US-Präsident Barack Obama steckt in der Zwickmühle. Das abrupte Ende der stimulierenden Maßnahmen mitten in einer instabilen Erholung belastet die globalen Märkte. Die fallenden Kurse signalisieren deutlich, dass sich die Märkte auf ein langsameres, kurzfristig sogar negatives Wirtschaftswachstum einstellen. Das Vertrauen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist angeschlagen, obwohl viele US-Unternehmen ihre Stärke unter Beweis stellen, indem sie sich in den wachsenden Schwellenländern beeindruckend positionieren. McDonald’s beispielsweise kann gegen den Markttrend seit Jahresbeginn ein zweistelliges Plus aufweisen. Doch mit Blick auf die destruktiven Spannungen im Kongress, das stagnierende Wachstum, die hohe Arbeitslosenquote und die langfristigen Defizitprobleme steigt das Risiko einer verlustreichen Dekade in den USA wie vor 40 Jahren. Infolge der hohen Staatsverschuldung nach dem Vietnamkrieg und des „Great Society“-Programms litt die Nation in den 70er-Jahren unter der Ölkrise, die im Zuge der expansiven Geldpolitik der Fed zur großen Inflation geführt hat. Die Wunden nach diesem militärischen, politischen und finanziellen Desaster heilten nur langsam.
Damals wie heute beeinträchtigen fehlende politische Entscheidungen die wirtschaftliche Aufbruchstimmung in den USA. Vor dem Hintergrund einer ungewissen Zukunft scheuen Unternehmen Investitionen, und die Arbeitslosigkeit bewegt sich auf einem beständig hohen Niveau. Die langfristige finanzielle Bedrohung für jeden einzelnen US-Bürger wird nicht zuletzt bei der Betrachtung der Ansprüche der Bevölkerung an das Sozialsystem offensichtlich. Ein System, das 1935 für Menschen eingeführt wurde, die 45 Jahre arbeiten, mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen und maximal noch sieben Jahre leben. Die Welt von heute sieht anders aus. Die Menschen arbeiten etwa 30 Jahre, gehen mit 60 Jahren in den Ruhestand und werden oftmals 90 Jahre alt. Im Umfeld niedriger Zinsen, die den Wert von Verbindlichkeiten ansteigen lassen, während die Aktiva auf der Habenseite abnehmen, sind auch die unfinanzierten Pensionsverpflichtungen im Ursprungsland der privaten Vorsorge dramatisch angestiegen. Die Summe der ungedeckten staatlichen Pensionszusagen beläuft sich mittlerweile auf über 21000 Mrd. Dollar. Das entspricht einer Summe von 183400 Dollar pro Privathaushalt.
Erst seitdem Moody’s Anfang des Jahres begonnen hat, die staatlichen Pensionszusagen neben dem jeweiligen Kreditvolumen in den Ratings der einzelnen US-Bundesstaaten zu berücksichtigen, zeichnet sich ein realistisches Bild der tatsächlichen Schulden im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt der einzelnen Staaten ab. Damit offenbart sich ein finanzielles Problem, das nicht mit Ausgabenreduzierungen und Steuererhöhungen allein zu lösen ist. Um Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen und wichtige Säulen des amerikanischen Systems zu stärken, werden auch Anpassungen im staatlichen Rentensystem unvermeidlich sein. Doch unpopuläre Reformen werden wohl nicht vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl 2012 angestoßen. Ob anschließend die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, bleibt ebenfalls fraglich. Deswegen muss auch in den USA jeder die finanzielle Verantwortung für seinen persönlichen Traum im Alter selbst übernehmen – je früher, desto besser.
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