Marion Adamski ist alles andere als begeistert. Die Rentnerin hat sich mit rund 30 weiteren Lehman-Brothers -Geschädigten vor dem Düsseldorfer Hotel versammelt, in das die Citibank und die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geladen haben. Drinnen stellen Bank und Verbraucherschützer ein Entschädigungssystem für Opfer der Pleite der einst viertgrößten Investmentbank der Welt vor. Vor allem betagte Anleger mit wenig Erfahrung und konservativer Anlagestrategie sollen davon profitieren. Für Adamski ein Skandal: "Die Verbraucherzentrale sollte klagen und keinen Kompromiss aushandeln!" Ihre Mitstreiter, die einen Oldtimer mit Transparenten dekoriert haben und Flugblätter verteilen, sehen das ähnlich.
Drinnen will Franz Josef Nick, Chef der Citibank Deutschland, seine Bank rehabilitieren: "Es hat mich erschüttert, welche Schicksale am Untergang von Lehman hängen." Durch die Lehman-Pleite im Oktober 2008, sollen in Deutschland rund 40.000 Anleger schätzungsweise 700 Mio. Euro verloren haben. Vor allem die Citibank hatte ihren Kunden Lehman-Zertifikate in die Depots gebucht. Aber auch die Dresdner Bank, die Hamburger und die Frankfurter Sparkasse hatten munter Zertifikate aus dem Hause Lehman verkauft. Die Pleite löste eine Welle von Prozessen aus. Seitdem macht der Begriff der Lehman-Oma die Runde: Vor allem alten und wenig erfahrenen Anlegern sollen die Zertifikate als Festgeldersatz verkauft worden sein.
Citi-Kunden, die durch Lehman-Zertifikate Verluste erlitten haben, können seit Donnerstag im Internet-Angebot der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ihre Chance auf Entschädigung ermitteln. Es gilt sechs Fragen zu beantworten, etwa nach dem Alter, der Risikoneigung oder dem Anteil von Lehman-Papieren am Gesamtdepot. Dafür gibt es Punkte. Je höher das Alter und je größer der Schaden, desto höher ist die Punktzahl und folglich auch die Entschädigung. Sollte ein Kunde Geld zurückbekommen, werden dies mindestens 30, höchstens aber 80 Prozent vom Kaufpreis des Zertifikats sein.
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