Scurlock

Alexander Scurlock Warum China Europas Unternehmen braucht

[10:55, 17.08.11]


Bei China sind sich die Experten einig: Die Wirtschaftskraft des Landes ist einer der Schlüsselfaktoren für die Weltwirtschaft. Ein Beispiel unterstreicht das: In China entstehen in den nächsten Jahren Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 42000 Quadratkilometern. Das entspricht der Größe der Schweiz. Zusätzlich investiert China laut aktuellem Fünf-Jahres-Plan im großen Stil in Transportnetze, Flughäfen, Bahnhöfe und andere Infrastrukturprojekte. Damit China seine ambitionierten Ziele erreichen kann, sind nicht nur Arbeitskräfte und Rohstoffe notwendig, sondern vor allem Know-how und Innovationskraft: Doch die kann China nicht per Knopfdruck oder durch politische Beschlüsse bereitstellen – Unterstützung von außen ist nötig. Und genau hier entstehen Chancen für europäische Unternehmen. Denn trotz aller Erfolge liegt China erst auf Platz 31 der weltweiten Rangliste für Innovationskraft – deutlich hinter Europas Volkswirtschaften. Schließlich sind mit Deutschland, Schweden und der Schweiz gleich mehrere Europäer unter den fünf innovativsten Ländern der Welt. Zahlreiche wichtige Patente werden noch auf viele Jahre hinaus von europäischen Unternehmen gehalten. Und ohne die Erfahrung von Firmen wie  BASF,  MAN,  Linde oder  Siemens, die Forschung und Entwicklung in ihrer DNA haben, wird es für China schwierig, seine Ziele zu erreichen.

Innovationskraft ist zwar auch außerhalb Europas zu finden: Viele rohstoffarme Länder rund um den Globus setzen seit jeher auf Erfindergeist. Um in China wirtschaftlich erfolgreich zu sein, brauchen Unternehmen aber auch langjährige Markterfahrung und ein hervorragendes lokales Netzwerk. Für Newcomer ist es beinahe unmöglich, in China lukrative Aufträge zu ergattern. Besonders deutsche Firmen haben hier einen klaren Wettbewerbsvorteil:  Siemens zum Beispiel ist seit mehr als 100 Jahren in Schwellenländern aktiv. Weltweit war es das erste internationale Unternehmen, das ein langfristiges Kooperationsabkommen mit China unterzeichnete. Das jahrzehntelange Engagement zahlt sich für  Siemens aus: mit Preissetzungsmacht, einem günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis und guten Dividenden. Der deutsche Technologiekonzern steht im Einklang mit Chinas Plänen. Insbesondere Strom­versorgung, intelligente Netze, Industrie-Automation und Medizintechnik sind gefragt. Erst kürzlich hat  Siemens den Auftrag für einen Offshore-Windpark vor der Küste der Provinz Jiangsu im Landesosten erhalten. Und last, but not least wird es von China als globaler Marktführer im Bereich Elektrotechnik und nachhaltige Technologie betrachtet.

Siemens steht stellvertretend für viele deutsche Unter­nehmen, denen das enorme Wachstum Chinas und sein Wandel vom Export- zum Konsumweltmeister zugutekommen. Das Reich der Mitte ist für den Konzern zu einem der führenden und profitabelsten Märkte der Welt geworden. Vor Kurzem hat das Bündnis China/Deutschland auch noch einmal den Segen der Politik bekommen. Ende Juni beschlossen Angela Merkel und Wen Jiabao, die Wirtschaftskooperationen weiter auszubauen. Im kommenden Jahr wird China Partnerland der Hannover-Messe sein, dem Premierenschauplatz vieler weltweit wegweisender Innovationen. Die deutsch-chinesische Beziehung ist eine Partnerschaft, die Unternehmen wie Anlegern in Deutschland und Europa gute Perspektiven bietet.

Alexander Scurlock ist Manager des Fidelity European Growth Fund, des mit rund 8 Mrd. Euro an verwaltetem Vermögen größten ­europäischen Aktienfonds.

Scurlock berichtet für BÖRSE ONLINE aus London über richtungsweisende Trends am europäischen Aktienmarkt.
E-Mail: perspektiven@boerse-online.de



 

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