Fonds

Durchschnittsrendite Fonds sehen oft zu gut aus

[14:28, 22.07.10]


Das Berliner Analysehaus Scope warnt Anleger davor, der historischen Durchschnittsrendite eine zu hohe Bedeutung beizumessen. Diese gebe oftmals ein statistisch verzerrtes Bild wider, schreiben die Experten in einer Kurzstudie.


Die historische Durchschnittsrendite wird häufig verwendet, um zu vermitteln, wie attraktiv eine Anlageklasse ist. Vor wenigen Tagen etwa veröffentlichte der Fondsverband BVI eine Statistik, nach der Deutschlandaktienfonds auf Sicht von 30 Jahren im Schnitt eine jährliche Rendite von 8,3 Prozent erwirtschaftet haben. Eine solche Darstellung kritisiert Scope, ohne direkt auf die BVI-Zahlen Bezug zu nehmen. „Die durchschnittliche Rendite sagt nichts über den tatsächlichen, individuellen Erfolg aus“, schreiben die Analysten.

Sie bemängeln zum Beispiel, dass bei derartigen Erhebungen Ausgabeaufschläge, Depotgebühren und sonstige Transaktionskosten meistens nicht berücksichtigt würden. Außerdem gingen alle Fonds mit dem gleichen Gewicht in die Statistik ein. „Um eine Aussage darüber zu treffen, ob und um wie viel das Vermögen der Anleger tatsächlich gestiegen ist, müssten die Fonds gemäß ihrer Größe gewichtet werden“, schreibt Scope. Nur so könne verhindert werden, dass erfolgreiche kleine Fonds das schlechte Abschneiden großer Flaggschiffprodukte kaschierten.

Die Analysten verweisen auch auf den sogenannten Survivorship Bias. „Hiermit ist gemeint, dass erfolglose Fonds oft geschlossen werden, was zu einer statistischen Verzerrung führt“, heißt es in der Kurzstudie. Besonders stark mache sich dieser Punkt in exotischen Indizes, etwa für Hedge-Fonds, bemerkbar, die oft eine erfolgreiche Historie aufwiesen. „Vergessen wird aber, dass die schlechten Hedge-Fonds, bei denen Anleger ihr Geld nahezu komplett verloren haben, aus dem Index herausfliegen.“

Der BVI teilte auf Nachfrage mit, eine volumengewichtete Wertentwicklungsstatistik liege nicht vor. Sie sei auch nicht ohne Weiteres zu erstellen – obwohl der Verband Daten zum Fondsvolumen sammelt. Volumen und Performance würden in zwei unterschiedlichen Datenbanken vorgehalten, so der BVI.


 

© 2010 ftd, © Illustration: dpa

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