Schwellenländer haben eines der schwächsten Börsenjahre ihrer Geschichte hinter sich. Die wichtigsten Märkte Asiens, Südamerikas, Afrikas und Osteuropas brachen - gemessen am Leitindex MSCI Emerging Markets und berechnet in Euro - um fast 16 Prozent ein. Dabei hat sich die Wirtschaft in diesen Staaten größtenteils gar nicht mal schlecht entwickelt. Die Börsen litten vielmehr unter der Staatsschuldenkrise in Europa und den USA. Aus Furcht vor weltweiten Verwerfungen zogen westliche Investoren viel Kapital aus Staaten wie China, Brasilien und Russland ab. Sinkende Rohstoffpreise und wacklige Währungen taten ein Übriges.
Der schlechten Stimmung konnten sich auch die Fondsmanager kaum entziehen, die in diesem Sektor Geld anlegen. Nur ein einziger der zehn besten Schwellenländerfonds im aktuellen Morningstar-Rating schaffte es, fast verlustfrei durch das Jahr 2011 zu kommen: Der in Großbritannien verwaltete Fonds First State Global Market Leaders schloss mit lediglich vier Prozent Minus. Der Grund dafür ist eine für diesen Anlagesektor ungewöhnlich defensive Ausrichtung: Die First-State-Manager setzen auf Unternehmen, die langfristig wachsende Gewinne nachweisen können, und sie verzichten auf Investments in zyklische Branchen. Der Nachteil dieser Fondsstrategie zeigt sich beim Blick auf die Wertentwicklung in Boomzeiten wie zuletzt 2009. Da lief der Fonds dem Markt regelmäßig hinterher.
Das genaue Gegenteil davon bekommen Anleger beim
JP Morgan Emerging Market Small Cap Fund geboten: Dieser Fonds spekuliert immer wieder extrem aggressiv, indem er größere Summen in kleineren Schwellenländerunternehmen anlegt, vor allem aber, indem er anders als fast die gesamte Konkurrenz nach wie vor stark in China unterwegs ist. Mehr als ein Drittel des Geldes liegt derzeit im Reich der Mitte, dafür spielen deutlich weiter entwickelte Schwellenländer wie Taiwan und Südkorea eine untergeordnete Rolle. Ergebnis dieser Strategie: In Boomzeiten schlägt der Fonds regelmäßig die Vergleichsgruppe. In Bärenmärkten wie zurzeit bricht er aber auch stärker ein.
Zwischen diesen Extremen bewegt sich das Anlagespektrum der übrigen Fonds des Ratings. Einerseits sind hier Small-Cap-Stockpicker am Werk, Manager also, die unter kleinen Firmen nach unentdeckten Perlen suchen. Sie werden derzeit häufig im Konsumgütermarkt fündig. So ist die südafrikanische Muttergesellschaft der Supermarktkette Spar in vielen Depots prominent vertreten, ebenso die größte chinesische Fast-Food-Kette Cafe de Coral oder auch Shoppingcenter-Betreiber wie Aeon aus Malaysia oder Iguatemi aus Brasilien. Auf der anderen Seite stehen Fonds, die sich an große Namen halten, was in Krisenzeiten die Schwankungen im Depot senkt. Hier finden sich Firmen wie
Samsung,
China Mobile,
Petrobras oder
Lukoil.
Unterm Strich ergibt sich ein breit gefächertes Bild an Länder- und Branchenmischungen in den Portfolios. Freundlich interpretiert zeigt das, wie vielfältig die Anlage in Schwellenländern sein kann. Kritisch gelesen belegt es aber auch die große Unsicherheit im aktuellen Marktumfeld. Denn wer weiß heute schon, ob morgen noch die Shoppingcenter boomen - oder doch bald wieder Ölkonzerne.
Empfehlen