Die Nachricht kam dann doch überraschend: Jahrelang hatten sich Mutter und Tochter öffentlich gestritten, wieder versöhnt, erneut gezankt. Am
17. Oktober erklärte ein Vormundschaftsgericht schließlich die französische Milliardenerbin Liliane Bettencourt für entmündigt. Seitdem steht sie unter
Vormundschaft ihres Enkels Jean-Victor Meyers. Das Vermögen der 89-Jährigen, die 30,8 Prozent der Anteile am Kosmetikhersteller L'Oréal hält, verwaltet ihre Tochter Françoise Bettencourt-Meyers.
Ein Paukenschlag für den Konzern aus Frankreich. Denn die Absichten Bettencourt-Meyers liegen im Dunkeln. Will sie als Hauptaktionärin die Geschicke bei L'Oréal lenken? Oder will sie die Aktien verkaufen, womöglich an Co-Aktionär Nestlé? Der Schweizer Konzern hat ein Vorkaufsrecht auf die Aktien der Bettencourts. Erwirbt er die Papiere, steigt er zum Mehrheitseigner auf. Die Familienholding Téthys erklärte zwar eilig, der Gerichtsentscheid habe keine Konsequenzen für L'Oréal. Die Unsicherheit bleibt aber.
Neben der Familienfehde hinterlassen die weltweiten Marktturbulenzen ihre Spuren bei L'Oréal: Der Aktienkurs rutschte von Juli bis September von gut 90 auf rund 70 Euro ab. Das enttäuschende Halbjahresergebnis beschleunigte die Abwärtstendenz. Das schlechtere konjunkturelle Umfeld und höhere Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Marketing drückten den operativen Gewinn von 1,5 auf 1,37 Mrd. Euro. Erst im November konnte Konzernchef Jean-Paul Agon bessere Zahlen melden: Der Ertrag stieg um 1,8 Prozent, der Konzern erlöste im dritten Quartal 4,9 Mrd. Euro. "Die Zahlen waren solide, haben aber die Erwartungen nicht übertroffen", sagt Lars Lusebrink von Independent Research. Während die Situation in den krisengeschüttelten Staaten Griechenland und Portugal schwierig bleibt, profitiert der Konzern von steigenden Erlösen im Luxussegment. Die Verkaufszahlen hochpreisiger Produkte - darunter die Düfte von Yves Saint Laurent und Giorgio Armani - stiegen um 8,8 Prozent.
Agon glaubt, dass der Kosmetikriese die für 2011 formulierten Ziele erreichen wird: L'Oréal will schneller als der Markt wachsen und die Profitabilität weiter steigern. Vor allem von den Schwellenländern verspricht sich das Unternehmen einen Wachstumsschub. Diese Rechnung könnte aufgehen. Allein die Asien-Pazifik-Märkte - allen voran China und Indien - trugen im dritten Quartal elf Prozent zum Erlöswachstum bei. Auch in Südamerika läuft das Geschäft mit der Schönheit.
Lusebrink sieht dennoch momentan nur begrenztes Kurspotenzial. Vor allem mit Blick auf den Massenmarkt, in dem der Kosmetikkonzern zuletzt Einbußen hinnehmen musste, bleibt der Analyst skeptisch: Ein weiterer Einbruch könne das Gewinnwachstum wieder abmildern und die Notierung ausbremsen.
Beobachten
Risiko: Mittel
WKN: 853888
Kurs: 75,07 Euro
Risiko: Mittel
KGV 2012e: 16,5
Kursziel: 85,50 euro
Stoppkurs: 64,50 Euro
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