Fonds

Fondsrating Wenn Steine im Depot zur Last werden

[09:35, 08.03.10]


Wer im Frühjahr 2007 für 100 Euro Aktien von Unternehmen kaufte, die Häuser bauen und verwalten, hat nur noch Anteile im Wert 60 Euro im Depot. Nur wenige Fonds konnten glänzen.


So stark verlor der Immobilienaktienindex MSCI World Real Estate an Wert. Auch Fonds dieses Anlagesegments ließen kräftig Federn. Abgesehen von zwei Produkten produzierten selbst die Topanbieter im Morningstar-Rating hohe zweistellige Verluste. Und das bei Schwankungen, die noch weit über jene der Aktienmärkte im selben Zeitraum hinausgingen.

Im Ergebnis ist so das Gegenteil dessen erreicht, was Immobilienanleger sich gemeinhin wünschen und Fondsanbieter ihnen versprechen: Ruhe im Depot und Werterhalt. Die Schwierigkeiten, dies zu erreichen, lassen sich zwar erklären, löste doch der Einbruch des Immobilienmarkts in den USA die Weltfinanzkrise aus. Das Ergebnis ist aber zweifellos eine Ohrfeige für die Branche.

Es wäre aber schon vor der Krise leichtfertig gewesen, einen Immobilienaktienfonds zu kaufen in der Hoffnung, "Steine im Depot" schützten vor Inflation und Unwägbarkeiten. Denn wie schon der Name der Anlageklasse sagt, handelt es sich mehrheitlich gar nicht um Immobilien, sondern um Aktienfonds mit all den Kursschwankungen börsennotierter Gesellschaften. Neben Immobilienunternehmen finden sich in den meisten Fondsdepots auch Real Estate Investment Trusts (REITs). Dahinter verbergen sich steuerbegünstigte Immobilienunternehmen. REITs sind in den USA seit den 60er-Jahren bekannt, in Deutschland wurde Anfang 2007 ein REIT-Gesetz für Entwickler von Gewerbeimmobilien geschaffen, das sie von Körperschaft- und Gewerbesteuer befreit. Allerdings sind bis heute erst drei deutsche REITs aktiv.

Langfristig haben REITs zumindest in den USA mit ordentlichen Ausschüttungen und Kursgewinnen punkten können. Kurzfristig kamen sie allerdings kaum weniger unter die Räder als konventionelle Immobilienentwickler oder Firmen aus Bau- und Wohnungswirtschaft. Wer sich für dieses spezielle Anlagesegment interessiert, findet im Rating mit dem Fonds der Regensburger Boutique Lacuna den ältesten in Deutschland verkäuflichen reinen US-REIT-Fonds. Dieser wird von European Investors beraten, einem Spezialisten für Immobilienaktien aus New York. Der wiederum ist auch mit einem eigenen Produkt in der Rangliste vertreten, das genau gegenteilig investiert: ausschließlich außerhalb der USA.

Unterschiedlich aufgestellt sind auch die übrigen Fonds im Morningstar-Tableau. Das beginnt schon mit der Währung: Der First-State-Fonds notiert in britischen Pfund. Henderson, Invesco und Morgan Stanley orientieren sich am US-Dollar .  ING Invest und Robeco schielen zwar auf Euro-Renditen, Währungsschwankungen sind aber auch hier programmiert, da die Portfolios zu fast 90 Prozent außerhalb der Euro-Zone angelegt sind.

Heimisch fühlen können sich Immobilienanleger bei den beiden Fünf-Sterne-Fonds, angeboten vom Kölner Vermögensverwalter Engels & Schölzel und vom Münchner Bankhaus von der Heydt. Anders als die Konkurrenz legen sie große Teile in offenen Immobilienfonds an und damit letztlich in Häusern und nicht Unternehmen. Der Ruf dieser typisch deutschen Anlageklasse ist nach mehreren Notschließungen zwar ruiniert. Im Vergleich zu den herben Verlusten anderer Fonds kamen Investoren aber mit einem blauen Auge davon.


 

© 2010 ftd

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