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Spareinlagen Banken verschmähen Kundengelder

[10:34, 04.11.09]


Eigentlich sollten Banken ganz wild auf die Sparstrümpfe ihrer Kunden sein - könnte man meinen. Von wegen: Das Interesse vieler Institute an Sparguthaben ist gering.


Eine Bank ist dazu da, um das Geld der Kunden zu verwahren. Das dachte Veronika Schmidt (Name geändert), bis sie zur Sparda-Bank Baden-Württemberg in Stuttgart kam. Die Frau wollte 30.000 Euro anlegen. Das Geld hatte sie von ihrer Mutter geschenkt bekommen, nachdem sie eine Immobilie verkauft hatte. Schmidts Wahl fiel auf die Sparda-Bank, weil sie ein günstiges Girokonto anbot. Dies hätte sie auch eröffnen können, doch ihr Geld wollte die Bank nicht haben. Enttäuscht und verwundert zog sie wieder ab.

Der Fall belegt, wie gering das Interesse der Banken an Kundengeldern derzeit ist. Denn seit Monaten werden sie mit Geld überflutet. Nach vorläufigen Zahlen der Deutschen Bundesbank sind die Spareinlagen von Privatpersonen bei inländischen Banken im September auf 559,03 Milliarden Euro gestiegen und liegen damit wieder auf dem Niveau von April 2007. Innerhalb eines Jahres kletterten die Bankguthaben somit um 10,2 Prozent - das ist die höchste Zuwachsrate während eines Jahres seit Oktober 1996.

Entspannung am Geldmarkt

Kundeneinlagen sind für Banken nur eine Möglichkeit, sich zu refinanzieren. Während zu Beginn der Finanzkrise ihr Interesse am Geld der Kleinsparer noch groß war, so sind sie inzwischen nicht mehr stark darauf angewiesen. Dazu hat vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) beigetragen, die in dem Jahr die Banken gleich zweimal großzügig mit Geld für zwölf Monate versorgt hat. Bei der ersten Zuteilung im Juni hatten die europäischen Finanzinstitute noch die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro abgerufen, doch schon bei der zweiten Auktion Ende September waren es nur noch 75,2 Milliarden Euro. Denn auch am Anleihen- und Interbankenmarkt hat sich die Lage deutlich entspannt. So sank der Euribor-Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld für ein Jahr leihen, binnen Jahresfrist von 4,8 auf 1,22 Prozent.

Das hat auch Folgen für die Sparer. Nunmehr schlägt die Zinssenkung der EZB, die den Hauptfinanzierungssatz im Mai auf ein historisches Tief von einem Prozent gesenkt hatte, voll auf die Einlagenkonditionen der Banken durch. So liegen die Zinsen für Sparguthaben aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 20 Jahren. Tagesgeld wirft laut Angaben der FMH-Finanzberatung im Schnitt nur noch 1,32 Prozent ab, Festgeld für drei Monate bringt gar nur ein Prozent.

Dass Kunden von Banken offen abgewiesen werden, hält Herbert Apweiler, Bankenexperte beim Beratungshaus Deloitte, aber für die Ausnahme. "In der Regel wird die Kundenakquisition über die Konditionengestaltung gesteuert", sagt er. Das lässt sich im Moment gut beobachten. Einige Geldhäuser, darunter die Internetbroker Comdirect und 1822direkt, bieten für Festgeld von zwölf Monaten im Augenblick gar weniger als den aktuellen Leitzins von einem Prozent. Von "Abwehrkonditionen" spricht daher auch Max Herbst, Leiter der FMH-Finanzberatung.

"Anlagekunden haben die Banken im Augenblick genügend, was ihnen fehlt, sind Kreditnehmer", sagt Herbst. Denn darin besteht das Wesen des Bankgeschäfts: Geld leihen, um es teurer zu verleihen. Derzeit stockt jedoch die Kreditvergabe: Nach Angaben der Bundesbank lag das Volumen der ausgegebenen Kredite deutscher Banken an Unternehmen und Privathaushalte im September mit 3950 Milliarden Euro rund 1,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Kritiker werfen den Banken vor, der Wirtschaft dringend benötigtes Kapital bewusst vorzuenthalten. Die Finanzinstitute weisen dagegen auf die gestiegenen Ausfallrisiken und die strengeren Vergaberichtlinien hin. Bankenexperte Apweiler sieht in den niedrigen Sparzinsen auch eine Folge der niedrigen Inflationsraten und der gegebenen Investitionsmöglichkeiten: "Die Konditionen zeigen, dass die Banken aktuell entsprechende Margen auf der Aktivseite nicht erwirtschaften können."

Geld landet bei der EZB

Wenn Banken das Geld nicht in Form von Krediten weiterreichen, geben sie es Wettbewerbern oder - sicherer noch - tragen es zurück zur EZB. "Wegen der guten Bonität unseres Hauses brummt das Einlagengeschäft. Allerdings können wir unseren Kunden nur moderate Zinsen bieten, da wir das Geld sehr vorsichtig in großem Umfang auch bei der Europäischen Zentralbank wieder anlegen. Da bleibt nichts übrig", sagt Olaf Huth, Vorstand Vermögende Privatkunden bei der Privatbank  HSBC Trinkaus. "Wer jetzt seinen Kunden höhere Einlagenzinsen verspricht, braucht offensichtlich das Geld. Hier sollten die Kunden vorsichtig sein."

Wegen solcher Topangebote sind die Konditionen der Banken auch nicht generell schlecht. Im Schnitt aller Anbieter liegt der Zins für Festgeld von zwölf Monaten derzeit bei 1,48 Prozent - und damit wie seit Ausbruch der Finanzkrise oberhalb des Leitzinses. "In der Vergangenheit war er meist darunter", sagt Herbst. Er glaubt aber, dass sich die Situation ändern wird, sobald die EZB den Leitzins wieder anhebt. Dann dürften die Guthabenzinsen nicht im gleichen Maß steigen.


 

© 2009 ftd.de

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