Bei vermögensverwaltenden Mischfonds sagt der Manager, wo es lang geht. Das lockt Anleger, die den Markt nicht überblicken.
Mischfonds sind zurzeit die
erklärten Lieblinge der Investoren.
Sie sammelten
zuletzt mehr Anlegergeld
ein als Aktien- und Rentenfonds
zusammen: Rund 5,4 Mrd. € floss
der Fondskategorie laut Branchenverband
BVI im ersten Quartal dieses
Jahres zu. Aktienfonds mussten sich
mit 2,3 Mrd. € begnügen, Rentenfonds
mit 2 Mrd. €. „Das ist eine
Folge der Unsicherheit an den Märkten“,
sagt Jürgen Dumschat, Geschäftsführer
des Investmentberatungshauses
Aecon Fondsmarketing
und Sprecher des Interessenverbunds
vermögensverwaltender
Investment-Fonds (IVIF).
Mischfonds gelten gleich aus mehreren
Gründen als gutes Investment
in schwierigen Marktlagen. Erstens
investieren sie in verschiedene Anlageklassen,
also in Aktien ebenso wie
etwa in Anleihen oder den Geldmarkt.
Dadurch ist das Risiko breiter
gestreut als bei Fonds, die nur eine
einzige Anlageklasse abdecken, und
die Schwankungen sind üblicherweise
geringer.
Zweitens nehmen die Fonds Investoren
die Asset-Allocation ab, treffen
also für sie die schwierige Entscheidung,
auf welche Anlageklassen das
Vermögen in welcher Gewichtung
verteilt wird. Drittens fallen viele
Mischfonds in die Kategorie der vermögensverwaltenden
Fonds. Dumschat
vom IVIF geht sogar davon aus,
dass die Mehrzahl der Mischfonds
vermögensverwaltende Ansätze verfolgt.
Was einen solchen Fonds ausmacht,
ist zwar nicht allgemeingültig
definiert. Üblicherweise
gilt aber: Die Manager
dürfen besonders flexibel
agieren und gezielt die
Quoten der einzelnen
Anlageklassen steuern.
Das macht sich im Idealfall
in schwankungsreichen
Märkten bezahlt.
Viele Anleger wünschen
sich Sicherheit –
und genau das versprechen
vermögensverwaltende Mischfonds:
Sie soll2en auf lange Sicht das
Anlegervermögen mehren, indem sie
Aufwärtsphasen an den Märkten
nutzen und bei fallenden Kursen
durch Umschichten Verluste vermeiden.
„In der Krise haben die Anleger
gemerkt, dass Buy and Hold nicht
mehr funktioniert“, sagt Karsten
Schnapp, geschäftsführender Gesellschafter
der Finanzberatung Erdmann
Financial Management. Die
Gesellschaft hat eine Datenbank mit
mehr als 1000 vermögensverwaltenden
Fonds zusammengestellt. „Jetzt
verlangen Anleger nach aktivem Risikomanagement
unter Einbeziehung
aller Anlageklassen.“
Die Manager vieler vermögensverwaltender
Mischfonds können etwa,
wenn die Aktienkurse fallen, die
Aktienquote auf Null setzen und das
Fondsvermögen komplett in Renten
oder Geldmarktpapiere umschichten.
Traditionelle Mischfonds hingegen
haben in der Regel vorgeschriebene
Quoten für jede Anlageklasse,
die sie nicht über- oder unterschreiten
dürfen.
Finanzexperte Schnapp rechnet
damit, dass die Zuflüsse bei vermögensverwaltenden
Mischfonds weiter
anschwellen werden. „Die Nachfrage
wird noch steigen“, sagt er. „Zudem
bieten Anlageberater die Fonds
jetzt verstärkt an, weil viele Kunden
danach fragen.“ Das dürfte den Verkauf
noch einmal beachtlich ankurbeln.
Denn viele Mischfonds sind
für Privatanleger nicht so
einfach zu finden, weil sie
von kleinen, hochspezialisierten
Investmentboutiquen
stammen statt von
bekannten Fondshäusern.
Deshalb gerieten sie
bislang nicht immer so
rasch ins Blickfeld der
Privatinvestoren.
Anleger müssen allerdings
darauf achten, keinen
für ihre Bedürfnisse ungeeigneten
Fonds zu erwischen. „Bei vermögensverwaltenden
Fonds gibt es extreme
Unterschiede im Managementstil“,
warnt Schnapp. Das beginnt
bereits damit, dass nicht alle einen
Manager aus Fleisch und Blut
haben. Manche vermögensverwaltende
Fonds investieren auf der Basis
von Trendfolgemodellen, folgen also
den Kauf- und Verkaufsempfehlungen
eines Computers, der Börsenkurse
analysiert.
Empfehlen