Die meisten Menschen sind bei Anlageprodukten auf die Hilfe ihrer Bankvertreter angewiesen. Doch die kommen ihren Pflichten laut Untersuchungen der Stiftung Warentest meist nicht nach. Vielfach werde gegen Gesetze verstoßen und nur an die Abschlüsse gedacht.

Stiftung Warentest Test
Banken und Sparkassen räumen Defizite bei ihrer Kundenberatung ein. Es gebe "bei der Handhabung von Protokollen nach einer Wertpapieranlageberatung von Neukunden offenbar noch deutlichen Nachholbedarf", teilte der Zentrale Kreditausschuss als Dachorganisation des deutschen Kreditgewerbes am Dienstag mit. Er reagierte damit auf das miserable Ergebnis einer Untersuchung der Stiftung Warentest. Darin werden den Geldhäusern in zahlreichen Fällen Gesetzesverstöße vorgehalten.
Die Geldinstitute haben in Sachen Anlageberatung nach Einschätzung der Verbraucherzentralen nichts dazu gelernt. Die Verbraucherschützer fordern angesichts der schlechten Noten der Stiftung Warentest für die Banken jetzt gesetzliche Schritte. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, sagte am Dienstag in Berlin: "Ohne klare gesetzliche Vorgaben und effektive Kontrollen durch die Finanzaufsicht wird sich an der Qualität der Anlageberatung durch Banken und Finanzvermittler nichts ändern." Die Beratung dürfe nicht mehr von Provisionen "getrieben" sein.
Die Ankündigungen der Banken, kundenfreundlicher zu werden, bezeichnete der oberste Verbraucherschützer als leere Worthülsen. Er forderte ein Standard-Beratungsprotokoll und eine bessere Kontrolle. Ein halbes Jahr nach Einführung neuer Regeln attestiert die Stiftung Warentest den Banken häufige Mängel bei der Anlageberatung.
Lieber möglichst viele Abschlüsse erzielen
Bei vielen Banken hapert es nach Meinung von Experten noch an kundennaher Beratung. "Den Vertrieb auf neue Konzepte einzuschwören, ist die größte Herausforderung", sagte Frank Niemeyer von der Hamburger Unternehmensberatung Innovalue. "Der Vertrieb orientiert sich an kurzfristigen Zielen, wichtig ist aber die langfristige Kundenbeziehung. Das muss in Einklang gebracht werden."
Gerade im Vertrieb gehe es den Mitarbeitern darum, möglichst viele Abschlüsse zu erreichen. Die nun eingeführten Protokolle kosteten den einzelnen Mitarbeiter allerdings viel Zeit. Nach Meinung von Niemeyer müssen die Banken ihre Vertriebsmitarbeiter von anderen Aufgaben entlasten, damit sie sich mehr Zeit für ihre Kunden nehmen können.
Wenige Monate nach Einführung der neuen Regeln für die Beratung von Bankkunden testete die Stiftung in insgesamt 146 Beratungsgesprächen 21 Geldhäuser. Fazit: Sechs Mal schnitten die Institute mit einem "mangelhaft" ab, die Note "gut" wurde gar nicht vergeben.
Seit Jahresbeginn sind die Geldinstitute gesetzlich verpflichtet, bei einer Anlageberatung über Wertpapiere ein Beratungsprotokoll auszustellen. Bei dem Test im Frühjahr erhielten nur etwa die Hälfte der Kunden, bei denen es notwendig gewesen wäre, dieses Protokoll. Stiftung Warentest stellte die Ergebnisse am Dienstag in Berlin vor.
Insgesamt schnitten die untersuchten Geldhäuser noch schlechter ab als bei einer vergleichbaren Studie im Sommer 2009. Damals bekamen zwei Geldinstitute die Note "mangelhaft". Etwas besser schnitten die Berater jetzt bei der verbindlichen Abfrage von Vermögenssituation, Einkommen, Beruf und Anlagezielen ab. Viele Kundengespräche waren aber auch in dieser Hinsicht nach wie vor lückenhaft.
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