Connelly

Anne Connelly Performance bleibt das entscheidende Kriterium

[10:40, 27.07.11]


Es sind schwierige Zeiten für Fondsanleger und viele Fondsgesellschaften. Investoren sind angesichts der internationalen Finanzmisere verunsichert und üben sich in Zurückhaltung bei der Neuanlage. Erschwerend wirkt die Enttäuschung über die einst so beliebten „offenen“ Immobilienfonds, da dies bedauerlicherweise oft undifferenziert auf Aktien- beziehungsweise Rentenfonds übertragen wird. Anleger brauchen jedoch gute Fonds für Vermögensdiversifizierung und -aufbau. Und Fondsgesellschaften benötigen Neuanlagen, um wachsen zu können. Dies ist kein Gegensatz, sondern funktioniert Hand in Hand. Orientierung für beide bietet ein Blick zurück.

Schauen wir auf den reifen US-Fondsmarkt, um einige Rückschlüsse zu ziehen. Als Morningstar vor circa 25 Jahren anfing, Fonds zu beobachten, fanden sich unter den großen Fondshäusern Namen wie  Merrill Lynch, Fidelity, Franklin sowie Dean Witter, E. F. Hutton und Shearson. Letztere sind hier kaum bekannt – und das ist gut so. Diese Häuser verfügten über eigene Vertriebsmannschaften und haben durch bevorzugte Provisionsregelungen den Anlegern meist hauseigene Fonds verkauft. Diese waren oft von minderer Qualität und teuer. Produktauflagen waren oft gesteuert von Vertriebsimpulsen und mit geringer Aussicht auf dauerhafte, positive Investmentergebnisse: schließlich das Wichtigste für den Anleger. Zunehmende Transparenz und Professionalität auf dem Fondsmarkt, erhöhte Medienberichterstattung sowie veränderte Rechtsprechung erwiesen sich meist als Todesstoß für die kurzsichtige und wenig anlegerfreundliche Strategie dieser Unternehmen.

Die erstgenannten Firmen zählen heute, 25 Jahre später, noch immer zu den Großen. Sie teilen sich das Spitzenfeld mit ein paar Newcomern.  Merrill Lynch ist heute Teil des Fondsgiganten Blackrock. Dort findet sich neben aktiv gemanagten Fonds die erfolgreiche ETF-Sparte iShares. Fidelity konnte seine Spitzenposition behalten, da das Unternehmen neben dem ursprünglich reinen Direktgeschäft nun zusätzlich über Berater agiert und aktiv das amerikanische Pensionsfondsgeschäft mitgestaltet hat. Franklin Templeton Investments ist hierzulande bestens bekannt durch den Templeton Growth Fund. Der ursprüngliche Rentenspezialist Franklin erwarb Templeton, einen ausgewiesenen Aktienexperten. Franklin erfand sich neu und blieb erfolgreich. Newcomer sind etwa Vanguard und Pimco. Vanguard ist in Deutschland meist nur Profis als Pionier der Indexfonds bekannt. Anfangs belächelt für „billige“ Indexfonds, mittlerweile der größte Fondsanbieter in den USA. Pimco, der Anleihespezialist aus Kalifornien, und Gründer Bill Gross mit seinen kritischen Markteinschätzungen sind inzwischen legendär und heute Teil des Allianz-Konzerns.

Als Erfolgskriterien für Fondsgesellschaften erwiesen sich eine umsichtige, anlegerfreundliche Produktstrategie, ein diversifiziertes Angebot über verschiedene Anlageklassen und Gebührenstrukturen sowie die Erschließung verschiedener Vertriebskanäle. Letztlich aber ist das entscheidende Kriterium der Anlageerfolg ihrer Produkte. Vanguard 500 und der Pimco  Total Return zum Beispiel wurden mit zu den größten US-Fonds wegen ihrer Performance und nicht aufgrund ihrer Vertriebsmacht. Hier schließt sich der Kreis. Anleger brauchen gut gemanagte Fonds, Fondsgesellschaften zufriedene Anleger. Gut gemanagte Fonds verdienen Ihr Vertrauen. Trauen Sie sich!



Anne Connelly ist European Marketing Director der Fondsratingagentur Morningstar. Vor ihrem Einstieg bei Morningstar war sie in leitender Position bei Pioneer Investments.

In ihren BÖRSE ONLINE-Beiträgen setzt sie sich kritisch mit aktuellen Trends der Fondsindustrie auseinander.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de



 

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