Das Wirtschaftswachstum in vielen Frontier Markets, in vielen Grenzmärkten, ist nach wie vor hoch und stellt das Wachstum der Industrienationen in den Schatten. Das betrifft auch das Wachstum an den Kapitalmärkten. Einige dieser Länder entwickeln sich gerade von kleinen und illiquiden zu großen und liquiden Märkten.
Viele Grenzmärkte sind zugleich führende Produzenten von Öl, Gas und Edelmetallen. Da die Volkswirtschaften von Grenzmärkten durch die Einnahmen aus Rohstoffverkäufen expandieren, steigen auch die Investitionen in Infrastruktur. Daraus ergeben sich wertvolle Anlagemöglichkeiten in den Industriesektoren Bau, Transport, Bankwesen und Finanzen sowie Telekommunikation. Zudem sorgt der steigende Konsum in diesen Volkswirtschaften für starke Kaufkraft. Grenzmärkte wurden und werden außerdem durch beträchtliche Investitionen von größeren Schwellenländern wie China, Indien, Russland und Brasilien unterstützt.
Dabei sind Grenzmärkte nicht risikoreicher als Schwellenländer oder Industrienationen. Zwar sind die Kenntnisse über diese Märkte allgemein noch dürftig, aber die eigentlichen Risiken unterscheiden sich nicht wesentlich von denen anderer Märkte. Auch wenn einzelne Frontier Markets volatil sein können, so ist durch ihre Kombination in einem diversifizierten Portfolio die Unbeständigkeit kleiner als bei einem Portfolio, das allein in Wertpapiere aus Industrienationen investiert.
Von den Ereignissen in Japan und im Nahen Osten zum Beispiel sind Grenzmärkte nicht stärker betroffen als andere Märkte auf der Welt. Zwar war in den vergangenen Monaten in den Ländern und Börsen des Nahen Ostens ein gewisses Maß an Volatilität festzustellen. Aber durch die Vielzahl an Märkten, die von Nigeria über Vietnam bis hin zur Ukraine reichen, haben die Unruhen in Nordafrika keine allzu großen Auswirkungen auf die Bewegungen. Deshalb investieren wir nach wie vor in Unternehmen aus dem Nahen Osten, die unserer Ansicht nach die derzeitigen Turbulenzen überstehen und in den nächsten fünf Jahren florieren werden.
Die sogenannte Informationsrevolution ermöglicht Menschen aller sozialen Schichten und mit ganz unterschiedlichen Lebensstandards eine schnelle und effiziente Kommunikation über Mobiltelefon und Internet. Deshalb wird das Überleben für korrupte und diktatorische Regime immer schwieriger. Dieser Wandel ist der Entwicklung von Kapitalmärkten und insbesondere von Aktienmärkten durchaus zuträglich, daher stehen wir den Veränderungen im Nahen Osten optimistisch gegenüber. Die Wachstumsraten und das Pro-Kopf-Einkommen der Frontier Markets steigen rapide an. Die Devisenreserven dieser Länder erreichen ungeahnte Höhen, und ihr Sicherheitsprofil verbessert sich kontinuierlich. Daher werden diese Länder auch immer positiver wahrgenommen.
Institutionelle und private Anleger erkennen allmählich, dass die Risiken nicht so groß sind, wie sie scheinen. Außerdem bieten Grenzmärkte beträchtliche Chancen, da das Gewinnwachstum weiter rasch zunimmt und wir nach wie vor gute Investmentmöglichkeiten in diesen Ländern finden. Derzeit engagieren wir uns am stärksten in Nigeria, Saudi-Arabien, Ägypten, Vietnam, Kasachstan, Katar, der Ukraine und Argentinien.

Mark Mobius ist seit mehr als 30 Jahren in den Schwellenländern unterwegs. Als Executive Chairman der Emerging-Markets-Gruppe bei Franklin Templeton Investments ist er für Vermögen von mehr als 50 Mrd. Dollar verantwortlich.
Für BÖRSE ONLINE
schreibt der Investmentprofi über die aufstrebenden Märkte.
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