Vom Anlegerliebling zum Ladenhüter: Die Investoren laufen in Scharen von den früher so beliebten Geldmarktfonds davon. Die Experten raten zu genauem Kostenvergleich.

Zwar sammelte
die deutsche Investmentfondsbranche
seit Jahresbeginn
mehr als 40 Mrd. Euro an neuen
Geldern ein, die Anbieter von Geldmarktfonds
verzeichneten jedoch im
selben Zeitraum Mittelabflüsse von
rund 7,6 Mrd. Euro.
Geldmarktfonds gelten eigentlich
als Sparbuchalternative, die eine
niedrige, aber konstante Rendite
bringt. Viele Investoren, vor allem institutionelle,
nutzen sie als vermeintlich
sicheren Kapitalparkplatz, wenn
die Aktienkurse fallen. Doch bereits
2009 hatten die Produkte, die in Anleihen
und andere Papiere mit kurzer
Laufzeit investieren, laut Branchenverband
BVI rund 30 Mrd. Euro Anlegergeld
verloren.
Aktuell macht vor allem das derzeitige
Zinsniveau es den Managern von
Geldmarktfonds schwer, Investoren
über eine attraktive Rendite zu gewinnen.
„Es wird aber Zeit, dass sich
die Anleger der Tatsache bewusster
werden, dass es keinen Free Lunch
gibt“, kritisiert Björn Drescher vom
Fondsberatungshaus Drescher & Cie.
Höhere Renditen hätten ihren Preis.
„Wer risikolos beziehungsweise risikoarm
bleiben will, muss mit dem
vorliebnehmen, was der Geldmarkt
bietet. Egal wie unattraktiv das Segment
sein mag“, sagt Drescher.
Auch die Geldmarkt-ETFs wurden
von den Abflüssen nicht verschont.
So schichteten Anleger zuletzt Kapital
aus ETFs auf den Geldmarkt und
kurzlaufende Staatsanleihen vor allem
in Pfandbrief-ETFs um, wie eine
Ende August veröffentlichte Statistik
der Börse Stuttgart zeigt. Entsprechend
verzeichnete der iShares Euro
Government Bond 1-3 den höchsten
Nettomittelabfluss. Aus dem iShares
eb.rexx Government Germany 2,5-5,5
(DE) und dem DB X-Trackers Eonia
zogen die Anleger ebenfalls überdurchschnittlich
viel Kapital ab.
„Cash ist wie ein scheues Reh“,
sagt Clemens Schuerhoff, Geschäftsführer
des Beratungsunternehmens
Kommalpha. Nicht nur Privatanleger,
auch viele institutionelle Investoren
hätten ihr Geld längst aus den
Produkten abgezogen und in Tagesgeld
umgeschichtet. „Geldmarkt-
ETFs sind zwar eine sehr charmante
Alternative, um Geld zu parken. Sie
sind deutlich billiger und bilden den
Markt viel effizienter ab als Geldmarktfonds“,
sagt Schuerhoff. „Allerdings
sind auch hier die Renditen
derzeit mickrig.“
Als „etabliertes Anlageprodukt“
bezeichnet Ulf Niklas, Geschäftsführer
des Finanzplanungsbüros
Niklas & Lehmann, die Geldmarkt-
ETFs. Allerdings sollten Anleger bei
der Produktauswahl darauf achten,
dass die mit der Investition verbundenen
Kosten so gering wie möglich
sein sollten. „Denn je kurzfristiger
die Anlage, desto stärker fallen diese
ins Gewicht“, sagt der Honorarberater
aus Berlin. Von Vorteil seien ein
möglichst geringer Kursspread,
geringe oder ganz entfallende Transaktionskosten
für Kauf und Verkauf
sowie möglichst niedrige Verwaltungskosten
innerhalb des ETFs –
idealerweise nahe 0,1 Prozent.
Außerdem sollten Investoren nach
einer Investition die Zinsentwicklung
und die Inflation eng und fortlaufend
im Auge behalten. „Steigen
Inflation und Zinsen, sollte man
nicht allzu lange mit einem Verkauf
warten – sonst wird die Realverzinsung
eines Geldmarkt-ETFs rasch
negativ“, sagt Niklas.
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