Herr Hofmann, die vergangenen Monate waren nicht gerade erfreulich für China-Investoren.
Hofmann: Das stimmt, die wichtigen Indizes haben seit Jahresanfang bis zu 60 Prozent verloren. Dass der Markt zu weit gestiegen war, war aber bereits Mitte vergangenen Jahres offensichtlich. Wir bewegten uns phasenweise so weit über der 200-Tages-Linie, dass eine Korrektur kommen musste.
Seit der Markt sinkt, liegen Sie weit vorne...
Hofmann Ja, wir waren bereits sehr früh sehr defensiv aufgestellt. Das kostete im Bullenmarkt zwar etwas Performance, aber dafür hat sich der Fonds auch in den vergangenen Monaten weitaus besser gehalten als die meisten Konkurrenten.
Sind Sie schon immer defensiver ausgerichtet gewesen?
Hofmann Das kann man so nicht sagen. Wir sind im Gegensatz zu vielen anderen immer extrem frei in unseren Entscheidungen und orientieren uns nicht an irgendeiner Benchmark. Die meisten Fonds bilden mehr oder weniger die Benchmark – also den für sie relevanten Gesamtmarkt – ab. Die Folge: Sie steigen stark, wenn es gut läuft und verlieren stark, wenn der Markt zusammenbricht. Das war nie unser Ziel, wir sind als klassischer Vermögensverwalterfonds langfristig ausgerichtet. Wer kurzfristig auf einen raschen Kursanstieg setzen möchte , würde wohl ohnehin mit einem Zertifikat oder ETF besser fahren.
Wie sehen Sie den chinesischen Markt im derzeitigen Umfeld?
Hofmann In China läuft derzeit genau wie in der gesamten Finanzwelt ein Umwälzungsprozess ab. Liquidität wird abgebaut. Die Folge werden global langfristig etwas geringere Gewinnwachstumsraten sein. Das gilt auch für China. Ich denke aber, dass wir über die kommenden zwei bis drei Jahre Zuwächse von zehn bis 15 Prozent erzielen werden. In unserem Fonds wohlgemerkt. Denn ich denke nicht, dass der Gesamtmarkt wieder so rasch steigen wird wie die vergangenen Jahre. Trotzdem bleibt China der Wachstumsmarkt schlechthin.
Auf welche Werte setzen Sie besonders?
Hofmann Vor allem auf kleine und mittlere Firmen. Hier können wir unsere Expertise voll ausspielen. Bei Werten wie China Mobile brauchen Sie die Firma ja gar nicht besuchen, es findet sich sowieso alles Wesentliche auf Bloomberg. Bei einem kleinen Unternehmen dagegen erzielt man einen wesentlichen Informationsvorteil, wenn man das Management persönlich kennenlernt. Hier gibt es einfach immense Unterschiede zwischen den Firmen. Und wer schon in guten Zeiten wenig preisgibt, der wird in schlechten Zeiten in puncto Transparenz ganz dichtmachen. Eine weitere Besonderheit ist, dass viele Firmen auch in Geschäftsgebiete expandieren, die gar nicht ihre Kernkompetenz sind. Wir möchten dagegen in Firmen investieren, die eine klare Fokussierung aufweisen.
Wie sieht Ihre Cashquote aus?
Hofmann Wir haben die Cashquote bis vor zwei Wochen nahe an das Maximum von 30 Prozent erhöht. Die vergangenen beiden Wochen haben wir Positionen aber wieder aufgestockt und sind jetzt bei einem Cashanteil von 14 Prozent. Das entspricht auch unserer Marktsicht: Wir erreichen Bewertungsniveaus, auf denen mittelfristig orientierte Investoren gezielt einsteigen.
Fondsname: FIVV-Aktien-China-Select UI
Gesellschaft: FIVV AG
WKN: A0JELL
Fondsvolumen: 6,56 Millionen Euro
Ausgabeaufschlag: 5,0 %
Gesamtkostenquote TER (2007): 2,48 %
Performance 6 Monate: 1,6 %
Performance 1 Jahr: – 29,87 %
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