Anleger müssen sich darauf einstellen, dass einige börsengehandelte Indexfonds wegen zu geringer Größe geschlossen werden. Noch verschwinden Exchange-Traded Funds (ETFs) zwar nur in Ausnahmefällen vom Markt, Experten zufolge dürfte sich das aber ändern.

Es dauerte 42 Jahre, bis die deutsche Fondsbranche auf 547 Produkte kam. Das war 1992. Bei Exchange-Traded Funds (ETFs) geht es schneller – viermal so schnell. Von Ende 2000 bis heute sind schon 586 Indexfonds auf den Markt gekommen. Allein im vergangenen Jahr listete die
Deutsche Börse 148 neue ETFs. Geht dieses rasante Wachstum weiter, könnten die Investoren in wenigen Jahren zwischen Tausenden Produkten wählen.
Die Flut an neuen Indexfonds nimmt bislang kein Ende, denn immer mehr Anbieter drängen auf den Wachstumsmarkt. Ende Februar startete in Frankfurt Amundi, die neue Fondstochter von
Crédit Agricole und
Société Générale, mit 17 börsengehandelten Fonds. „Viele der neuen ETFs sind keine innovativen Produkte mehr, sondern Duplikate“, stellt Dirk Klee, Deutschlandchef von iShares, fest. Er kritisiert zudem, dass immer komplexere Fonds auf den Markt kommen, die einzelne Strategie-Indizes abbilden und damit den Ansatz von ETFs – einfach und günstig zu sein – verwässern. „Die Branche muss aufpassen, dass sie nicht den Irrweg der Zertifikate geht“, warnt Klee.
Die Produktfülle bereitet Probleme: Viele ETFs sind zu klein, um nach herkömmlichen Maßstäben wirtschaftlich zu sein. Absatz, Umsätze und Volumen konzentrieren sich auf wenige Angebote. Laut Statistik des Branchenverbands BVI entfielen 2009 rund 60 Prozent des Neugeschäfts auf zehn Produkte. Daten der
Deutschen Börse für Januar zeigen, dass mit zehn Prozent aller ETFs 77 Prozent der Umsätze gemacht werden – gefragt sind DAX- und Euro-Stoxx-ETFs.
Dementsprechend viele Produkte bleiben Leichtgewichte: Mehr als 250 Indexfonds sind kleiner als 50 Millionen Euro. Bei Comstage ist die Hälfte aller ETFs nicht größer als 25 Millionen Euro. Comstage-Manager Ralph Stemper beunruhigt das nicht: „Wir arbeiten sehr effizient, daher gibt es bei uns keine Mindestgrößen.“ So kommt einer der kleinsten ETFs des Hauses, der Comstage Stoxx 600 Financial, nur auf acht Millionen Euro. „Wir befinden uns im Aufbau. Fondsschließungen sind kein Thema“, sagt Stemper.
Vereinzelte Löschungen von ETFs gab es auch in Deutschland schon. Lyxor liquidierte im Juli 2009 drei kleine Indexfonds wegen „veränderter Kursnachfrage“. Zuvor hatte sich Union Investment aus dem ETF-Segment zurückgezogen und fünf Fonds der Marke Unico geschlossen. Insgesamt überwiegt in Europa aber das Wachstum.
„In den USA sind Schließungen von ETFs schon eher an der Tagesordnung“, sagt iShares-Manager Klee. Das könnte auch in Europa so kommen. „Bei exotischen Märkten sind Indexfonds oft zu klein und zu teuer. Da werden viele Produkte wieder eingestampft. Treffen kann es auch Branchen- und Themen-ETFs“, meint Volker Schilling von der Vermögensverwaltung Greiff Capital. Während bei Schließungen normaler Fonds die Aufregung aber oft groß ist, könnte das bei ETFs anders sein. „Im Vergleich zu aktiven Fonds werden die Anbieter von ETFs viel schneller bereit sein, Produkte zu schließen. Das wird geräuschlos ablaufen“, glaubt Schilling.
Ein Blick auf das Fondsvolumen hilft Anlegern bei der Frage, ob ein ETF vielleicht auch mal vom Markt verschwindet. Da die Indexfonds aber selten als Daueranlage genutzt werden, dürfte das viele Kunden gar nicht stören – weil sie schon vorher verkauft haben.
Quelle: BVI, Morningstar
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