Max Otte hat bereits 2005 die Finanzkrise kommen sehen. Als es 2008 so weit war, stürmte sein Buch „Der Crash kommt“ die Bestsellerlisten. Der Wirtschaftsprofessor von der FH Worms will nicht als Crashprophet gelten, sondern begreift die Krise auch als Chance, unterbewertete Aktien zu kaufen. Hier beantwortet er die drängendsten Fragen der BÖRSE ONLINE-Leser zu Inflation, Staatsverschuldung und Aktien denen auch die Krise wenig anhaben kann.
Christian Ritter: Halten Sie eine Währungsreform in Bezug auf den US-Dollar für möglich?
Ich halte eine Währungsreform in den USA in den nächsten Jahren noch für unwahrscheinlich. Ben Bernanke tut alles um die Inflation anzuheizen. Wenn das gelingt, entwerten sich die Schulden. Da die Arbeitnehmer auch viel weniger Verhandlungsmacht haben als in den 70ern, ist die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale mit sich beschleunigender Inflation geringer.
Sven Rötsch: Wie sehen Sie die Gefahr einer Hyperinflation in den nächsten 20 Jahren?
Es tut mir leid, auf 20 Jahre lassen sich nur ganz, ganz wenige Dinge prognostizieren. In bezug auf eine Hyperinflation sehe ich mich dazu nicht in der Lage. Möglich ist so etwas schon in dem ein oder anderen Land.
Walter Kerz: Wie "gut" stehen die Chancen für eine moderate Inflation oder wird sich die gigantische Aufblähung der Geldmenge in einer Hyperinflation entladen?
Die Aufblähung der Geldmenge hat bislang noch keine inflatorischen Effekte (die ja in gewissem Grade gewünscht sind), da die Banken oftmals das neu geschaffene Geld direkt wieder bei den Zentralbanken eingelagert haben, um Liquiditätsreserven zu haben. Ich sehe in den nächsten fünf Jahren die Gefahren eine Hyperinflation als sehr moderat an.
Walter Pampel: Halten Sie die Gefahr einer deflatorischen Entwicklung für ausgestanden? Glauben Sie auch an eine große Depression innerhalb der nächsten zehn Jahre?
Die im Vergleich zur Hyperinflation größere Gefahr ist immer noch die Deflation. Durch die massive Vermögensvernichtung, den Ausfall schlechter Kredite, den wirtschaftlichen Abschwung und jetzt auch steigende Arbeitslosigkeit sind massive deflatorische Kräfte entfesselt worden. Wir halten mit Geldmengenausdehnungen und Konjunkturprogrammen dagegen. Hoffen wir, dass es hilft. Eine Große Depression ist nicht ausgeschlossen, aber ich sehe die Risiken bei maximal zehn Prozent.
Wolfgang Klaus: Glauben Sie, dass der Höhepunkt der Krise erst noch kommt?
Ich hoffe, dass wir den Höhepunkt der Finanzkrise überstanden haben. Durch die Hypothekenkrise ist die USA erst zur Hälfte durch. Auch die Abschreibungen sind erst zur Hälfte erfolgt und der Bedarf der Banken nach neuem Kapital ist erst zur Hälfte gedeckt. Hoffen wir, dass die großen Erschütterungen durch sind, aber der Schmerz wird noch lange anhalten.
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