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Geldmarkt-ETFs Zinstief belastet

[15:10, 24.09.10]


Vom Anlegerliebling zum Ladenhüter: Die Investoren laufen in Scharen von den früher so beliebten Geldmarktfonds davon. Die Experten raten zu genauem Kostenvergleich.


 

Zwar sammelte die deutsche Investmentfondsbranche seit Jahresbeginn mehr als 40 Mrd. Euro an neuen Geldern ein, die Anbieter von Geldmarktfonds verzeichneten jedoch im selben Zeitraum Mittelabflüsse von rund 7,6 Mrd. Euro.

Geldmarktfonds gelten eigentlich als Sparbuchalternative, die eine niedrige, aber konstante Rendite bringt. Viele Investoren, vor allem institutionelle, nutzen sie als vermeintlich sicheren Kapitalparkplatz, wenn die Aktienkurse fallen. Doch bereits 2009 hatten die Produkte, die in Anleihen und andere Papiere mit kurzer Laufzeit investieren, laut Branchenverband BVI rund 30 Mrd. Euro Anlegergeld verloren.

Aktuell macht vor allem das derzeitige Zinsniveau es den Managern von Geldmarktfonds schwer, Investoren über eine attraktive Rendite zu gewinnen. „Es wird aber Zeit, dass sich die Anleger der Tatsache bewusster werden, dass es keinen Free Lunch gibt“, kritisiert Björn Drescher vom Fondsberatungshaus Drescher & Cie. Höhere Renditen hätten ihren Preis. „Wer risikolos beziehungsweise risikoarm bleiben will, muss mit dem vorliebnehmen, was der Geldmarkt bietet. Egal wie unattraktiv das Segment sein mag“, sagt Drescher.

Auch die Geldmarkt-ETFs wurden von den Abflüssen nicht verschont. So schichteten Anleger zuletzt Kapital aus ETFs auf den Geldmarkt und kurzlaufende Staatsanleihen vor allem in Pfandbrief-ETFs um, wie eine Ende August veröffentlichte Statistik der Börse Stuttgart zeigt. Entsprechend verzeichnete der iShares Euro Government Bond 1-3 den höchsten Nettomittelabfluss. Aus dem iShares eb.rexx Government Germany 2,5-5,5 (DE) und dem DB X-Trackers Eonia zogen die Anleger ebenfalls überdurchschnittlich viel Kapital ab.

„Cash ist wie ein scheues Reh“, sagt Clemens Schuerhoff, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Kommalpha. Nicht nur Privatanleger, auch viele institutionelle Investoren hätten ihr Geld längst aus den Produkten abgezogen und in Tagesgeld umgeschichtet. „Geldmarkt- ETFs sind zwar eine sehr charmante Alternative, um Geld zu parken. Sie sind deutlich billiger und bilden den Markt viel effizienter ab als Geldmarktfonds“, sagt Schuerhoff. „Allerdings sind auch hier die Renditen derzeit mickrig.“

Als „etabliertes Anlageprodukt“ bezeichnet Ulf Niklas, Geschäftsführer des Finanzplanungsbüros Niklas & Lehmann, die Geldmarkt- ETFs. Allerdings sollten Anleger bei der Produktauswahl darauf achten, dass die mit der Investition verbundenen Kosten so gering wie möglich sein sollten. „Denn je kurzfristiger die Anlage, desto stärker fallen diese ins Gewicht“, sagt der Honorarberater aus Berlin. Von Vorteil seien ein möglichst geringer Kursspread, geringe oder ganz entfallende Transaktionskosten für Kauf und Verkauf sowie möglichst niedrige Verwaltungskosten innerhalb des ETFs – idealerweise nahe 0,1 Prozent.

Außerdem sollten Investoren nach einer Investition die Zinsentwicklung und die Inflation eng und fortlaufend im Auge behalten. „Steigen Inflation und Zinsen, sollte man nicht allzu lange mit einem Verkauf warten – sonst wird die Realverzinsung eines Geldmarkt-ETFs rasch negativ“, sagt Niklas.


 

© 2010 ftd, © Illustration: dpa

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