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Indexfonds Eine Frage der Effizienz

[12:37, 21.06.10]


Indexfonds überzeugen vor allem in ausgereiften Märkten. An exotischen Börsen sind gemanagte Produkte die bessere Wahl. Die Investmentbranche steckt gerade im Umbruch.


 

Immer mehr Indexfonds kommen auf den Markt und machen den aktiv gemanagten Produkten Konkurrenz. Allein seit Ende 2008 ist die Zahl der in Europa gelisteten Produkte um rund 300 auf 946 gestiegen, ihr Vermögen beträgt inzwischen rund 180 Milliarden Euro. Und die Produkte decken nicht mehr nur die Standardmärkte ab, sondern besetzen selbst kleinste Nischen.

Für Anleger scheint die Entwicklung positiv. Denn immerhin sind Indexfonds deutlich günstiger als aktiv gemanagte Produkte. Die sogenannten Exchange-Traded Funds (ETFs) bilden einen Index eins zu eins ab, und als simple Klone der Basiswerte entfallen Kosten für die Analyse der Märkte und Einzeltitel, wie es bei den gemanagten Fonds der Fall ist. Doch ETFs sind trotz ihrer niedrigen Gebühren nicht in jedem Fall die bessere Alternative.

Deutlich überlegen sind ETFs nach Ansicht von Experten in ausgereiften Kapitalmärkten. "Je effizienter ein Markt ist, desto mehr spricht für den Einsatz von Indexfonds", sagt Detlef Glow, Analysechef der Ratingagentur Lipper in Frankfurt. Denn den Fondsmanagern gelinge es in etablierten Märkten langfristig kaum, nach Abzug der Gebühren eine höhere Rendite zu erwirtschaften als der Vergleichsindex. Doch wann gilt ein Markt als effizient, wann also sind Indexfonds gemanagten Produkten vorzuziehen?

Für Lipper-Analyst Glow sind drei Faktoren entscheidend: Wie schnell kommen kursrelevante Informationen in den Markt, wie zügig werden sie von den Investoren verarbeitet, und wie hoch ist die Liquidität der Märkte, damit Anleger schnell auf die Nachrichtenlage reagieren können? Die großen Standardindizes, seien es der Dax, der Euro Stoxx 50 oder der S&P 500, erfüllen nach Ansicht von Glow alle diese Kriterien. Die darin gelisteten Firmen unterliegen strengen Publizitätspflichten und werden von vielen Analysten und Investoren beobachtet. Obendrein ist der Handel sehr liquide, sodass Kauf- oder Verkaufsaufträge schnell umgesetzt werden können.

Bei Nebenwerten sieht das schon anders aus. "Dort hat ein Fondsmanager die Möglichkeit, sich durch den engen Kontakt mit dem Unternehmen einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Investoren zu erarbeiten, der sich in höheren Renditen auszahlen kann", sagt Maximilian Kreitlmeier, Analyst der Ratingagentur Morningstar. Denn die Zahl der Analysten, die diese Unternehmen im Blick haben, ist deutlich kleiner. Zudem sind die Handelsumsätze bei Nebenwerten geringer: Bricht Panik aus, sind die Kursabschläge entsprechend größer, und ETF-Besitzer nehmen die Verluste voll mit. Fondsmanager können dieser Gefahr durch rechtzeitiges Handeln aus dem Weg gehen.

Ähnliches gilt für exotische Aktienmärkte. Auch sie stehen nicht so im Fokus von Investoren, gerade aus den Industrieländern. Ein Manager vor Ort, der den Markt und die Unternehmen gut kennt, kann sich ebenfalls auszahlen. Bei vielen dieser Indizes kommt hinzu, dass sie aufgrund ihrer Konstruktion hohe Klumpenrisiken bergen. Auf die Gefahr verweist Nick Price, Fondsmanager bei Fidelity. Die Leitindizes der Schwellenländer seien in ihrer Zusammensetzung nicht mit Börsenbarometern der industrialisierten Länder vergleichbar. Ihre Entwicklung werde oft von wenigen Unternehmen bestimmt, die ein sehr hohes Gewicht im Index haben. "Anlegern würde ich nicht empfehlen, in Indizes zu investieren", sagt Price. Für ihn sind gemanagte Fonds die bessere Wahl.

Das starke Wachstum der ETFs hat den Trend zu immer exotischeren Indizes verstärkt. Um sich von Wettbewerbern abzugrenzen, besetzen Anbieter jede noch so kleine Nische. "Indexieren lässt sich so gut wie alles, aber ob die Berechnung immer einen Sinn ergibt, ist fraglich", sagt Sasa Perovic von Scope. Die Ratingagentur berücksichtigt bei der Bewertung von Indexfonds daher die Qualität des Basiswerts.

Aktives Management ist aber noch keine Garantie für eine flexible Geldanlage. "Wichtig ist auch, dass der Manager einen großen Spielraum hat und vom Vergleichsindex abweichen darf", sagt Morningstar-Analyst Kreitlmeier. Auskunft darüber gibt der sogenannte Tracking Error, der misst, wie stark die Rendite eines Fonds vom Index abweicht. Je größer der Wert, desto mehr Spielraum hat der Portfolioverwalter. "Der Tracking Error sollte mindestens bei fünf Prozent liegen", sagt Kreitlmeier. Darunter habe ein Manager kaum Freiheiten.


 

© 2010 ftd, © Illustration: boerse-online.de

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