Immer mehr Direktbanken erweitern das Angebot bei spekulativen Anlageformen. BÖRSE ONLINE vergleicht die Konditionen bekannter Onlinebroker.
Wunder brauchen bekanntlich etwas länger - bei der Comdirect Bank auch schon mal fast drei Jahre. "Möglich, dass wir CFDs 2009 anbieten werden", sagte der frühere Direktbank-Chef Michael Mandel beim Broker-Round-Table Ende 2008. Es wurde September 2011, bis der Broker mit dem Angebot live ging. Andere Direktbanken waren schon früher mit den Differenzkontrakten am Markt. Mit den Contracts for Difference (CFD) genannten Produkten können Anleger auf Marktentwicklungen wetten.
Vergleichsweise groß ist dafür das Produktspektrum der Comdirect Bank bei CFDs. Die Konditionen sind dagegen eher Marktstandard - mit Ausnahme der Kosten für Aktien-CFDs: Hier verlangt die Bank eine Mindestgebühr von 9,90 Euro. Allerdings spielt die Musik bei CFDs eher bei Indizes, Rohstoffen und Währungen - und nicht bei Einzelwerten.
CFDs zur Abrundung der Produktpalette
Für Comdirect und auch für andere große Häuser wie etwa Cortal Consors, das den Handel über die FX Direktbank abwickelt, dienen CFDs vor allem der Abrundung der Produktpalette. Andere Broker und große Filialbanken mit Onlinebrokerage, die CFDs bereits im Angebot haben, sind Flatex, Vitrade, Sparkassenbroker, Saxobank und die
Postbank (siehe unsere große Überblickstabelle) Daneben gibt es natürlich die CFD-Spezialisten wie CMC Markets oder IG Markets oder
RBS Marketindex, um bekannte Adressen zu nennen.
Gut möglich, dass weitere große Direktbanken bald in den Markt einsteigen. Auch bei der Deutschen-Bank-Tochter Maxblue soll es demnächst ein CFD-Angebot geben. Und die
DAB Bank findet CFDs "natürlich interessant", sagt Sprecher Jürgen Eikenbusch. Zunächst startet der Münchner Broker aber das Futures Margin Trading: 15 Eurex-Futures können mit bis zu 200-fachem Hebel gehandelt werden - nichts für schwache Nerven also.
Nebenkosten immer komplexer
Nerven aus Stahl braucht man auch, wenn man die Brokerage-Konditionen im Onlinehandel noch nachvollziehen möchte. Vor allem zwei Faktoren bestimmen, wie viel ein Kunde für eine Order zu bezahlen hat. Zum ersten die Preisstaffel des Brokers: Bei vielen Häusern hängt sie schlichtweg vom Auftragsvolumen ab, Ausnahmen sind Anbieter wie Flatex oder die Netbank, die mit einer Einheitsgebühr arbeiten, die unabhängig vom Volumen ist.
Immer wichtiger werden allerdings die Nebenkosten der Handelsplätze, die sich oft stark unterscheiden. Sie werden von den Brokern auf unterschiedliche Weise weitergegeben. Entweder zum Teil pauschaliert wie bei Cortal Consors oder ING-Diba oder komplett variabel wie etwa bei Flatex oder der Onvista Bank. Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile: Bei den pauschalierten Modellen weiß man vorher besser, was eine Order kostet; bestimmte Börsenkosten kommen aber auch hier in aller Regel noch dazu. Auf der anderen Seite sind bei diesen Häusern durch die pauschalierten Nebenkosten unter Umständen kleinere Orders teilweise teurer. Bei komplett variablen Nebenkosten ist es dagegen schwer, sich die genauen Orderkosten im Vorhinein klarzumachen, besonders dann, wenn man noch mit Extrakosten für Teilausführungen rechnen muss.
Börse-Online-Konditionenüberblick hilft
Die weiße Fahne hissen inzwischen selbst Onlinebroker wie Flatex. Auf seiner Website stellt der Broker die Nebenkosten zwar aufgeschlüsselt nach Börsenplätzen dar, schreibt aber: "Nach den letzten Preisänderungen der Börsen und der damit verbundenen Komplexität ist eine detaillierte Darstellung der Börsengebühren an dieser Stelle leider nicht mehr möglich." Auch bei anderen Brokern ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass die Börsengebühren für sie selbst nur noch schwer zu durchschauen sind. Schwer kalkulierbare Gebühren kann man als Privatanleger im außerbörslichen Handel umgehen oder am Börsenplatz Tradegate. Privatanleger sollten daher nicht nur die Gebühren der Broker, sondern auch die Handelsplatzkosten im Blick behalten.
Bei den Ordergebühren der Broker selbst gab es dagegen im vergangenen halben Jahr keine größeren Konditionenänderungen. Wenn sich Kunden wundern, dass sie bei manchem Broker inklusive aller Fremdspesen trotzdem geringfügig mehr für eine Order bezahlen mussten, lag das zum Beispiel daran, dass der Börsenplatz Frankfurt im Frühling seine Gebühren geändert hat. So wurde die Maklercourtage bei Aktien, die früher 0,04% für DAX-Werte und 0,08% für sonstige Titel betrug, durch ein einheitliches Handelsentgelt von 0,06% ersetzt, außerdem stieg die Mindestgebühr deutlich an. Das hat zur Folge, das DAX-Orders über diesen Börsenplatz generell teurer wurden, kleinere Orders aber besonders wegen der gestiegenen Mindestgebühr. Größere Orders in Nicht-DAX-Werten profitieren jedoch davon.
Eine große Hilfestellung im Konditionendschungel liefert Ihnen unsere Übersicht von 22 großen Direktbanken und Filialbanken mit Onlinebrokerage. Sie enthält nicht nur Gebührensätze, sondern ermöglicht Ihnen auch den Überblick über das Produktangebot. Denn ein vermeintlich günstiger Anbieter muss nicht unbedingt der Anbieter sein, der auch am besten zu den eigenen Bedürfnissen passt. Denn noch immer gibt es Häuser, die zum Beispiel keinen außerbörslichen Handel oder keine Auslandsbörsen offerieren. Girokonten gibt es ebenfalls nicht überall. Auch bei Fonds- und ETF-Sparplänen ist das Angebot sehr unterschiedlich. Enthalten sind in unserer Übersicht auch die Gebühren für ETF-Sparpläne. Zur Freude der Kunden sind in den vergangenen zwölf Monaten hier die Orderkosten nochmals leicht gesunken - bei weiter steigendem Sparplanangebot. Wer sich auf die Suche nach dem passenden Broker begibt, hat mit unserer also eine wichtige Informationsquelle.
Konditionenvergleich als Exceltabelle
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