Aktienmarkt und Wirtschaft haben sich in Korea in den vergangenen Jahren gut entwickelt. Zwar ging das BIP-Wachstum 2009 wegen der Subprime-Krise auf unter ein Prozent zurück, erholte sich jedoch 2010 drastisch auf über sechs Prozent. Für 2011 wird mit etwas geringerem Wachstum von rund vier Prozent gerechnet. Der koreanische Won hat, wie andere Schwellenmarktwährungen, gegenüber dem Dollar zugelegt. Außerdem hat sich der koreanische Aktienmarktindex von den Subprime-Tiefs Ende 2008 mehr als verdoppelt. Schließlich haben in Korea Regierung und Zentralbank Schritte unternommen, um die Inflation durch Beschränkung der Geldmenge und Zinserhöhungen in Schach zu halten. Auch die Staatsfinanzen sind in Korea gut in Schuss. Der Haushalt ist im Plus, Handels- und Leistungsbilanz sind positiv und die Devisenreserven bei 300 Mrd. Dollar – gute Rahmenbedingungen also.
Unsere Unternehmensbesuche in Seoul spiegeln wider, wie sich das Unternehmensumfeld in Korea mit der Umstellung auf höherwertige Produkte und fortschrittliche Technik gewandelt hat. Eine weitere Veränderung in Korea ist die Umstrukturierung von Einzelhandel und Distribution durch die Verbreitung von Homeshopping. Ein Unternehmen erzielte ganze 70 Prozent seines Umsatzes über Shopping-Kanäle im Fernsehen, nur 19 Prozent übers Internet und neun Prozent im traditionellen Versandhandel. Wir haben erfahren, dass der Markt durch viele Neueinsteiger immer enger wird. Entsprechend heftig ist der Wettbewerb unter Homeshopping-Firmen um beliebte Kabelfernsehsender und neue Mehrkanalanbieter. Derzeit gibt es in Korea über 100 Kabelfernsehbetreiber. Aufgrund der steigenden Zahlen der Kabelfernsehzuschauer stieg der Umsatz von 1996 bis 2002 um insgesamt mehr als 100 Prozent im Jahr.
Die koreanische Autoindustrie ist groß und erfolgreich. Eher unbemerkt bleibt oft die nicht minder erfolgreiche Autoteileindustrie. Wir haben ein Unternehmen besucht, das nicht nur Originalteile für koreanische Autohersteller produziert, sondern auch einen großen, rentablen Ersatzteilbereich betreibt. Das Unternehmen fertigt neben Airbags und Scheinwerfern auch Fahrgestelle, Cockpits und Frontmodule. Außerdem entwickelt es Teile für Elektrofahrzeuge und Elektronik für die automatische Antriebsüberwachung. Autohersteller benötigen große Stahlmengen. Koreanische Unternehmen haben eine fortschrittliche Technik zur effizienteren Stahlproduktion entwickelt, um den Nachteil mangelnder Rohstoffvorkommen im eigenen Land auszugleichen.
Außerdem sind die Hersteller der Konkurrenz durch Importe aus Japan und China ausgesetzt, die infolge des stärkeren koreanischen Won attraktiv geworden sind. Auch Koreas Internetgeschäft floriert. Manche Unternehmen haben durch Wachstum und Übernahmen nach China, Japan und in die USA expandiert. Umsätze sind Suchmaschinenwerbung durch Onlinespiele, aber auch Bannerwerbung zuzurechnen. Das Geschäft mit Suchmaschinenwerbung nimmt rasch zu – mit über 100000 neuen Werbetreibenden pro Jahr auf dem Markt. Südkorea zeigt also in vielen verschiedenen Sektoren Stärke. Das bestätigt unser Vertrauen in die große Zukunft des Landes.

Mark Mobius ist seit mehr als 30 Jahren in den Schwellenländern unterwegs. Als Executive Chairman der Emerging-Markets-Gruppe bei Franklin Templeton Investments ist er für Vermögen von mehr als 50 Mrd. Dollar verantwortlich.
Für BÖRSE ONLINE
schreibt der Investmentprofi über die aufstrebenden Märkte.
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