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Lehman-Zertifikate Rentner verklagt Ratingagentur

[16:10, 07.07.10]

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Jürgen Hillebrand ist Lehman-Geschädigter – einer von vielen. Doch klagt der Rentner nicht gegen seine Hausbank oder  Lehman, sondern geht noch eine Stufe höher.


Lehman Brothers

 Lehman Brothers

Wie die Nachrichtenagentur dpa schreibt, erfuhr Jürgen Hillebrand aus den Nachrichten, dass er 30.000 Euro verloren hatte. Die Fernsehsender zeigten am Abend des 15. September 2008 alle dieselben Bilder: Mitarbeiter der US-Bank  Lehman Brothers, die in Scharen Kartons aus den Büros trugen. Erst zwei Wochen später erhielt Hillebrand einen Brief von seiner Hausbank, der ihn informierte, dass seine Zertifikate wertlos seien.

Mit seinem weißen Vollbart wirkt Hillebrand so gutmütig wie der Weihnachtsmann. Doch klein beigeben ist nicht seine Art. Er beauftragte einen Anwalt, der für ihn jetzt die New Yorker Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) verklagt. Er hätte auch seine Bank vor Gericht bringen können. Stattdessen legt sich der Frührentner aus der niedersächsischen 25.000-Einwohner-Stadt Varel mit einem Riesen der Finanzmarktbranche an. David gegen Goliath.

"Irgendwann muss man sich ja wehren", sagt der 61-Jährige gegenüber dpa. "Ich hoffe, dass wir zumindest ein bisschen Staub aufwirbeln." Mit seiner Klage könnte Hillebrand Rechtsgeschichte schreiben. In den USA laufen bereits mehrere Verfahren gegen Ratingagenturen, hierzulande ist es nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) jedoch das erste.

Sichere Anlage gesucht

Mit "A+" hatte S&P die Lehman-Zertifikate "Alpha Express" beurteilt, die Hillebrand im Mai 2008 von der Citibank kaufte. Die gute Bewertung überzeugte ihn. Dass er sein Geld komplett verlieren könnte, verschwieg ihm der Bankberater. "Das war für die Altersvorsorge gedacht. Wir wollten eigentlich eine sichere Anlage", erzählt der Frührentner.

Zwar stufte die Ratingagentur Hillebrands Zertifikate später auf die immer noch gute Bewertung "A" herab. "Drei Tage vor der Lehman- Pleite hat S&P die Note aber noch einmal bestätigt", erläutert Hillebrands Anwalt Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei KWAG. Dabei hätten die Experten zu dem Zeitpunkt längst erkennen müssen, wie schlecht es um die Kreditwürdigkeit der Investmentbank steht. "Es wurde schon Monate vorher in den Medien über eine Insolvenz diskutiert. Trotzdem hat sich an dem Rating nichts geändert." Nach Ansicht von Gieschen muss S&P für die Bewertung haften.


 

© 2010 Börse Online = Börse Online, © Illustration: reuters

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