Alexander Scurlock ist Manager des Fidelity European
Growth Fund, des mit 8,4 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen
größten europäischen Aktienfonds.
Scurlock berichtet für BÖRSE ONLINE aus London über richtungsweisende Trends am europäischen Aktienmarkt.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de
Zurzeit blicken die Anleger wieder verstärkt nach Europa. Hier prägen vier große Trends die Märkte: Die erste entscheidende Entwicklung ist der Aufschwung der Kernländer der Euro-Zone gegenüber der Peripherie. Das bedeutet: Anders als noch vor ein paar Jahren wachsen nun vor allem Deutschland, Österreich, Frankreich und die nordischen Länder. Die Staaten am Rande Europas hingegen, allen voran Griechenland, Irland und Spanien wurden von der Finanz- und Wirtschaftskrise hart getroffen. Angesichts hoher Arbeitslosenzahlen, maroder Banken und enormer Schuldenberge können sie auch in diesem Jahr höchstens auf eine schwache Aufwärtsbewegung hoffen. Lange hatte die Peripherie von der Geld- und Fiskalpolitik der EU profitiert – zulasten der Kernstaaten wie Deutschland. Mittlerweile hat Deutschland einschneidende Reformen am Arbeitsmarkt durchgeführt. Dadurch konnte die deutsche Wirtschaft Lohnkosten einsparen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen, sie hat sich als Wachstumslokomotive Europas etabliert. Deshalb bin ich sehr optimistisch, was Deutschland in den kommenden Jahren anbelangt.
Der zweite Grund für gute Renditechancen in Europa ist die derzeitige Bewertung europäischer Aktien – sie ist nach wie vor sehr attraktiv – sowohl im weltweiten als auch im historischen Vergleich. Ein guter Einstiegszeitpunkt. Dass die Aussichten für Anlagen in Europa positiv sind, zeigt auch ein Blick auf die Weltwirtschaft. Denn sie erholt sich zusehends. Nachdem sie im Jahr 2009 sogar schrumpfte, hat sie 2010 um 3,9 Prozent zugelegt. Für dieses Jahr rechnet die Weltbank mit einem Plus von immerhin 3,3 Prozent – auch diese Entwicklung sorgt in Europa für interessante Investmentgelegenheiten. Der vierte Trend ist der Nachfragewandel in China. Waren dort zunächst vor allem Rohstoffe gefragt, so hat jetzt das Interesse an Gütern und Dienstleistungen stark zugenommen. Denn die Mittelschicht wächst rapide.
Für deutsche Automobilhersteller ist China ein Wachstumsmarkt. So verkauft
BMW dort sehr erfolgreich Autos und verfolgt dabei eine konsequente Preispolitik. Unternehmen wie
BMW, die Preissetzungsmacht haben, sind in einem inflationären Umfeld im Vorteil. Steigen etwa die Kosten für Rohstoffe, können sie an die Kunden weitergegeben werden. Nur wer sorgfältig auswählt und weltweit vernetzt ist, kann solche Erfolgsgeschichten frühzeitig erkennen. Und damit im Depot für Wachstum sorgen. Der Blick für das Detail ist also entscheidend. Gerade in dieser weltweit schwierigen Zeit ist es wichtig, sehr genau die einzelnen Unternehmen zu analysieren. Ein gezieltes Research vor Ort kann neue Herausforderungen früh erkennen und ihnen begegnen. Bei Fidelity nehmen weltweit rund 1000 Fondsmanager und Analysten die Wertschöpfungsketten einer Firma, ihre Lieferantenbeziehungen und Konkurrenten kontinuierlich unter die Lupe. Sie entdecken Firmen, die sich auch in Krisenzeiten behaupten und über langfristige Wachstumsperspektiven verfügen. In Europa sind derzeit solche Unternehmen zu finden.
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