Analysten und Devisenstrategen halten
die schwedische und die norwegische
Krone für überbewertet. Zur Begründung
verweisen sie in aktuellen
Kommentaren auf das abgeschwächte
Wachstum in den nordischen Ländern
sowie in der Euro-Zone. Hinzu komme,
dass beide Währungen – relativ gesehen
– eher als illiquide Devisen gelten.
Schwedens Zentralbank hatte den
Leitzins am 16. Februar bereits zum
zweiten Mal in Folge gesenkt auf nun
1,5 Prozent. Ein Grund: Im Dezember
war der Export, der fast die Hälfte des
Bruttoinlandsprodukts ausmacht, um
rund sechs Prozent gefallen. Auch Norwegens
Exporte waren im vierten
Quartal 2011 geschrumpft – und zwar
um 4,3 Prozent. Die Zentralbank
senkte im Dezember den Leitzins auf
1,75 Prozent. Das war nicht nur ein
Rückgang von 0,5 Prozentpunkten,
sondern auch die größte Reduzierung
seit Mai 2009. Eine schwächere Nachfrage
aus verschuldeten Euro-Ländern
hatte einige Exporteure bereits dazu
veranlasst, Stellen zu streichen. So
teilte beispielsweise das Solarunternehmen
Renewable Energy aus Oslo
mit, einige Werke dichtmachen zu
wollen. Von der Maßnahme würden
rund 700 Mitarbeiter betroffen sein.
Nach Berechnungen der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) ist die
schwedische Krone etwa 25 Prozent zu
teuer. Bei der norwegischen Krone
seien es sogar über 40 Prozent. Erst
vergangene Woche erklärte Öystein
Olsen, Chef der norwegischen Notenbank,
er stehe bereit, etwas gegen die
Stärke der Krone zu unternehmen.
Sein schwedischer Amtskollege Stefan
Ingves hatte noch Ende 2010 Forderungen
nach einem Eingreifen eine
Absage erteilt. Nun jedoch hat sich das
Blatt gewendet. Es gibt Sorgen, die
starke Krone belaste das Wachstum im
Land – nicht zuletzt wegen der griechischen
Schuldenkrise.
„Diese Währungen müssen abwerten“,
sagte Peter von Maydell, Chef für
Devisenstrategien bei
Credit Suisse
Securities in London, im Interview. In
dieselbe Richtung argumentierte auch
Björn-Roger Wilhelmsen, Chefstratege
für Zinsen und Devisen bei Swedbank
First Securities in Oslo. „Eine
substanzielle Aufwertung hätte geldpolitische
Antworten zur Folge.“
Analysten gehen davon aus, dass
die nordischen Währungen gegenüber
dem Dollar und dem Euro bis einschließlich
des dritten Quartals an
Wert verlieren. Demnach wird die norwegische
Krone von aktuell 7,50 auf
7,60 Kronen je Euro und von 5,70 auf
6 Kronen je Dollar sinken, zeigt der
Median von über 20 Schätzungen. Die
schwedische Krone wird sich von aktuell
8,70 auf 8,90 Kronen je Euro und
von 6,70 auf 6,90 Kronen je Dollar verbilligen,
ergab eine weitere Umfrage.
Zu Verlusten bei den beiden Währungen
könnte es auch deshalb kommen,
weil sie unter den G10-Staaten zu
jenen vier Devisen gehören, die am
wenigsten gehandelt werden. Das geht
aus Daten der Bank für Internationalen
Zahlungsausgleich hervor. Damit
dürfte es für Investoren schwieriger
werden, aus den Währungen auszusteigen.
„Ihre Illiquidität ist definitiv
negativ, wenn die Märkte Risiken
reduzieren wollen“, sagte Adam Cole,
weltweiter Chef für Fremdwährungsstrategien
bei RBC Capital Markets in
London.
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