Die Wirtschaftsaussichten trüben sich ein. Der Anleihefonds Raiffeisen Euro Corporates setzt jetzt auf solide Firmen
Mit seinen Kollegen aus der Aktienabteilung
möchte Georg Nitzlader
derzeit nicht tauschen: zu schlecht
die Konjunkturprognosen für Europa, zu
unsicher die weitere Entwicklung an den
Börsen. Die Gelassenheit des Fondsmanagers
des Raiffeisen Euro Corporates verwundert
auf den ersten Blick. Denn auch Nitzladers
Fonds verdient sein Geld mit
Firmenpapieren – genauer gesagt: mit
Unternehmensanleihen.
„Natürlich sind die Wirtschaftsaussichten
nicht rosig“, sagt der Manager. „Aber
auf Anleihen sollte sich ein Abschwung
wesentlich schwächer auswirken als auf
Aktien.“ Denn aus Sicht von Bondexperten
haben Europas Firmen im vergangenen
Jahr ganze Arbeit geleistet. Im Schnitt
haben sie ihre Schuldenlast reduziert und
ihre liquiden Mittel erhöht. Eine Studie der
Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)
belegt, wie sehr die Unternehmen mittlerweile
aus der Finanzkrise 2008 gelernt
haben: Damals konnten sie zeitweise kaum
noch den Anleihemarkt für frisches Geld
anzapfen, seitdem haben wichtige europäische
Firmen ihre Kassepositionen im
Verhältnis zur Bilanzsumme um ein Drittel
erhöht. „Die Unternehmen sitzen auf Bergen
von Cash und halten sich bei Investitionen
zurück“, sagt Nitzlader. „Für Anleihebesitzer
sind dies nicht die schlechtesten
Bedingungen.“
Angesichts der trüben Wirtschaftsaussichten
lässt aber auch Nitzlader derzeit
Vorsicht walten: Er darf mit seinem Fonds
ohnehin nur wenig in hochspekulative
Bonds investieren, derzeit ist der Anteil so
niedrig wie selten. Fast das gesamte Fondsvermögen
steckt in Firmenanleihen aus der
als sicher geltenden Kategorie „Investmentgrade“
(Standard & Poor’s: Note „BBB–“
und besser; Moody’s: Note „Baa3“ und besser).
Wegen der Schuldenkrise hält Nitzlader
kaum noch Bankanleihen; stattdessen
bevorzugt er Papiere aus Branchen, die ein
Konjunkturabschwung nur wenig treffen
würde – die Pharmaindustrie und Energieversorger
zum Beispiel.
Eine weitere Sicherheitsmaßnahme gehört
zum Kern von Nitzladers Investmentstrategie:
Diversifikation. Zurzeit hat der
Fondsmanager 270 Anleihen von 150 Firmen
im Portfolio. „Eine möglichst breite
Streuung der Titel ist in meinen Augen die
wichtigste Absicherung für jeden Bondinvestor.
Denn es kommt bei Anleihen vor
allem darauf an, Verluste zu vermeiden.“
Das ist Nitzlader bislang gut gelungen.
Das Analysehaus Feri zählte den Raiffeisen
Euro Corporates 2011 zu den besten Firmenanleihefonds
im Euro-Raum; auch auf
Sicht von fünf Jahren lässt er den Branchendurchschnitt
klar hinter sich.
Bei aller Vorsicht: Gänzlich auf Bonds
aus den angeschlagenen Euro-Staaten verzichten
möchte der Fondsmanager nicht.
So investiert er beispielsweise in Papiere
des spanischen Telefonkonzerns
Telefónica
– der Anbieter erzielt einen Großteil seiner
Umsätze in den wachstumsstarken Ländern
Lateinamerikas.
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