Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt stehe kurz vor einem Comeback, ihre Aktien seien unterbewertet. "Ich erwarte, dass sich in Japan kurz- und mittelfristig überdurchschnittliche Renditen erzielen lassen", sagt Stefan Meyer, Manager des Japan-Fonds von Fisch Asset Management.
Tatsächlich gibt es Anzeichen, die darauf hindeuten, dass eine Aufwärtsphase am japanischen Aktienmarkt bevorstehen könnte. Doch die Vergangenheit mahnt Anleger zur Vorsicht: In den vergangenen 20 Jahren waren Boomphasen im Land der aufgehenden Sonne immer wieder schnell vorbei, sodass sich viele Investoren die Finger verbrannten. Deshalb werden Japan-Aktien auch heute noch als risikoreiche Investments eingestuft.
Das stärkste Argument der Japan-Optimisten lautet: In Asien konzentrierten sich derzeit einige der wachstumsstärksten Volkswirtschaften der Welt. Dies eröffne der japanischen Wirtschaft nach dem Ende der weltweiten Rezession beträchtliche Chancen. "Die Japaner haben einen riesigen Markt direkt vor der Haustür", sagt Christoph Bruns, Vorstand der Fondsboutique Loys. "Außerdem haben sie stabile Unternehmen mit guten Produkten, die schwer zu kopieren sind. Zum Beispiel in der Feinelektronik." Als traditionelle Exportnation werde Japan insbesondere vom wieder anziehenden Wachstum in China profitieren, ist Bruns überzeugt.
Japans hohe Exportquote kann allerdings rasch zum Bumerang werden. Die Binnennachfrage ist so schwach, dass das Land sofort in Schwierigkeiten gerät, wenn der Außenhandel einbricht. Das war etwa im vergangenen Jahr der Fall. Erst seit Dezember geht es mit Japans Exporten wieder aufwärts.
Manch ein Fondsmanager sieht derzeit sogar die Deflation, eines der größten Probleme Nippons, als Chance für Investoren. Da Marktteilnehmer keine geldpolitischen Änderungen im Land erwarten, gebe es für Käufer von Japan-Aktien wenig zu verlieren, argumentiert Nathan Gibbs, Fondsmanager für japanische Aktien beim Vermögensverwalter Schroders. So sei nicht zu erwarten, dass Japan seine lockere Geldpolitik in diesem oder dem nächsten Jahr verschärfe und den Leitzins von aktuell 0,1 Prozent anhebe - ganz im Gegensatz zu Europa und den USA. Diese Konstellation wird nach Einschätzung des Schroders-Portfoliomanagers den Yen schwächen, was wiederum dem japanischen Exportsektor entgegenkommen dürfte. "Außerdem existiert kein Gesetz, dass Anleger in einem deflationären Umfeld keine anständigen Gewinne einfahren können", so Gibbs.
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