Es sind schwierige Zeiten für Fondsanleger und viele
Fondsgesellschaften. Investoren sind angesichts der
internationalen Finanzmisere verunsichert und üben sich
in Zurückhaltung bei der Neuanlage. Erschwerend wirkt die
Enttäuschung über die einst so beliebten „offenen“ Immobilienfonds,
da dies bedauerlicherweise oft undifferenziert auf
Aktien- beziehungsweise Rentenfonds übertragen wird. Anleger
brauchen jedoch gute Fonds für Vermögensdiversifizierung und
-aufbau. Und Fondsgesellschaften benötigen Neuanlagen, um
wachsen zu können. Dies ist kein Gegensatz, sondern funktioniert
Hand in Hand. Orientierung für beide bietet ein Blick zurück.
Schauen wir auf den reifen US-Fondsmarkt, um einige
Rückschlüsse zu ziehen. Als Morningstar vor circa 25 Jahren
anfing, Fonds zu beobachten, fanden sich unter den großen
Fondshäusern Namen wie
Merrill Lynch, Fidelity, Franklin sowie
Dean Witter, E. F. Hutton und Shearson. Letztere sind hier kaum
bekannt – und das ist gut so. Diese Häuser verfügten über
eigene Vertriebsmannschaften und haben durch bevorzugte
Provisionsregelungen den Anlegern meist hauseigene Fonds
verkauft. Diese waren oft von minderer Qualität und teuer.
Produktauflagen waren oft gesteuert von Vertriebsimpulsen und
mit geringer Aussicht auf dauerhafte, positive Investmentergebnisse:
schließlich das Wichtigste für den Anleger. Zunehmende
Transparenz und Professionalität auf dem Fondsmarkt, erhöhte
Medienberichterstattung sowie veränderte Rechtsprechung
erwiesen sich meist als Todesstoß für die kurzsichtige und
wenig anlegerfreundliche Strategie dieser Unternehmen.
Die erstgenannten Firmen zählen heute, 25 Jahre später,
noch immer zu den Großen. Sie teilen sich das Spitzenfeld mit
ein paar Newcomern.
Merrill Lynch ist heute Teil des
Fondsgiganten Blackrock. Dort findet sich neben aktiv
gemanagten Fonds die erfolgreiche ETF-Sparte iShares. Fidelity
konnte seine Spitzenposition behalten, da das Unternehmen
neben dem ursprünglich reinen Direktgeschäft nun zusätzlich
über Berater agiert und aktiv das amerikanische Pensionsfondsgeschäft
mitgestaltet hat. Franklin Templeton Investments ist
hierzulande bestens bekannt durch den Templeton Growth Fund.
Der ursprüngliche Rentenspezialist Franklin erwarb Templeton,
einen ausgewiesenen Aktienexperten. Franklin erfand sich neu
und blieb erfolgreich. Newcomer sind etwa Vanguard und Pimco.
Vanguard ist in Deutschland meist nur Profis als Pionier der
Indexfonds bekannt. Anfangs belächelt für „billige“ Indexfonds,
mittlerweile der größte Fondsanbieter in den USA. Pimco, der
Anleihespezialist aus Kalifornien, und Gründer Bill Gross mit
seinen kritischen Markteinschätzungen sind inzwischen
legendär und heute Teil des Allianz-Konzerns.
Als Erfolgskriterien für Fondsgesellschaften erwiesen sich
eine umsichtige, anlegerfreundliche Produktstrategie, ein
diversifiziertes Angebot über verschiedene Anlageklassen und
Gebührenstrukturen sowie die Erschließung verschiedener
Vertriebskanäle. Letztlich aber ist das entscheidende Kriterium
der Anlageerfolg ihrer Produkte. Vanguard 500 und der Pimco
Total Return zum Beispiel wurden mit zu den größten US-Fonds
wegen ihrer Performance und nicht aufgrund ihrer Vertriebsmacht.
Hier schließt sich der Kreis. Anleger brauchen gut
gemanagte Fonds, Fondsgesellschaften zufriedene Anleger. Gut
gemanagte Fonds verdienen Ihr Vertrauen. Trauen Sie sich!

Anne Connelly ist European Marketing Director der Fondsratingagentur
Morningstar. Vor ihrem Einstieg bei Morningstar war sie in
leitender Position bei Pioneer Investments.
In ihren BÖRSE ONLINE-Beiträgen setzt sie sich kritisch mit aktuellen Trends der Fondsindustrie auseinander.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de
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