Herr Bieler, was bedeutet die Übernahme der Dresdner Bank durch die
Commerzbank für die Kunden?
Bieler: Da muss man ein bisschen spekulieren, weil noch nicht alle Details veröffentlicht sind. Sicher ist aber offensichtlich, dass eine ganze Reihe von Filialen geschlossen werden soll. Es wird also in vielen Orten nicht mehr von jeder der beiden Banken eine Filiale geben, sondern nur noch eine einzige. Außerdem wird die
Allianz wohl noch stärker als bislang die Finger im Spiel haben, nachdem sie einen Anteil an der fusionierten Bank behält. Bislang kooperiert die
Commerzbank eng mit dem Versicherer
AMB Generali. Da werden die Commerzbank-Kunden sicherlich künftig heftig bearbeitet, damit sie zur
Allianz zu wechseln. Änderungen wird sich wohl auch für die Kunden der Commerzbank-Fondsgesellschaft cominvest ergeben, die ja zur
Allianz kommt.
Wie schnell wird sich etwas für die Kunden ändern?
Bieler: Das sind alles Dinge, die sich nicht in den kommenden zwei Monaten ändern, sondern erst auf mittlere Sicht. Generell werden sich die Umstellungen in Grenzen halten. Die Leute werden schon jetzt beharkt, alle möglichen Dinge zu kaufen, da wird wohl nicht so viel dazukommen.
Sollten Kunden von
Commerzbank und Dresdner Bank jetzt irgendwie reagieren?
Bieler: Nein, das brauchen sie aus meiner Sicht vorerst nicht zu tun. Sie sollten allerdings im Laufe der Zeit darauf achten, ob sie gute neue Angebote bekommen oder eher ein aggressiveres Verkaufen zu beobachten ist.
Haben Sie den Eindruck, dass der Kunde bei dem Übernahme-Kalkül eine Rolle spielt?
Bieler: Nein, das Interesse der Kunden kommt aus meiner Sicht – wie bei vielen Fusionen – erst an letzter Stelle. Diese Übernahme wird nicht wegen der Kunden gemacht, sondern wegen der Anteilseigner.
Es wird aber bei Fusionen immer wieder argumentiert, dass der Kunde etwas davon hat - beispielsweise dadurch, dass Kostenvorteile an ihn weitergegeben werden und er bessere Produkte erhält als zuvor. Könnte das hier zutreffen?
Bieler: Gegenfrage: Glauben Sie an den Weihnachtsmann? Im Ernst: Synergiegewinne kommen in erster Linie den Anteilseignern zugute, nicht den Kunden. Bessere Produkte aus Sicht der Bank sind die, mit denen man mehr Geld verdienen kann, nicht jene, von denen der Kunde profitiert.
Vor drei Jahren wurde die HypoVereinsbank durch die italienische Unicredit übernommen. Welche Lehre lässt sich daraus für den heutigen Fall ziehen?
Bieler: Vielleicht die, dass bei einer Fusion beide Partner erstmal sehr mit sich selbst beschäftigt sind und sich weniger um den Kunden kümmern können.
Empfehlen