Gekappte Gewinnprognosen und die Angst vor einer Rezession haben den MDAX in den vergangenen Wochen wiederholt nach unten gedrückt. Das machte auch dem börsengehandelten Indexfonds (ETF) auf das deutsche Marktbarometer für Unternehmen mit mittlerer Marktkapitalisierung, iShares MDAX, zu schaffen: Im Tief stürzte er um gut 30 Prozent von 11187 auf 7783 Punkte ab.
Um die Wertentwicklung des MDAX möglichst genau nachzubilden, investiert der ETF direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Anleger gehen eine Wette auf die Konjunktur ein, denn die größten Positionen des Indexfonds entfallen auf zyklische Unternehmen wie zum Beispiel
Lanxess. Titel von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen machen rund 30 Prozent des ETFs aus, Papiere von Automobilzulieferern immerhin rund neun Prozent. Kühlt die Konjunktur ab, droht dem Indexfonds eine Durststrecke.
Anzeichen dafür gab es zuletzt einige: China meldete in der vergangenen Woche, die Wirtschaft sei im Oktober so langsam gewachsen wie zuletzt im Februar 2009. Die Auftragsflaute und der schwächelnde Export nähren die Angst vor der sogenannten harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Geht Deutschlands drittwichtigstem Handelspartner die Puste aus, drohen exportstarken Unternehmen wie
MTU Aero Engines,
Gildemeister oder
Continental Rückschläge; Anteilscheine des deutschen Reifenherstellers machen immerhin sechs Prozent des iShares-MDAX-ETF aus.
Selbst der Zulieferer für die stabilere Nahrungsmittelbranche, der Duft- und Geschmacksstoffhersteller
Symrise, dessen Papiere rund drei Prozent der ETF-Positionen ausmachen, musste einen deutlichen Bestellrückgang verkraften. Schlechte Aussichten also für die Entwicklung des Indexfonds, dessen einzige Stärke die vergleichsweise niedrigen Gebühren sind.
In Amerika sinkt die Stimmung der Einkaufsmanager ebenfalls. Der als Frühindikator geltende ISM-Einkaufsmanagerindex (Seite 16) für die Region Chicago fiel im vergangenen Monat deutlicher, als die Ökonomen erwartet hatten. Hinzu kommt, dass die deutsche Industrie im Oktober erstmals weniger wuchs als in den Vormonaten. Der Markit-Einkaufsmanagerindex fiel unter die 50-Punkte-Marke, die als Expansionsschwelle gilt.
Leere Auftragsbücher und maue Quartalsgewinne setzten dem ETF schon während der Finanzkrise zu. Immerhin: Am Markt dürfte er kaum schlechter liegen als aktiv gemanagte Fonds, die den Vergleichsindex meist auch nicht schlagen. Research-Experte Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe warnt dennoch davor, in diesem Marktumfeld auf einen Indexfonds zu setzen. „Weil der ETF ein Portfolio von zyklischen und nichtzyklischen Werten enthält, kann man gute und schlechte nicht auseinanderhalten. Besser ist es, sich einzelne, vielversprechende Titel herauszugreifen.“
Beobachten
Risiko: Mittel
WKN: 593392
Emittent: iShares
Gebühr p.a.: 0,52%
Kurs: 84,12€
Abbildungsart: physisch
Perform. 1 Monat: –3,1%
Stimmen Sie mit ab beim nächstes Leserinvestment
Wählen Sie aus den drei Investments Ihren Favoriten und bestimmen so, über welchen Wert wir in der übernächsten Ausgabe von BÖRSE ONLINE berichten. Jede Stimme zählt!
Zur Auswahl stehen für das Leserinvestment der Ausgabe 48/2011: Automobil-ETF/Zertifikat, Rohstoffaktien-ETF/Zertifikat und Technologie-ETF/Zertifikat.
Hier geht es zur Stimmabgabe
Empfehlen