Fonds

Fonds Vor verschlossener Tür

[14:51, 08.03.10]


Am Verkauf von Fonds verdienen die Banken Milliarden. Doch viele Papiere können auch über die Börsen erworben werden, zu geringeren Gebühren. Deshalb sperren sie sich gegen den Börsenhandel.


Was viele Anleger nicht wissen und Banken gern aus Eigeninteresse verschweigen: Ganz normale Investmentfonds, von Renten- über Aktienfonds bis hin zu Exoten wie Genussscheinprodukten, können direkt an Fondsbörsen wie in Hamburg, Stuttgart oder Düsseldorf gekauft und verkauft werden, nicht nur über Banken und Fondsgesellschaften.

Ein lohnendes Geschäft: Mal abgesehen davon, dass die Börsen eine Order zu kauftagsgenauen Kursen abwickeln und nicht wie die Banken gern mal ein paar Tage später abrechnen, spart der Anleger an der Börse vor allem den Ausgabeaufschlag. Sprich die Provision, die Banken und Finanzdienstleister beim Verkauf eines Fonds einstreichen. Und das ist nicht wenig. Wer etwa für 10.000 Euro Fondsanteile kauft, zahlt seiner Bank dafür schnell 500 Euro. An der Fondsbörse kostet die gleiche Order rund 370 Euro weniger.

Der Ausgabeaufschlag ist bei Banken und Fondsgesellschaften üblich, seit die Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft (Adig) 1950 den ersten deutschen Investmentfonds Fondra auflegte. Im Regelfall fünf, manchmal bis zu zehn Prozent des investierten Geldes kassiert die Bank. Die Analysefirma Cap QM schätzt, dass im Jahr 2007 ganze 3,6 Milliarden Euro einbehalten wurden, die Höhe dürfte sich 2009 nicht groß verändert haben.

"Ich habe kein Verständnis für den Ausgabeaufschlag bei Investmentfonds", sagt Florian Weber, Vorstand des Maklerhauses Schnigge, und - wenn man so will - Erfinder des Börsenhandels von Fonds. Die Banken schieben ihre Beratungsleistungen als Grund für den Ausgabeaufschlag vor. Doch der fällt auch bei Käufen ohne Beratung an - ganz zu schweigen von den monatlichen Fondssparplänen, bei denen alle vier Wochen ohne Beratung abkassiert wird.

Damit nicht genug: Zusätzlich zu der Einmalzahlung erhält die Bank einen Teil der laufenden Jahresgebühren aus den Fondsvermögen, in der Regel ein bis 1,5 Prozent, was die angelegten Summen zusätzlich schmälert. Trotzdem liegen die Banken beim Fondsvertrieb nach wie vor weit vorn. Nach Angaben des Branchenverbands der Fondsindustrie BVI kauften 2006 nur bis zu ein Prozent der Kunden Fondsanteile an der Börse, 2009 waren es gerade vier Prozent.

Kein Wunder: Banken sperren sich gegen den Börsenhandel. Häuser wie die Citibank verbieten den Vertriebskanal sogar ganz, andere wie die Landesbank Berlin erheben Zuschläge für den Fondskauf über die Börse. Diese Praxis ist fragwürdig: "Wertpapierdienstleistungsunternehmen müssen den Kunden über die Möglichkeit und die Kosten eines anderweitigen Erwerbs informieren", sagt eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums. Aber: Wer verzichtet schon freiwillig auf üppige Provisionen? Das ist zwar ein Verstoß gegen geltendes Recht, bislang scheint aber kein Kunde wegen unnötig hoher Kosten beim Fondskauf geklagt zu haben.

Die Börsen hingegen senken die Gebühren immer weiter. Wer für 10.000 Euro Fondsanteile kauft, zahlt an der Börse Hamburg nur rund 130 Euro . Darin enthalten sind die Gebühren der Bank, im Schnitt 20 Euro. Noch günstiger wäre der Kauf in Stuttgart. Dort liegt der Spread bei Aktienfonds nur bei 0,5 Prozent. Ein Vergleich der Fondsbörsen lohnt, denn auch sie kämpfen hart um Privatanleger.

Lohnende Vorarbeit
Beim Fondskauf über die Börse können Anleger viel Geld sparen. In der folgenden Musterrechnung für eine 10 000-Euro-Order sind das 370 Euro. Die Fondsbörsen kämpfen um Marktanteile und konkurrieren oft über die Gebühren. Anleger sollten bei der Wahl des Börsenplatzes auf den Spread achten, der dort maximal verlangt wird. Dahinter verbirgt sich die in Prozent ausgedrückte Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs. Je kleiner der Spread ist, desto geringer sind die Kosten, die für Anleger anfallen. Auf den Internetseiten der Börsen findet sich die Historie der Kauf- und Verkaufskurse.




 

© 2010 ftd, © Illustration: dpa, boerse-online.de

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