschwiegen habe. Darüber hinaus hätte Krupskys Kundenberater nicht auf die fehlende Einlagensicherung bei Zertifikaten hingewiesen. Die Haspa hatte bis vergangenen Montag Zeit, auf die Argumente zu antworten und schöpfte diesen Rahmen aus. So konnte Richter Tonner am Dienstag kein Urteil, sondern die Fortsetzung des Prozesses verkünden. Das Gericht sieht angesichts der neuen Erkenntnisse noch immer Beratungsfehler, hat aber Probleme diese zu beweisen.
Laut Anwalt Husack, der nun auf die Argumente der Bank antworten muss, hat die Haspa nun ihre Marge offengelegt. Der Gewinn, den die Bank bei der Weitergabe der Papiere verbucht hatte, soll bei 3,9 Prozent gelegen haben. Auch wenn eine solche Marge unter der üblichen für für einlagengesicherte Produkte liegt, sieht Husack es als unwahrscheinlich an, dass sein Mandant das Papier gekauft hätte. Er argumentiert vielmehr, dass Bernd Krupsky die Zertifikate wegen fehlenden Einlagensicherung erst recht nicht gekauft hätte.
Weitere Verfahren gegen die Haspa laufen
Am Dienstag hatte Richter Tonner den Parteien einen Vergleich, bei dem die Haspa ihrem Kunden die Hälfte des Schadens ersetzt, vorgeschlagen. Wann es zum Urteilsspruch in Hamburg kommen wird, ist unklar. Anwalt Husack rechnet mit Juni, kann sich aber nicht festlegen. Ob Bernd Krupskys Klage die erste sein wird, über die ein Richterspruch ergeht, ist nicht mehr sicher. Insgesamt laufen in Hamburg mehr als zehn Prozesse gegen die Haspa. Die Bank gilt neben der citibank, der Dresdner Bank und der Frankfurter Sparkasse als eine der größten Anbieterinnen von Lehman-Zertifikaten. Bundesweit sollen rund 40.000 Anleger betroffen sein, der Schaden soll bei mehr als einer halben Milliarde Euro liegen.
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