Acht Prozent Verlust oder Gewinn? Vor die Wahl gestellt, müsste kein Anleger lange nachdenken: Natürlich würde er lieber acht Prozent Gewinn einfahren, statt acht Prozent Verlust zu machen. Aktuell stehen Investoren weniger vor einer derartigen Wahl als vielmehr vor der Herausforderung, die richtigen Schritte einzuleiten.
Der Grund ist die Zinswende. Mit ihrer Zinserhöhung Anfang April hat die Europäische Zentralbank nach allgemeiner Lesart diese Zinswende eingeleitet. Viele Marktbeobachter sehen nicht weniger als ein Ende einer 30-jährigen Phase stetig sinkender Kapitalmarktzinsen. Den traditionell stark auf Sicherheit hin ausgerichteten Depots deutscher Anleger droht in diesem Umfeld Ungemach. Um nur ein Beispiel zu nennen: Über den Daumen gepeilt, führt ein allgemeiner Zinsanstieg um einen Prozentpunkt bei einer zehnjährigen Bundesanleihe zu einem Kursverlust von rund acht Prozent. Dies ist ein Phänomen, dessen sich viele Investoren nicht bewusst sind. Auch Staatsanleihen höchster Bonität sind daher im aktuellen Kapitalmarktumfeld keine attraktive Anlage. Doch welche Alternativen bieten sich an?
Betrachtet man die klassischen Anlageklassen Aktien, Renten und Rohstoffe, so lässt sich feststellen, dass in der Vergangenheit in Europa sowohl Aktien als auch Rohstoffe im Umfeld steigender Leitzinsen eine positive Performance schafften. Untersucht man für die vergangenen 40 Jahre die Wertentwicklung dieser drei Anlageklassen vor und nach einer ersten Leitzinserhöhung, so zeigt sich ein auf den ersten Blick erstaunliches Ergebnis: Sowohl in den sechs Monaten vor als auch nach einem ersten Zinsschritt erzielten Aktien im Schnitt eine positive Rendite von jeweils etwa acht Prozent. Bei Roh- stoffen lagen die entsprechenden Werte bei zwölf beziehungsweise acht Prozent, während Anleihebesitzer Kursverluste hinnehmen mussten. Die Erklärung für diese Entwicklungen: Die Zentralbanken erhöhen erst dann die Leitzinsen, wenn sich ein nachhaltiger Konjunkturaufschwung abzeichnet und die Nachfrage nach Konsumgütern und Rohstoffen bereits spürbar gestiegen ist.
Anleger können sich somit über eine breite Streuung ihres Kapitals über verschiedene Anlageklassen auf die Zeitenwende und eine steigende Inflation vorbereiten. Eine Möglichkeit habe ich bereits genannt: die Investition in reale Werte wie Aktien, Rohstoffe – vor allem Edelmetalle – oder Immobilien. Aktien haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Anlegern bei Inflationsraten von bis zu vier Prozent einen recht guten Schutz vor Geldentwertung bieten. Aber auch im Anleihesegment gibt es attraktive Anlagemöglichkeiten, zum Beispiel im Schwellenländer- und Unternehmensanleihebereich. So erreichen mehr als die Hälfte der Emerging-Markets-Anleihen mittlerweile ein Investmentgrade-Rating. Gleichzeitig bieten sie immer noch einen Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen. Diesen Aufschlag kombinieren sie mit der Aussicht auf Wechselkursgewinne.
Die sicheren Häfen der Finanz- und Staatsschuldenkrise verlieren ihren Status im Umfeld steigender Zinsen. Reale Werte und Anlagen mit einem Zinsaufschlag gegenüber Staatsanleihen bieten Investoren attraktive Rendite-Risiko-Profile. Mehr denn je kommt es dabei auf die Titelselektion an.
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