Ebner

Sandra Ebner Für die Zukunft gilt das Prinzip Hoffnung

[11:00, 11.05.11]


 


Sandra Ebner ist Fondsmanagerin im Rohstoffbereich bei Deka Investment. Die Volkswirtin hat sich vor allem im Rohstoff-Research einen Namen gemacht.

Für BÖRSE ONLINE schreibt Ebner über aktuelle Trends und Entwicklungen an den globalen Rohstoffmärkten.


Fast fühlt man sich ins Frühjahr 2008 zurückversetzt. Der Ölpreis überschritt damals die 100-Dollar-Marke und bewegte sich dann raschen Schrittes auf die 150-Dollar-Marke zu. Der Aufschrei und die Sorgen über die konjunkturellen Konsequenzen eines hohen Ölpreises waren groß. Doch entscheidet die Ölpreisentwicklung wirklich über Wohl und Wehe der Weltwirtschaft? Es gilt wohl eher: Ölpreisanstieg ist nicht gleich Ölpreisanstieg. Tatsächlich ist der Ölpreis einer der sprichwörtlichen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann. Doch ob dies wirklich passiert, hängt entscheidend davon ab, wie voll das Fass schon ist – sprich wie robust sich das Umfeld zeigt. Im Sommer 2008 befand sich die Weltwirtschaft durch die Immobilienkrise und den Beginn der Finanzkrise bereits in einem bedenklichen Zustand. Für den entscheidenden Stoß sorgte schließlich der Ölpreis, der in nur drei Monaten von 100 auf knapp 150 Dollar pro Fass stieg und die Stimmung der Verbraucher endgültig abstürzen ließ.

Aktuell scheint das Umfeld weniger anfällig. Die Verbraucher lassen sich die Stimmung durch die hohen Benzinpreise nicht allzu sehr vermiesen. Bis Februar verlief der Preisanstieg zwar stark, aber stetig und vor allem begleitet von einer überraschend kräftigen Nachfrage, die das Vorkrisen­niveau längst überschritten hat. Wohl auch deshalb war der öffentliche Aufschrei über Benzinpreise auf Rekordniveau bisher vergleichsweise verhalten. Zu viel Gelassenheit angesichts steigender Ölpreise ist dennoch nicht angebracht. Auch wenn der bisherige Anstieg relativ gut verkraftet wurde und kaum Bremsspuren hinterließ, dürfte vor allem die Dynamik der weiteren Preisentwicklung von großer Bedeutung sein. In der Vergangenheit wurde ein stetiger Anstieg, begleitet von einer starken Nachfrage, von den Verbrauchern meist mehr oder weniger gut weggesteckt. Schwierig wird es in der Regel, wenn der Rohölpreis eine Eigendynamik entwickelt, die nur noch wenig mit der zugrunde liegenden Nachfrage zu tun hat – wie im Frühjahr 2008.

Es besteht durchaus die Gefahr, dass die Unruhen in Nordafrika und dem Nahen Osten erneut eine ungesunde Eigendynamik bei der Ölpreisentwicklung auslösen könnten. Einmal mehr haben die Produktionsausfälle in Libyen die Aufmerksamkeit auf den schmelzenden Risikopuffer bei den Ölförderkapazitäten gelenkt. Je mehr die Sorge über mögliche Engpässe steigt, desto anfälliger wird der Ölpreis für kurzfristige Ausschläge. Bisher konnte dies größtenteils verhindert werden, wohl auch, weil die Lagerbestände immer noch vergleichsweise hoch sind und so Druck von der Preisentwicklung nehmen. Für die Zukunft gilt daher das Prinzip Hoffnung: Steigt der Preis stetig, aber nicht sprunghaft an, bleibt die Entwicklung für die Wirtschaft verkraftbar. Verhindern lässt sich ein steigender Ölpreis auf Sicht der nächsten Jahre kaum, denn der Sicherheitspuffer an freien Kapazitäten wird weiter schrumpfen. Die Frage ist nur, ob sich der Weg nach oben durch immer wiederkehrende Preisausschläge vollzieht, die die Nachfrage zumindest vorübergehend zerstören. Oder ob ein stetiger Anstieg die Anpassung erleichtert und die Suche nach Alternativen nachhaltig forciert. Denn wie 2008 gezeigt hat, war ein kurzfristiger Anstieg des Ölpreises auf 150 Dollar pro Fass nicht genug, um die Nachfrage nachhaltig zu schwächen.

 



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