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ETF-Rating Suche nach dem rechten Maß

[12:41, 23.09.10]


Obwohl ETFs als transparent und gut vergleichbar gelten, tun sich Analysten mit eigenen Ratings für die Indexfonds sehr schwer. Es fehlen einheitliche Kennzahlen.


Die Herren aus New York hatten den Mund ziemlich voll genommen. „Ende des Jahres“, so hatte die US-Firma Marco Polo XTF bereits im März 2009 verkündet, wolle man mit seinem ETF-Rating auf den deutschen Markt kommen. Passiert ist bis heute nichts, mehr als anderthalb Jahre später. Man habe, hieß es zwischenzeitlich kleinlaut, „die Komplexität des deutschen Marktes“ unterschätzt. „Die Sache ist ein wenig ins Stocken geraten“, gibt Mel Herman, Chef des US-Ratinganbieters, zu. Und nennt als Grund: „Wir müssen unsere Methodik überarbeiten.“

Aber auch hiesige Ratinganbieter tun sich nicht unbedingt leicht. Bisher wagen sich lediglich das Schweizer Fondsanalysehaus Fundexplorer und die Berliner Agentur Scope an Ratings speziell für ETFs. Daneben gibt es noch das vereinfachte ETFRating des Aschaffenburger Infoportals Smarter investieren, das sich aber eher an Privatkunden richtet als an Profiinvestoren. Fondsratings von Morningstar, Lipper oder Feri beziehen ETFs zwar ebenfalls in ihre Wertetabellen ein – verwenden dabei aber dieselben Kriterien wie bei herkömmlichen Investmentfonds.

Die Branche ist mit den verfügbaren Ratings alles andere als glücklich. 75 Prozent der Anbieter von ETFs, so hat eine Umfrage der Münchner Analysten von Fondsconsult ergeben, halten Indexfonds-Ratings in Deutschland für verbesserungsbedürftig, die Hälfte findet die Ansätze gar „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Institutionelle Investoren, die mit Abstand wichtigsten Abnehmer von ETFs, bewerten die Lage ähnlich kritisch. „Kein bestehendes ETF-Rating erfüllt deren Anforderungen“, sagt Fondsconsult-Chef Rüdiger Sälzle: „Die Ansätze sind sehr rudimentär.“

Dass ETF-Ratings sinnvoll sind, daran besteht für Ratingexperte Oliver Everling kein Zweifel: „Immer dann, wenn Anleger zwischen verschiedenen Anlageprodukten wählen können, sollten sie das anhand sinnvoller Kriterien tun“, sagt Everling. „Der Anleger profitiert von jedem Rating.“

Marco Polo XTF ist bisher an dem Umstand gescheitert, dass hierzulande Swap-basierte ETFs erlaubt sind. Bei diesen Fonds sorgen spezielle Derivate für die Performance. Seine Kollegen, sagt XTF-Chef Herman, hätten es bisher nicht geschafft, die notwendigen Daten zusammen zu bekommen, um neue Ratingstandards zu entwickeln.

Dieselbe Frage beschäftigt auch die Ratingagentur Scope. „Der Swap- Anteil ist zwar in der Regel gering“, sagt Scope-Analyst Sasa Perovic. „Aber es ergibt sich daraus ein latentes Risiko für Anleger.“ Die Berliner prüfen deshalb die Bonität der Swap-Kontrahenten. Oder den Mechanismus, mit dem Anbieter das Insolvenzrisiko von Swaps absichern.

„ETFs sind grundsätzlich anders konzipiert als klassische Fonds“, sagt Perovic. Bei ETFs gibt es kein aktives Fondsmanagement, es gilt, möglichst genau mit dem Index Schritt zu halten. Deshalb betrachten ETF-Ratings eher die Produkthülle, die Kosten, also An- und Verkaufsspanne, Replikationsqualität und Tracking Error, die Abweichung vom zugrunde liegenden Index. Die Kosten sind dabei das geringste Problem. Alle drei Anbieter messen die Gesamtkosten der Börsenfonds über die  Total Expense Ratio (TER). Und sie lassen die Höhe der Spreads in die Bewertung einfließen, die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs von ETFs an der Börse.

Bei der Frage, wie genau ETFs einen Index abbilden, wird es schon schwieriger. Denn die Datenbasis ist nicht einheitlich, sagt Fondsconsult- Chef Sälzle. ETF-Anbieter forderten, den Nettoinventarwert (NAV) des Fonds zugrunde zu legen, den sie selbst veröffentlichen. Es gibt aber auch den indikativen NAV, der auf Grundlage des ETF-Wertpapierkorbes alle paar Sekunden von der Börse berechnet wird. Der iNAV basiere letztlich auf Schätzungen, sagt Sälzle. „Hier reichen bereits minimale Abweichungen, die zu einem mehr oder weniger signifikanten Tracking Error führen können.“

Der nächste Knackpunkt ist der Tracking Error selbst. „Es existieren unterschiedliche Marktmeinungen zur richtigen Berechnung“, sagt Jakob Baur, Gründer und Chef der Schweizer Firma Fundexplorer, der als Erster deutschsprachige ETFRatings veröffentlichte. „Nimmt man nun den relativen oder den absoluten Tracking Error?“ Deshalb bewertet Baur die Abweichung der ETFs von ihrem Basisindex erst gar nicht.

Dann das Handelsvolumen eines ETF: Zählen hier nur die ETF-Anteile, die an Börsen ge- und verkauft werden? Solche Zahlen sind bei den Handelsplätzen selbst leicht zu erfahren – und so erfassen auch Ratinganbieter dieses Maß. Experten schätzen aber, dass bereits bis zu 75 Prozent der ETF-Anteile außerhalb der Börse gehandelt werden, also Over the-Counter (OTC).

Ratinganbieter Scope hält die „Indexqualität“ für einen der „wichtigsten Parameter“ im Rating überhaupt. „Der Anleger muss – insbesondere bei Themen- oder Strategie-ETFs – wissen, was er sich in das Portfolio holt und wie sein Investment tatsächlich aussieht“, sagt Scope-Experte Perovic. Dieser Punkt fließt bei Scope immerhin zu 35 Prozent in die Bewertung eines ETF ein. Auch die Güte von Informationen zum ETF und seiner Konstruktion wird bewertet. Fundexplorer-Chef Jakob Baur dagegen lässt beides links liegen: „Das sind qualitative Kriterien“, sagt Baur. „Und damit gar nicht objektiv bewertbar.“ ETFs zu beurteilen ist offenbar gar nicht so einfach.


 

© 2010 ftd, © Illustration: Getty Images = Getty Images

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