Der Kursrutsch an den Börsen hat zu erheblichen Mittelabflüssen bei Fonds geführt. Nur die Indexfonds sammelten noch Geld ein – also Produkte, bei denen die Leistung eines aktiven Managers nicht gefragt ist. Doch Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), bleibt locker – auch ETFs sind Fonds.
Der DAX hat binnen zwei Monaten 25 Prozent verloren. Werden die deutschen Privatanleger jemals wieder im großen Stil in Aktien investieren? Und wenn, dann über Fonds?
Die hohen Schwankungen an den Aktienmärkten erschrecken viele Anleger. Wir müssen den Anlegern verdeutlichen, dass die Volatilität zu den Aktienmärkten gehört und dass das langfristige Sparen trotzdem lohnend ist. Das zu erklären, hat die Fondsbranche in den vergangenen Jahren mitunter vernachlässigt. Wir haben in der Boomphase zu sehr auf kurzfristige Trends gesetzt. In allererster Linie stehen wir für die diversifizierte langfristige Anlage und die Altersvorsorge.
Sollte die Fondsbranche nicht als Einheit auf die jüngsten heftigen Kursverluste reagieren? Gab es Krisentreffen?
Nein. Es ist unser Job, mit Marktschwankungen umzugehen, auch wenn sie heftig sind.
Kann es die Lösung sein, dass Fonds vermehrt mit Garantien arbeiten?
Es ist absolut verständlich, wenn Anleger das Bedürfnis nach mehr Sicherheit haben – gerade wenn die Märkte so schwanken wie derzeit. Aber Garantien können nur ein Teil der Lösung sein. Aktienorientierte Fonds bringen in der Regel langfristig einen Mehrertrag, der klar über der Inflationsrate liegt. Das heißt, Garantien auf Kapitalerhalt bieten zwar kurzfristig Sicherheit, langfristig verschenkt der Anleger jedoch Rendite.
In den vergangenen Jahren war diese negativ. Wann können die Anleger wieder mit einem positiven Ergebnis aus Aktien rechnen?
Bei einem langfristigen Wachstum der Weltwirtschaft von rund drei Prozent lassen Aktien jährlich eine reale Rendite in etwa gleicher Höhe erwarten. Die vergangenen 140 Jahre zeigen, dass Aktien eine Wertsteigerung von sechs bis acht Prozent pro Jahr erbracht haben.
Das gilt seit dem Jahr 2000 allerdings nicht. Aktienfonds leiden unter Abflüssen, und auch insgesamt investieren die deutschen Privatanleger kaum in Fonds. Im ersten Halbjahr 2010 sind fast 4 Mrd. Euro abgeflossen. Das sieht nach einer Vertrauenskrise aus.
Es gibt keine Vertrauenskrise bei Fonds, sondern beim Kapitalmarkt. Das ist vor allem auf Bankpleiten und maßlos überschuldete Staaten zurückzuführen. Der Fonds als Produkt ist quicklebendig. Das zeigen die Milliarden, die in Spezialfonds und ETFs fließen. Und dass die Anleger Fonds in fallenden Märkten verkaufen, ist weder neu noch überraschend. Wir sollten also nicht so tun, als sei es ein Problem, wenn Anleger einen der Vorteile des Fondsprodukts nutzen. Wir haben insgesamt ein schwieriges Umfeld für Finanzprodukte. Es ist ja nicht so, dass Anleger statt in Fonds im großen Stil in andere Anlageprodukte investierten.

Thomas Richter
arbeitet seit einem Jahr beim Bundesverband Investment und Asset Management. Seit Juli 2011 ist er Hauptgeschäftsführer des Verbands, in dem deutsche und ausländische Fondsgesellschaften organisiert sind. Zuvor war der Jurist als Pressesprecher und zuletzt Geschäftsführer von DWS tätig.
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