Trotz der Kapitalmarktturbulenzen der vergangenen Wochen und Monate konnten sich Rohstoffpreise noch vergleichsweise gut behaupten. Der Goldpreis bewegte sich von einem Rekordhoch zum nächsten. Kaum weniger stark fiel der Anstieg bei Silber aus, und selbst eine Handvoll Agrarprodukte wie beispielsweise Mais und Weizen konnte noch im Krisenmonat August mit prozentualen Preisanstiegen im zweistelligen Bereich aufwarten. Auch die Preisrückgänge bei den stärker konjunkturabhängigen Energie- und Industrierohstoffen fielen vom Ausmaß her bisher noch relativ unspektakulär aus. Haben Rohstoffe etwa erneut ihre oft gelobten Diversifikationseigenschaften zurückgewonnen? Entwickeln sich Rohstoffe wieder einmal gerade dann gut, wenn sich andere Anlageklassen wie beispielsweise Aktien schlecht entwickeln? Oder steht uns doch noch ein ähnlich dramatischer Preiseinbruch wie während der Krise in 2008 bevor?
Vielleicht – vielleicht auch nicht. Klar dürfte derzeit lediglich sein, dass die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise zu einem nicht unwesentlichen Teil von der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft abhängt. Doch wohin diese in den nächsten Monaten steuert, ist zurzeit unklar. Aktuell vergeht kaum ein Tag, an dem nicht darüber diskutiert wird, ob die nächste globale Rezession schon vor der Tür steht oder ob wir uns vielleicht schon längst darin befinden. Zumindest die Rohstoffmärkte bestätigen letztere These vorerst nicht. Unbestritten ist, dass sich die Nachfrage nach Rohstoffen in den vergangenen Monaten teilweise abgekühlt hat. Hauptgrund dafür war allerdings die Schwäche der chinesischen Wirtschaft, wo die Regierung versuchte, durch eine straffere Geldpolitik ein Überhitzen der Wirtschaft zu verhindern. Die jüngsten Importstatistiken zeigen schon wieder ein deutliches Anziehen der Nachfrage. Von einem Nachfrageeinbruch ist derzeit also (noch) nichts zu sehen. Trotzdem werden die Nachfrage- und Preisprognosen für die nächsten Quartale immer weiter nach unten geschraubt. Und genau darin dürfte wohl auch die größte Gefahr für die Zukunft liegen. Denn auch wenn aktuell viele Kennzahlen darauf hindeuten, dass die Weltwirtschaft, wenn auch nur schwach, weiter wächst, ist die Gefahr dennoch groß, dass die zunehmende Unsicherheit über die weitere Entwicklung dazu führt, dass sowohl Konsumenten als auch Unternehmen vorsichtiger agieren. Je mehr dies der Fall ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Angst vor der Rezession zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.
Aktuell werden viele Rohstoffpreise noch durch eine Kombination aus moderatem Nachfragewachstum und Produktionsproblemen hochgehalten. So liegt die libysche Ölproduktion nahe null und wird wohl nur sehr langsam wieder steigen. Die chilenische Kupferproduktion ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gefallen und die US-Maisernte wird im laufenden Jahr noch viel schlechter ausfallen als im Vorjahr. Doch Angebotsprobleme werden nicht ausreichen, um die Preise hochzuhalten, sollte die Rohstoffnachfrage tatsächlich einbrechen. Ob und wann das passieren wird, bleibt abzuwarten. Doch für den Moment stehen zumindest bei der globalen Rohstoffnachfrage die Zeichen noch nicht auf Rezession, und die Hoffnung besteht, dass sich die dramatischen Preisrückgänge 2008 nicht wiederholen werden.
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